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Der Berliner Arbeitsmarkt wächst rasant

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Hans Evert

Das Stellenwachstum ist in Berlin im Vergleich der Bundesländer am größten. Die Gehälter sind jedoch vergleichsweise niedrig.

Nirgendwo in Deutschland hat es in den ersten sechs Monaten des Jahres einen solchen Zuwachs von Arbeitsplätzen gegeben wie in Berlin. Zum Stichtag 30. Juni hatten in der Hauptstadt 1.747.800 Menschen einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz. Im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt waren dies 44.300 mehr Beschäftigte oder 2,6 Prozent. Kein anderes Bundesland kann im zweiten Quartal ein ähnlich hohes Wachstum vorweisen, wie das Statistische Landesamt mitteilte. In Bayern und Hamburg betrug der Zuwachs im selben Zeitraum 1,9 Prozent, der deutsche Durchschnitt lag bei 1,3 Prozent.

Berlins neue Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer sieht in den Daten einen weiteren Beleg für das derzeit überdurchschnittliche Wachstum in der Hauptstadt. „Erfreulich ist, dass sich damit auch der positive Trend der letzten Jahre fortsetzt“, sagte Yzer.

Vieles deutet auf ein Wachstum von 2 Prozent hin

In der Tat ist die Wirtschaftsdynamik in Berlin derzeit höher als in den meisten anderen Bundesländern. In Berlin deutet in diesem Jahr alles auf ein Wachstum von 2,0 Prozent hin, im Bund werden weniger als ein Prozent erwartet. Dazu passt der hohe Aufbau von Beschäftigung. Allerdings ändert sich, was vielen paradox erscheinen mag, auf den ersten Blick wenig an den schlechten Arbeitsmarktdaten der Hauptstadt. Die Arbeitslosenquote, zuletzt 11,8 Prozent ist die höchste aller Bundesländer. Das liegt daran, dass viele Menschen aus dem Umland in Berlin ihren Arbeitsplatz haben. Zudem werden neue Jobs oft mit Mitarbeitern besetzt, die dafür in die Hauptstadt umziehen.

Die meisten neuen Stellen, mehr als 90 Prozent, entstanden im Dienstleistungsgewerbe. Darunter fällt ein große Bandbreite an Tätigkeiten. So fanden viele Menschen im Gastgewerbe der Touristenmetropole eine neue Stelle. Andere kamen bei Firmen der Informations- und Kommunikationstechnologie unter, wie die Berliner Statistiker berichten. Auch der Immobilienboom in der Hauptstadt spiegelt sich im Arbeitsmarkt: In Bereichen wie Finanz-, Grundstücks- und Wohnungswesen fanden im zweiten Quartal diesen Jahres 15.400 Menschen eine neue Stelle – ein Plus von 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Dienstleistungen dominieren

Im Vergleich zu den Beschäftigten anderer Bundesländer verdienen die Berliner Angestellten relativ wenig – und das hat mit der Dominanz der Dienstleistungsbranche in der Hauptstadt zu tun. Dort wird in aller Regel weniger verdient als in der Industrie. Bei Servicebetrieben bekamen Beschäftigte im zweiten Quartal des Jahres im Durchschnitt 2844 Euro im Monat.

Zum Vergleich: 3754 Euro erhielt der durchschnittliche Beschäftigte in einem Berliner Produktionsbetrieb. Damit verdienen viele in der Stadt schlechter als Angestellte und Arbeiter im Rest Deutschlands. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes betrug der Durchschnittsverdienst über alle Branchen und Beschäftigungsformen monatlich 3045 Euro.

In Berlin waren es 2966 Euro. Noch deutlicher werden Unterschiede, wenn man sich den durchschnittlichen Verdienst eines in Vollzeit beschäftigten Berliners anschaut. Dessen Monatsentgelt betrug 3621 Euro, in Deutschland 3832 Euro. Positiv für alle Gehaltsempfänger: Die Entgelte haben in den vergangenen Jahren auch real – also nach Abzug der Inflation – zugelegt.

Allerdings kann das Statistische Landesamt aktuell keine derartigen Daten für Berlin bereitstellen. Eine Sprecherin wies daraufhin, das die Stichprobenmethodik im zweiten Quartal verändert wurde. Somit seien keine seriösen Vergleiche mit früheren Zeiträumen möglich.