Großeinsatz

Sprengmeister entschärft Fliegerbombe am Hauptbahnhof

Die Berliner Polizei evakuierte Wohnungen, tausende Reisende waren von Zugausfällen und Verspätungen betroffen. Bauarbeiter hatten eine Fliegerbombe entdeckt - erst nach Stunden gab es Entwarnung.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Eine 100-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat in Berlin den Verkehr auf Schienen, Straßen, Wasserwegen und in der Luft stundenlang beeinträchtigt. Die Sicherheitsvorkehrungen vor und während der Entschärfung der Fliegerbombe sorgten für erhebliche Einschränkungen im Bahnverkehr.

Auf den Straßen rund um die Fundstelle nahe dem Hauptbahnhof bildeten sich lange Staus. Knapp 840 Menschen mussten am Vormittag vorsorglich in Sicherheit gebracht werden. Erst gegen 13.45 Uhr gab es Entwarnung. Die Sprengmeister der Polizei hatten den Zünder mechanisch entfernt und den russischen Blindgänger damit unschädlich gemacht.

Bauarbeiter hatten die Bombe bereits am Dienstagabend auf der Baustelle der künftigen S-Bahn-Linie S21 nördlich der Invalidenstraße entdeckt. Eine Entschärfung in der Nacht war nach Polizeiangaben nicht möglich. Dunkelheit und Eiskristalle am Zünder hätten das Risiko unkalkulierbar gemacht. Auch der Fundort gab Grund zur Sorge: Die Bombe lag nur zwei Meter entfernt vom Schienenstrang in einer Kies-Mulde.

Flugzeuge müssen wegen Bombenfund Schleifen fliegen

Die Polizei sperrte die Umgebung am Mittwochmorgen weiträumig ab. Mehrere Wohnhäuser, eine Kindertagesstätte und das Jobcenter an der Lehrter Straße wurden evakuiert. 150 Menschen fanden vorübergehend Unterkunft in einer Sporthalle. Feuerwehr und Rotes Kreuz versorgten zwölf Anwohner der Fundstelle, bei denen es sich um ältere oder kranke Menschen handelte.

Von 10 Uhr an gab es rund um den Hauptbahnhof massive Verkehrsbehinderungen. Straßen und Bahnstrecken in Richtung Norden wurden gesperrt. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mussten einige ihrer zentralen Buslinien wegen der Entschärfung umleiten. Betroffen waren die Linien 123, M27 und 142. Auch der Schiffsverkehr im Humboldthafen und auf dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal wurde gestoppt.

Auch Flugreisende waren betroffen. In Tegel fielen nach Angaben von Flughafensprecher Lars Wagner „zwischen 15 und 20 Flüge“ aus. Einige Maschinen konnten nicht starten, andere durften nicht landen und mussten Schleifen fliegen. Erst um 13.35 Uhr lief der Flugverkehr in Tegel wieder planmäßig.

Tausende Reisende von Verspätungen betroffen

Komplett gesperrt war auch die Bahntrasse vom Tiefgeschoss des Hauptbahnhofs in Richtung Norden. Nach Angaben von Bahnsprecher Achim Stauss waren mehrere Tausend Reisende von Verspätungen und Ausfällen betroffen.

Fernzüge wurden größtenteils umgeleitet, Regionallinien in Richtung Stralsund, Rathenow und Nauen waren in der Innenstadt unterbrochen und fuhren erst von den Bahnhöfen Gesundbrunnen oder Spandau.

Die Berliner S-Bahn und der Regional- und Fernverkehr auf den Ost-West-Strecken, darunter die wichtige ICE-Verbindung in Richtung Hannover, Rhein-Ruhr und Frankfurt, waren nicht betroffen. Ein Glücksfall für die Fahrgäste war dabei das eng geknüpfte Berliner Schienennetz mit seinen zahlreichen Umleitungsmöglichkeiten.

Kunden über Online-Angaben der Deutschen Bahn verärgert

„Die Einschränkungen halten sich so in Grenzen“, sagte der Unternehmenssprecher. „Für solche Fälle haben wir ein Betriebskonzept in der Schublade, das wir heute nur herausholen mussten.“ Die meisten Reisenden am Hauptbahnhof reagierten am Mittwoch vergleichsweise gelassen auf die Einschränkungen. Die Bahn informierte auf Anzeigetafeln, Plakaten und Lautsprecherdurchsagen. Auch zusätzliches Personal wurde nach Angaben der Deutschen Bahn eingesetzt.

Für Ärger sorgten hingegen die Angaben der Deutschen Bahn im Internet. Wer sich auf diese Weise über seine Verbindung am Hauptbahnhof informieren wollte, bekam bei vielen Zügen die Anzeige „Zug fällt aus“, obwohl die betreffenden Linien lediglich umgeleitet wurden oder nur auf Teilstrecken unterbrochen waren. Wie es zu der falschen Information für Tausende Reisende kommen konnte, werde nun untersucht, sagte ein Bahnsprecher.