Landesunternehmen

Berliner Bäderbetriebe planen Preiserhöhung

Das landeseigene Unternehmen will mithilfe von höheren Eintrittsgeldern sein Defizit verringern. Um die geplanten Mehreinnahmen von 1,7 Millionen zu erzielen, muss jedoch auch das Wetter mitspielen.

Foto: Marc Tirl / dpa

Die Berliner müssen sich in diesem Jahr auf höhere Tarife bei den städtischen Schwimmbädern einstellen. „Preiserhöhungen sind in absehbarer Zeit unvermeidlich“, sagte der Sprecher der Berliner Bäderbetriebe (BBB), Matthias Oloew, am Freitag dieser Zeitung. Über die genaue Höhe und den Zeitpunkt der Tarifanhebung wollte sich Oloew noch nicht äußern. Zu erwarten sei die Preisänderung aber „noch in diesem Jahr“.

Berlins Bäderbetriebe sind auf zusätzliche Einnahmen dringend angewiesen. Denn im aktuellen Wirtschaftsplan für 2013, der dieser Zeitung vorliegt, hat sich das landeseigene Unternehmen das ehrgeizige Ziel gesetzt, sein Defizit gegenüber den Vorjahren deutlich zu reduzieren. Rund 52 Millionen Euro soll danach der Verlust im laufenden Jahr betragen, den das Land Berlin weitgehend ausgleichen muss. Für das noch nicht abgeschlossene Geschäftsjahr 2012 war noch ein Verlust von beinahe 55 Millionen Euro prognostiziert.

Prinzip Hoffnung

Um ihre Bilanz zu verbessern, wollen die Bäderbetriebe vor allem mehr Einnahmen erzielen. Sie setzen dabei auch auf das Prinzip Hoffnung. Damit der Landesbetrieb die erwarten Mehreinnahmen von 1,7 Millionen Euro im Vergleich zu 2012 aus Eintrittsgeldern tatsächlich erzielen, muss in diesem Jahr der Sommer warm und trocken werden.

„Seit 2006 hat es in Berlin keinen wirklich schönen Sommer mehr gegeben. Wir gehen davon aus, dass diese Serie nun wieder einmal durchbrochen wird“, sagte BBB-Sprecher Oloew. Auch bei einer weiteren verregneten Saison könne man aber gegensteuern, versicherte Oloew. Noch schneller als in den Vorjahren will das Unternehmen dann unrentable Freibäder schließen und statt dessen Hallen für Schwimmer öffnen.

Schon jetzt haben die Berliner Bäderbetriebe aber mit dem Wetter zu kämpfen. Bevor, wie geplant, 14 Berliner Sommerbäder von Ende April an bis in den Mai nach und nach in Betrieb gehen können, müssen dort die Winterschäden beseitigt werden. Die Fliesen in den Becken seien nicht stärker in Mitleiderschaft gezogen als in den Vorjahren, versichern die Bäderbetriebe. Doch wegen des anhaltenden Frostes konnten die Sanierungsarbeiten bisher nicht einmal beginnen. „Es wird schon jetzt sehr eng, den Zeitplan zu halten“, sagte Matthias Oloew.

Spandauer und Gropiusstädter müssen dieses Jahr auf den Schwimmspaß im Freien verzichten. Sowohl das Kombibad Spandau-Süd als auch das Kombibad Gropiusstadt in Neukölln bleiben einschließlich ihrer Sommerbäder während der Badesaison 2013 ganz geschlossen. Das Bad in der Gropiusstadt soll frühestens im Herbst nach einer 3,6 Millionen Euro teuren Sanierung wieder aufmachen.

Das Spandauer Kombibad, das für neun Millionen Euro in Etappen komplett saniert wird, soll erst im Jahr 2014 wieder öffnen. Spandaus Sportstadtrat Gerhard Hanke (CDU) spricht von einem „negativen Paukenschlag“. Bezirksamt und Nutzer seien von den Bäderbetrieben bereits „mit der Sanierung der Schwimmhalle jahrelang hingehalten worden“. Nun verfüge ganz Spandau selbst im Sommer nur noch über das kleine Freibad Staaken-West. Dies sei völlig inakzeptabel.

Wegen Sanierungsarbeiten geschlossen sind auch einige Hallenbäder. So wird die Schwimmhalle an der Thomas-Mann-Straße in Prenzlauer Berg seit Monatsbeginn für 4,4 Millionen Euro in Schuss gebracht. Die Wiederöffnung ist im kommenden Jahr geplant. Ende April wird auch das Paracelsusbad in Reinickendorf voraussichtlich bis Ende September geschlossen. Dort wird die Edelstahlverkleidung des Schwimmbeckens für 360.000 Euro erneuert. Unf auch das Hallenbad an der Finckensteinallee in Lichterfelder steht Badelustigen erst 2014 wieder zur Verfügung.

Fünf Millionen für Sanierung

Der Landesbetrieb will auch dieses Jahr wieder fünf Millionen Euro in die Instandsetzung der 37 Hallen-, 14 Sommer- und vier Kombibäder investieren. Denn für die Jahre 2012, 2013 und 2014 hat das Land Berlin den BBB neben dem Landeszuschuss von 45 Millionen Euro für das laufende Geschäft jeweils fünf Millionen Euro als Investitionszuschuss für die Instandsetzung der maroden Gebäude und Anlagen zugesagt. Der Haken: Über diesen Sonderzuschuss des Landes hinaus sind keine weiteren Mittel für Instandhaltungsmaßnahmen der Schwimmbäder eingeplant.

Auch der Bund steuert für die Nutzung durch Spitzensportler 455.500 Euro zum Etat des Berliner Bäderunternehmens bei. So erhält die Schwimm- und Sprunghalle im Europapark an der Landsberger Allee dieses Jahr eine neue Lautsprecheranlage. Sie wird damit für die Schwimm-Europameisterschaften 2014 gerüstet.

Eine halbe Million Euro soll allein dieses Jahr in die Planung und Erneuerung der maroden Leitungssysteme des Freibades am Tegeler See fließen. Das Bad werde im Sommer aber den Besuchern zu Verfügung stehen, versicherte Matthias Oloew. Obwohl das Freibad von einem privaten Pächter betrieben werden soll, hatte das Land Berlin entschieden, die Gesamtkosten 1,1 Millionen Euro für den Leitungsaustausch selbst zu tragen.

Über die Verpachtung der Freibäder hinaus planen die Bäderbetriebe derzeit keine Privatisierungen. Auch Sponsoren halten sich zurück. Der Versuch, für die Schwimmhalle im Europapark nach dem Beispiel der O2World einen finanzkräftigen Namensgeber zu finden, sei bisher gescheitert, so der Bäder-Sprecher. „So ein Schwimmbad ist von seiner Werbewirkung her eben längst nicht so attraktiv wie andere große Hallen“, sagte Oloew. Wenn der neue Chef der Bäderbetriebe, der Däne Ole Bested Hensing, am 2. Mai die Geschäfte von Klaus Lipinsky übernimmt, wird er nocheiniges zu tun haben, um die Einnahmesituation des Landesbetriebs zu verbessern.