Vorbild Neukölln

Berliner SPD und CDU machen Ernst gegen Schwänzer

Bisher reagieren die Bezirke der Hauptstadt unterschiedlich auf Schulschwänzer. Ein Leitfaden soll nun Abhilfe schaffen und die Arbeit von Lehrern, Rektoren und Behörden besser miteinander verknüpfen.

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Mit verbindlichen Regeln für Schulen und Lehrer in allen Bezirken wollen die Koalitionsfraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus gegen das Schulschwänzen vorgehen. Die SPD beschloss nun nach längerer interner Diskussion einen entsprechenden Antrag, die CDU signalisierte Zustimmung.

„Die Bezirke reagieren unterschiedlich auf Schulschwänzen, es krankt bisher an einheitlichen Vorgaben“, sagte der SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck. Vorbild ist das Neuköllner Modell, das seit Jahren von Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky propagiert wird. Er konnte sich aber lange Zeit nicht in der Berliner SPD durchsetzen.

655 Berliner Schüler fehlten länger als 40 Tage unentschuldigt

Allein im ersten Halbjahr des vergangenen Schuljahres, neuere Zahlen gibt es nicht, fehlte jeder fünfte Berliner Schüler nach Daten der Senatsverwaltung für Bildung länger als zehn Tage unentschuldigt. 655 Schulpflichtige hatten sich sogar de facto vom Unterricht verabschiedet und fehlten länger als 40 Tage.

In einem Leitfaden „Aktiv gegen Schulschwänzen“ sollen Lehrern, Schulleitern und anderen Behörden nun „verpflichtende Schritte zur Hilfestellung und Durchsetzung der Schulpflicht“ vorgegeben und die bestehenden Präventionsangebote bekannt gemacht werden.

Eltern nach erstem Fehltag informieren

Die Abgeordneten verlangen auch, dass durchgesetzt wird, was seit diesem Schuljahr die Regel sein soll: dass Eltern nämlich ab dem ersten unentschuldigten Fehltag von der Schule informiert werden. Eltern berichten, dass diese Praxis längst nicht überall eingehalten wird.

Schulversäumnisanzeigen müssen die Schulen ab dem fünften nicht entschuldigten Fehltag in einem Halbjahr beim Schulamt stellen. Daraus ergibt sich nach dem Willen der Koalitionsabgeordneten künftig ein verpflichtendes Gespräch zwischen Klassenlehrer und Eltern. Die Fraktionen verlangen auch eine bessere Vernetzung zwischen den Behörden. In jedem Bezirk solle es eine AG Schulpflicht geben, in der Schulaufsicht, Jugendamt, Jugendhilfe, Schulsozialarbeiter, Polizei und Jugendrichter zusammenarbeiten.