Michael Müller

Höhere Häuser sollen mehr Wohnungen in Berlin schaffen

In Berlin soll es nach Auffassung von Senator Müller enger, höher und dichter werden. Das könnte Nachbarn verärgern, aber Mieten drücken.

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Michael Müller will die Stadt stärker verdichten und auf den freien Flächen mehr Wohnungen bauen. Das sagte der Stadtentwicklungssenator am Dienstag nach der Sitzung des Senats. Es gehe ihm nicht um Hochhäuser oder neue Großsiedlungen, so der Sozialdemokrat.

Die Stadt müsse sich aber schon die Frage stellen, ob wir überall nur noch Zwei- oder Dreigeschosser bauen, sagte der Senator und spielte damit auf die verbreitete Tendenz an, freie Grundstücke bevorzugt für Townhouses oder Reihenhäuser zu nutzen. "Oder bauen wir auch mal Fünf- oder Sechsgeschosser?", fragte Müller. Gebäude in dieser Größenordnung waren nach dem Fall der Mauer in den 90er-Jahren unter anderem in den Neubaugebieten von Karow im Norden des Bezirks Pankow in größerer Zahl entstanden.

Die Nachbarschaften in den Kiezen müssten auch bereit sein, dass Baulücken geschlossen würden, auch wenn das einen Verlust von Grünflächen oder die Verschattung anliegender Gebäude bedeute, sagte Müller. "Es muss in der Stadt eine Akzeptanz geben für zusätzlichen Wohnungsbau." Neubau sei ein Weg, der sich preisdämpfend auf die Mieten auswirke.

Der Senat selber ist verstärkt dabei, die Flächen des Landes nach möglichen Wohnungsbaupotenzialen durchzuforsten. Am Dienstag beschloss die Landesregierung aus SPD und CDU in einem ersten Schritt, den Flächennutzungsplan für fünf Gebiete zu ändern, damit dort zusammen bis zu 1500 neue Wohnungen entstehen können.

Rewatex wird Wohnkomplex

Auf dem Gelände der ehemaligen Wäscherei Rewatex in Spindlersfeld gegenüber der Altstadt Köpenick sollen an der Spree in den denkmalgeschützten Industrieanlagen 700 Wohnungen gebaut werden. Ein Investor stehe mit dem Bezirk bereits in Verhandlungen, hieß es. An der Allee der Kosmonauten in Marzahn-Hellersdorf sind in der Nähe der Gärten der Welt Schulstandorte aufgegeben worden. Dort könnten 500 Wohneinheiten entstehen, wenn die Verantwortlichen im Bezirk die Potenziale auch ausschöpften, mahnte Müller an die Adresse der Bezirke. Kleinere Wohnbauprojekte mit jeweils rund 50 Wohnungen sollen demnächst in Spandau am Kladower Damm auf dem ehemaligen Gelände des Deutschen Entwicklungsdienstes begonnen werden, ebenso in Treptow-Köpenick im Hessenwinkel auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne. 100 weitere Wohnungen darf ein Investor nun im ehemaligen Hafen Sachtlebenstraße auf der früheren Teltowwerft in Steglitz-Zehlendorf realisieren.

Zudem hat Sportsenator Frank Henkel (CDU) in der Senatssitzung auch offiziell die bisher für Tennisplätze genutzte Sportfläche an der Lichtenberger Bornitzstraße für Wohnnutzung freigegeben.

Insgesamt, so Müller, arbeite sein Haus an einer Liste mit weiteren Grundstücken, für die eine Änderung des Flächennutzungsplans denkbar sei. Insgesamt sehe er durch Änderung im Flächennutzungsplan Potenziale für 13.500 zusätzliche Wohnungen. Er hoffe, dass die Bezirke diese Potenziale auch heben werden, sagte Müller: "Wir müssen über Masse, Dichte und Höhe sprechen."

Hohes Interesse von Investoren

Seit Müller im vergangenen Jahr nach der Wahl das Amt des Stadtentwicklungssenators übernommen hat, hat er die Frage der zunehmenden Wohnungsknappheit in Berlin auf die Agenda gesetzt. Der Neubau soll unter anderem auch dadurch forciert werden, dass Berlin den landeseigenen Wohnungsgesellschaften günstig landeseigene Grundstücke aus dem Liegenschaftsfonds überlässt, damit diese dort auch Wohnungen zu günstigeren Mieten um die sieben Euro pro Quadratmeter bereitstellen können. Das müsse über Mischkalkulation zwischen höheren und niedrigeren Mieten ermöglicht werden, ist Müller überzeugt.

An Investoren herrscht derzeit kein Mangel. Bei der Immobilienmesse Expo Real in München hätten Interessenten an Wohnbauprojekten den Berliner Stand annähernd überrannt, berichtete der Senator. Die meisten seien an Flächen in der Innenstadt interessiert. Man habe sie aber auch auf das sehr viel größere Angebot in anderen Stadtteilen hingewiesen. Wie viele Wohnungen möglicherweise noch auf den dafür ausgewiesenen oder geeigneten freien Berliner Flächen entstehen können, konnte Müller nicht sagen. Begehrt dürften die 600 neuen Wohnungen sein, die CA Immo nach jahrelangem Streit am Mauerpark zwischen Alt-Mitte, Wedding und Pankow bauen darf. Der Senat hat am Dienstag den städtebaulichen Vertrag mit dem Investor und dem Bezirksamt beschlossen. Damit wurde ein heftig geführter Konflikt mit einem laut Müller "gutem Kompromiss" beigelegt. Anwohner und Nutzer des Parks hatten lange Zeit dagegen protestiert, dass ein Teil der möglichen Erweiterungsfläche für die beliebte Grünanlage für privates Wohnen herangezogen wird.

Nun sollen im nördlichen Teil des Geländes, das an Pankow angrenzt, die Wohnungen entstehen. Berlin beteiligt sich an den Erschließungskosten von insgesamt 3,5 Millionen Euro mit 600.000 Euro. Die Verschönerung des Gleimtunnels soll Berlin 1,52 Millionen kosten. Weitere Ansprüche von CA Immo werden vom Land mit 3,82 Millionen abgegolten. Im Gegenzug übernimmt der Investor die Kosten für 40 Kita-Plätze und überlässt Berlin sieben Hektar seines Grundstücks, auf die sich der Mauerpark ausbreiten darf. Die Kosten dafür übernimmt die Allianz Umweltstiftung. Erstmals soll auch ein direkter Zugang vom Wedding aus zum Mauerpark geschaffen werden.

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