Prognose 2013

Wirtschaft schafft mindestens 20.000 neue Jobs in Berlin

Wirtschaft und Verbände erwarten ein überdurchschnittliches Wachstum in der Region. Auch Brandenburg profitiert von dem Boom. Insgesamt werden in beiden Bundesländern rund 30.000 neue Jobs erwartet.

Foto: Jörg Krauthöfer

Die Wirtschaft der Hauptstadt wird in diesem Jahr überdurchschnittlich stark wachsen. Das erwarten Senat und Wirtschaftsverbände. So prognostizieren die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) ein Wachstum von 1,7 Prozent in diesem Jahr. In Berlin und Brandenburg würden in diesem Jahr 30.000 neue Arbeitsplätze entstehen, davon 20.000 in der Hauptstadt, sagte UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. „Es könnten allein in Berlin aber auch 30.000 sein.“

Damit reihen sich die UVB in die optimistischen Prognosen anderer Institutionen ein. Sowohl die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) als auch Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) gehen davon aus, dass in der Hauptstadt rund 30.000 neue Stellen in den Unternehmen entstehen werden. Damit würde sich auch 2013 die gute Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetzen. 2012 stellten die Unternehmen in der Hauptstadt nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit unter dem Strich 41.515 Menschen neu ein. Ein Jahr davor waren es sogar mehr als 44.000 neue Jobs. Die Stadt ist auf einem stabilen Wachstumspfad.

Verantwortlich dafür ist auch die Gründerszene in Berlin, die vor allem mit Internetunternehmen international auf sich aufmerksam macht. So war 2012 das Stellenwachstum im Bereich „Information und Kommunikation“ unter allen Branchen am stärksten – mit einem Jahresplus von mehr als acht Prozent. Und die Branche wird einer Prognose der UVB auf Grundlage von Zahlen der örtlichen Regionaldirektion zufolge auch in diesem Jahr am meisten wachsen.

Dienstleistung, Torusmus und Bau sind Jobmotoren

Amsinck spricht von einer „Sonderkonjunktur“ in Berlin. Die Gründe dafür seien vor allem im Dienstleistungsbereich, im Tourismus, sowie einer starken Bautätigkeit zu finden. Zudem profitiere Berlin davon, dass Jahr für Jahr mehr Menschen in die Hauptstadt ziehen. Auf diese Wachstumsfaktoren hatte auch schon die IHK bei ihrem Konjunkturausblick vor wenigen Wochen hingewiesen. Tatsache ist, dass nach Prognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Jahr 2030 rund 250.000 Menschen mehr in Berlin leben werden als heute. Das sind Konsumenten und Steuerzahler. Somit sorgt der stete Strom von Neu-Berlinern automatisch für Wachstumsimpulse.

Bereits seit 2005 hatte Berlin in fast jedem Jahr höhere Wachstumsraten als der Bund vorzuweisen. Im vergangenen Jahr betrug das Plus für Deutschland 0,7 Prozent. Der Wachstumswert für Berlin ist noch nicht veröffentlicht. Allerdings gehen Experten von bis zu 1,5 Prozent Wachstum aus.

Prognosen für Deutschland sind niedriger als in Berlin

Und dieser Trend wird sich voraussichtlich auch 2013 fortsetzen. Die Prognosen für Deutschland insgesamt schwanken zwischen einem Jahresplus von 0,8 und einem Prozent. Anders als Deutschlands wirtschaftsstärkste Regionen im Süden und Westen ist Berlin weniger abhängig von der immer noch instabilen Weltkonjunktur.

Laut Branchenumfrage der UVB sind vor allem Betriebe aus dem Maschinenbau, die Chemie und der Ernährungswirtschaft guter Dinge für Umsatz und Aufträge in diesem Jahr. Bei den Dienstleistern erwarten Hotels und Gaststätten durch den anhaltenden Tourismus-Boom 2013 bessere Geschäfte. Keiner der befragten Betriebe äußerte Abbaupläne bei der Belegschaft.

Diskussion über Reformen der Agenda 2010

Vor dem Hintergrund der erfreulichen Entwicklung in Berlin wird an diesem Donnerstag über die Reformen der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder diskutiert. Schröder hatte am 14. März 2003 in einer Bundestagsrede die „Agenda 2010“ angekündigt – ein umfangreiches Reformprogramm der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Den stärksten Umbau gab es beim Arbeitsmarkt mit den Reformen Hartz I bis IV.