Immobilien

Steigendes Grundwasser bedroht Berliner Hausbesitzer

Schon bis zu 10.000 Gebäude sind vom Anstieg des Grundwassers betroffen. Hintergrund ist der sinkende Wasserverbrauch in Berlin.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Tausenden Berliner Hausbesitzern drohen wegen des steigenden Grundwassers Schäden in Millionenhöhe und Wertverluste an ihren Immobilien. Nach einer Studie der KWS Geotechnik GmbH sind Gebäude, die sich auf dem Streifen des Berliner Urstromtals befinden, davon gefährdet. Der Grundwasserspiegel ist demnach in den vergangenen zwei Jahrzehnten um rund einen halben Meter gestiegen, in vielen Bereichen sogar um mehr als einen Meter.

Zahlreiche Gebäude, darunter auch denkmalgeschützte Prachtbauten wie etwa das Bundesratsgebäude an der Leipziger Straße in Mitte, stehen seitdem mit ihren Fundamenten im Wasser, die Schäden gehen in die Millionen. Der aktuelle Wasserstand hat der Untersuchung zufolge in weiten Teilen Berlins fast wieder das Niveau von 1870 erreicht, als Berlin lediglich 775.000 Einwohner zählte und die Industrialisierung noch in den Kinderschuhen steckte. Vor allem seit 1990 steigt der Grundwasserspiegel kontinuierlich.

Grundwasserspiegel soll weiter steigen

Die Studie geht davon aus, dass die Fördermenge in den kommenden Jahren um weitere 60 Millionen Kubikmeter sinken wird – mit der Folge, dass der Grundwasserspiegel weiter steigt. „Der Grundwasseranstieg trifft vor allem Bereiche, in denen Wasserwerke außer Betrieb genommen oder die Förderung zurückgefahren wurde“, so der Geologe Manfred Schafhauser von der Berliner Beratungsgesellschaft KWS Geotechnik.

Das Urstromtal durchzieht das Berliner Stadtgebiet von Südosten nach Nordwesten. Vor allem Ortsteile von Köpenick, Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf im Südosten sowie Lichtenberg, Friedrichshain und Mitte im Zentrum und Spandau, Staaken, Tegel und Heiligensee im Nordwesten der Stadt sind bereits heute stark betroffen.

Ursache ist sinkender Wasserverbrauch

Der Grund für den Anstieg des Grundwassers liegt im sinkenden Wasserverbrauch der vergangenen Jahre, der sich seit dem Fall der Mauer halbiert hat. Wurden 1989 in Berlin noch 378 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert, waren es gut 20 Jahre später nur noch 219 Millionen. In der Folge wurden zahlreiche Wasserwerke stillgelegt.

Handlungsbedarf besteht nach Auffassung der Verfasser generell überall dort, wo der Abstand des Grundwasserstandes zur „Geländeoberkante“, also zum Erdboden, weniger als 2,5 Meter betrage. Dieser Zustand wird von den Experten als „siedlungsunverträglich“ bezeichnet. In vielen Bereichen hat der Grundwasserspiegel diese Marke längst erreicht und liegt nur einen Meter oder sogar nur einen halben Meter unter der Geländeoberkante.

Der Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) gibt die Anzahl der betroffenen Gebäude mit rund 10.000 an. Die nachträgliche Isolierung eines Eigenheimes koste zwischen 40.000 und 50.000 Euro, sagte ein VDGN-Sprecher.