Kindesmisshandlung

18-Jähriger soll eigenes Baby zu Tode geschüttelt haben

Das Jugendamt hatte schon Wochen vor der Tat Hämatome an dem Säugling festgestellt. Der Angeklagten durfte sein Kind daraufhin eigentlich nur unter Aufsicht in einer Mutter-Kind-Einrichtung besuchen.

Das Jahr 2013 ist gerade 70 Tage alt, da steht am Landgericht Moabit schon ein trauriges Jubiläum an. Zum 15. Mal müssen die Richter über einen schlimmen Fall von Kindesmisshandlung urteilen. Der Prozess, der am heutigen Montag vor einer Jugendstrafkammer beginnt, ist dabei von besonderer Tragik. Das Opfer der angeklagten Tat, ein sieben Monate alter Säugling, hat die Misshandlungen nicht überlebt.

Angeklagt sind ein 18-Jähriger und seine gleichaltrige Freundin. Der junge Mann soll seine Tochter am 5. September vergangenen Jahres so heftig geschüttelt haben, dass das Mädchen wenige Tage später in einem Krankenhaus seinen inneren Verletzungen erlag. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor. Seine Freundin, die Mutter des Kindes, wird beschuldigt, nichts gegen die Misshandlungen unternommen zu haben. Von Misshandlungen spricht die Staatsanwalt, weil der schreckliche Vorfall vom 5. September 2013 nicht der erste dieser Art gewesen sein soll.

Junge aus gutem Haus

Der Angeklagte, zur Tatzeit noch Jugendlicher, ist Sohn eines Lehrerehepaares. Wie der Junge aus gutem Haus – in seinem Namen ist der Titel „Freiherr von“ enthalten – mit einem derart schrecklichen Tatvorwurf auf die Anklagebank geraten konnte, ist eine der Fragen, die das Gericht an den vorgesehenen acht Verhandlungstagen klären muss. Eine weitere, womöglich noch wichtigere Frage, die in dem Verfahren ebenfalls eine Rolle spielen dürfte, lautet: Wer ist noch verantwortlich dafür, dass ein kleines Mädchen nur sieben Monate alt werden durfte?

Denn die Tat geschah quasi unter den Augen der Behörden. Passiert sein soll es in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Schöneberg, in der das Jugendamt Neukölln die damals 17-jährige und mit ihrer Rolle hoffnungslos überforderte Mutter untergebracht hatte. Am Tattag war der Angeklagte mit dem Säugling allein in der Einrichtung, die Mutter war unterwegs, ein Betreuer war am Abend auch nicht mehr anwesend.

Der 18-Jährige brachte den Säugling selbst in ein Krankenhaus, als er feststellte, dass das Baby nicht mehr atmete. Die Ärzte diagnostizierten schwere Hirnschäden infolge eines Schütteltraumas. Alle weiteren medizinischen Bemühungen bei dem Kind blieben erfolglos, nach einigen Tagen musste der Hirntod festgestellt, die Maschinen, an denen das Baby angeschlossen war, wurden abgestellt.

Hämatome am ganzen Körper

Der 18-Jährige wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen, aufgrund seines Alters aber wieder freigelassen. Die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft brachten Ungeheuerliches zutage. Der mutmaßliche Täter war nicht nur wegen Körperverletzung vorbestraft, er war auch schon in schlimmen Verdacht geraten, als Vertreter des Jugendamtes das Paar im August 2012, wenige Wochen vor der Tat besucht hatte. Schon da wurden bei dem Säugling Hämatome am ganzen Körper festgestellt.

Die Reaktion der Behörden: Es wurde eine „Helferkonferenz“ anberaumt, in der über geeignete Maßnahmen beraten wurde. Anwesend dabei war auch die Mutter des Kindes. Beschlossen wurde bei der Gelegenheit, Mutter und Tochter in der Hilfseinrichtung unterzubringen. Dabei wurde auch festgelegt, dass der 18-Jährige sich nicht allein in der Nähe des Säuglings aufhalten durfte. Warum er am Tatort dennoch mit dem Baby allein war und wer für diesen Missstand mit tödlichen Folgen verantwortlich war, ist eine der vielen offenen Fragen in diesem Fall.