„Top 200“-Umfrage

Konzerne bieten Stellen

Morgenpost Online zeigt den Berliner Job-Markt - interaktiv.

Foto: dt/nid / dapd

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Berlin ist deutlich gestiegen. Mit einem Zuwachs von 2,4 Prozent im ersten Halbjahr lag Berlin über den Zuwächsen aller anderen Bundesländer, wie das Statistische Landesamt mitteilte.

In der jährlichen Umfrage „Berlins Top 200“ der Berliner Morgenpost kündigte ein Viertel der Unternehmen an, 2012 einzustellen oder Stellen bereits geschaffen zu haben, insgesamt mindestens 2500 Jobs. Nur sechs der Unternehmen planten einen Beschäftigungsabbau. Alle anderen wollten die Zahl der Beschäftigten zumindest konstant halten. 2011 hatten die 200 größten Arbeitgeber ihre Belegschaft um durchschnittlich 1,5 Prozent aufgestockt.

Die angekündigten Neueinstellungen liegen zwar unter denen des Vorjahres. Angesichts der sich abkühlenden Wirtschaft in Deutschland sind die Aussichten für Berlin aber freundlich.

Es klingt paradox und spiegelt doch die wirtschaftliche Logik Berlins: Konjunkturverwerfungen treffen die Unternehmen der Stadt nicht so stark wie viele andere Landstriche Deutschlands. Die heimische Wirtschaft hängt zum einen weniger vom Export und damit vom Weltmarkt ab und erlebt zudem durch Tourismus und Immobilien gerade eine Sonderkonjunktur.

Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent

So erwarten beispielsweise die Berliner Handwerkskammer und die IHK in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent für die Hauptstadt. Die offizielle Prognose der Bundesregierung für Deutschland geht von 0,8 Prozent Zunahme für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – die Summe aller erstellten Waren und Dienstleistungen – aus.

Auch im kommenden Jahr könnte die Hauptstadt schneller wachsen. „Ich sehe für die Berliner Wirtschaft keinerlei Anzeichen von Krise“, sagt Hans-Ulrich Fitz aus der Geschäftsführung der Creditreform Berlin auf Grundlage der jüngsten Mittelstandserhebung des Auskunftsunternehmens.

Danach nannten 47,5 Prozent der befragten Berliner Unternehmen die wirtschaftlichen Aussichten „sehr gut“ oder „gut“. Vor einem Jahr – bei deutlich höherer weltweiter Prognose – waren es mit 49,3 Prozent nur knapp mehr.

Die Creditreform-Umfrage ergab zudem, dass in Berlin 13,8 Prozent der Betriebe einen Umsatzrückgang erwarten, deutschlandweit sind es jedoch mehr als 18 Prozent. Ähnlich ist das Verhältnis bei den Gewinnerwartungen. Offensichtlich haben sich die Berliner Unternehmen stabilisiert und besser aufgestellt.

Wie die „Top 200“-Umfrage zeigt, trägt der Dienstleistungssektor das Beschäftigungswachstum in Berlin. Während die Dienstleister unter den größten Arbeitgebern im vergangenen Jahr 1,7 Prozent mehr Mitarbeiter einstellten, kam die Industrie auf 1,2 Prozent. Dienstleister stellen auch den größten Anteil der Top-100-Arbeitgeber. Größtes Unternehmen der Stadt ist mit 17.800 Beschäftigten die Deutsche Bahn, gefolgt vom stadteigenen Klinikkonzern Vivantes (13.938 Mitarbeiter) und dem Technologiekonzern Siemens (13.386).

Zu den am stärksten gewachsenen Unternehmen gehören der Online-Händler Zalando mit jetzt 1000 Beschäftigten und das Schnäppchenportal Groupon mit 800. Bei den Industrieunternehmen wuchsen der Bahnausrüster Stadler in Pankow (plus 22 Prozent auf 900) und der Chemiekonzern BASF (plus 17,7 Prozent auf 1092) am kräftigsten.