Bertelsmann-Studie

Berlin liegt bei Integration behinderter Schüler vorn

Die sogenannte Inklusion ist in Berlin deutlich weiter verbreitet als in anderen Bundesländern: Jeder zweite Schüler mit Förderbedarf besucht inzwischen eine Regelschule. Dennoch schlagen die Schulleiter Alarm.

Foto: Tobias Kleinschmidt / dpa

Der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung, die sogenannte Inklusion, ist in Berlin schon deutlich weiter verbreitet als im Bundesdurchschnitt. Fast jeder zweite Schüler mit Förderbedarf besucht inzwischen eine Regelschule. Das geht aus einer Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Demnach lag der Anteil der behinderten Kinder, die in Berlin an einer regulären Schule unterrichtet werden, im Jahr 2011 bei 47,3Prozent. Bundesweit lag die Quote im Durchschnitt nur bei 25 Prozent. Übertroffen wird die Hauptstadt nur von Schleswig-Holstein und Bremen. Vor vier Jahren hatte Deutschland sich verpflichtet, Schüler mit und ohne Behinderung gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention gemeinsam zu unterrichten.

Schüleranteil an Sonderschulen bundesweit nur gering gesunken

Trotz der positiven Entwicklung sei der Schüleranteil an Sonderschulen bundesweit nur gering gesunken, heißt es in der Studie weiter. In Berlin sei der Anteil von Schülern, bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wurde, in den vergangenen vier Jahren von 7,1 auf 7,5 Prozent gestiegen.

Der Bundesdurchschnitt betrage 6,4 Prozent. Grundschüler mit Förderbedarf besuchen in der Hauptstadt zu mehr als 57 Prozent den Regelunterricht, in weiterführenden Schule sind es 49 Prozent. Doch die Schulleiter sehen die sogenannte Inklusion in Berlin gefährdet. In einer Stellungnahme hat die Vereinigung Berliner Schulleiter das Ende Februar vorgelegte Konzept nun heftig kritisiert.

Die Kollegen seien „teilweise fassungslos“, vor allem was die geplante Personalzuweisung betrifft, heißt es in der Erklärung. „Damit hatten wir nicht gerechnet. Wir sind enttäuscht und brauchen noch mal dringend Nachbesserungen, bevor der Startschuss für die Inklusion erfolgt“, schreiben die Schulleiter. Grund für die Kritik ist vor allem die geplante Personaleinteilung.

Landeselternausschuss warnte vor Inklusion

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte nach ihrem Amtsantritt das Konzept ihres Vorgängers zur Umsetzung der Inklusion gestoppt und einen Beirat eingesetzt, der Korrekturen an dem Plan vornehmen sollte. Am 22. Februar hatte der Beirat seine Empfehlungen vorgelegt. Bereits der Landeselternausschuss warnte daraufhin vor der Umsetzung der Inklusion. Die Schulleiter werden nun noch deutlicher. Demnach müssten vor allem erfolgreiche Integrationsschulen befürchten, künftig weniger Personal zur Verfügung zu haben.

In Zukunft sollen die Sonderpädagogen für verhaltensauffällige und sprachliche Defizite dort vermehrt eingesetzt werden, wo der Anteil der Schüler aus Familien mit geringem Einkommen besonders hoch ist. Schulen, die bisher besonders viele Kinder mit sprachlichen Defiziten oder auffälligem Verhalten integriert haben, würden nach dieser Bemessungsgrundlage dann weniger Sonderpädagogen zur Verfügung haben.

Der Beirat will dies durch einen sogenannten Nachsteuerungspool ausgleichen, in dem insgesamt 300 Lehrer zusätzlich bereitstehen sollen. Doch die Schulleiter lehnen ein solches Verfahren ab, weil sich die Größe des Pools nicht an der tatsächlichen Zahl förderbedürftiger Kinder orientiere. Die Grundlagen für die Inklusion werden jetzt im Abgeordnetenhaus festgelegt, dass über den Landeshaushalt für die Jahre 2014/15 verhandelt.