Ermittlungserfolg

Berliner Polizei nimmt fünf Warenkreditbetrüger fest

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Peter Oldenburger

Unter falschem Namen bestellen und die Warensendung dann an der angegebenen Adresse abfangen. Das war die Methode der gefassten Kriminellen.

Ob Laptops, Markenbekleidung, Unterhaltungselektronik oder hochwertige Parfüms, jede nur erdenkliche Ware ist per Mausklick im Internet zu haben. Gezahlt wird dafür ganz bequem nach Eingang der Lieferung. So ist es leicht nachvollziehbar, dass Betrüger die anonyme Art des Wareneinkaufs nutzen, um sich die Taschen zu füllen.

Eine beliebte Methode: Unter falschem Namen bestellen und die georderte Warensendung an der angegebenen Adresse abfangen. In zwei Fällen konnte die Berliner Polizei am Freitag die Betrüger festnehmen. Im Reinickendorfer Stadtteil Waidmannslust wurden zwei Jugendliche und ein Mann gefasst, in Moabit zwei Frauen.

In Waidmannslust ermöglichten aufmerksame Mieter die Festnahmen. Die Täter im Alter von 16, 17 und 19 Jahren waren beobachtet worden, als sie sich auffällig vor einem Haus an der Titiseestraße verhielten. Sie überklebten laut Polizei an der Klingeltafel und auf Briefkästen die ursprünglichen Namen und holten sich anschließend bei den Hausbewohnern die vermeintlich an sie adressierten Päckchen ab.

Ein Bewohner sah die drei Verdächtigen in einen Bus der Linie 122 einsteigen, in dem sie von alarmierten Polizeibeamten festgenommen wurden. Bei anschließenden Wohnungsdurchsuchungen entdeckten die Beamten in der Wohnung des 17-Jährigen eine Reihe von Beutestücken, die auf die gleiche Art und Weise ergaunert worden waren. Gegen die drei Verdächtigen wurde ein Verfahren wegen Warenkreditbetrugs eingeleitet.

Auf ganz ähnliche Weise versuchten in Moabit zwei Frauen, an die zuvor unter falschem Namen bestellten Warenlieferungen heranzukommen. In diesem Fall wurde ihnen laut Polizei ein Paketbote zum Verhängnis, der misstrauisch geworden war. Der Mann hatte am zweiten Tag in Folge mehrere Pakete an eine Adresse in der Emdener Straße ausgeliefert. Am Freitag gegen 13.15 Uhr lieferte der Bote sechs Pakete ab, ließ sich dabei aber den Ausweis der Empfängerin vorzeigen.

Schaden von 5,6 Millionen Euro

Da der Name der Frau an der Tür aber nicht dem Empfängernamen übereinstimmte, verließ der Paketbote das Haus und rief die Polizei. Als er zurückkehrte, kam ihm die vermeintliche „Empfängerin“ in Begleitung einer zweiten Frau, beide mit vollgepackten Taschen entgegen. Die 39 und 34 Jahre alten Frauen liefen den Polizisten am Hauseingang direkt in die Arme und wurden festgenommen. Der Inhalt der Taschen wurde beschlagnahmt. Erste Ermittlungen ergaben, dass es sich bei der mit einem Namensschild versehenen Wohnungstür lediglich um eine Zwischentür zu einem Treppenflur handelte.

Die Methode des sogenannten Bestellbetruges verzeichnet nach Angaben der Polizei starke Zuwachsraten. In der jüngsten Kriminalstatistik waren für 2011 in Berlin insgesamt 11.403 Fälle ausgewiesen, was einen Anstieg um 18,4 Prozent oder 1773 im Vergleich zum Jahr 2010 entspricht. Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote deutlich von 82 auf zuletzt 77 Prozent ab. Der in Berlin durch diese Methode entstandene Schaden betrug laut Statistik mehr als 5,6 Millionen Euro. In der Regel würden die Täter auf Paketzusteller warten. Wird die Sendung bei einem Mieter im Haus abgegeben, tauchen sie kurz danach auf, um sie abzuholen. Die Polizei rät dringend davon ab, Sendungen an nicht bekannte Personen anzunehmen.