Stadtsanierung

Die Berliner City West lässt die Hüllen fallen

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Brigitte Schmiemann

Foto: Amin Akhtar

Zoofenster und Bikinihaus nehmen Gestalt an. Am Haus Cumberland ist das Gerüst jetzt verschwunden und das erste Geschäft hat eröffnet.

In der City West werden wieder die roten Teppiche ausgerollt – sogar auf beheizbaren Gehwegen. Nach Jahren des Lärms, der Verkehrsbehinderungen und des Provisoriums gehen jetzt nach und nach Neubauten und sanierte Denkmäler an den Start. Am Donnerstag hat Bread&Butter-Gründer Karl-Heinz Müller seinen 600 Quadratmeter großen Store „14 oz“ am Kurfürstendamm 193–194 eröffnet.

Es ist das erste von künftig drei Geschäften im frisch sanierten Haus Cumberland. Jahrelang stand das traditionsreiche Gebäude leer und verfiel. Mitte November will auch Borchardt-Chef Roland Mary sein rund 500 Quadratmeter großes Caféhaus und Restaurant im Cumberland eröffnen. „Das ist unser ehrgeiziges Ziel“, bestätigt eine Sprecherin.

Ende des Jahres werden in dem denkmalgeschützten Ensemble dann auch die ersten 30 der insgesamt 166 Wohnungen übergeben. 120 Millionen Euro haben die drei Investoren Thomas Bscher, Dirk Germandi und Detlef Maruhn in die Immobilie investiert.

Noch ist die City West voller Geheimnisse – versteckt hinter Bauplanen und Absperrungen. Gebäude wie das Geschäftshaus an der Rankestraße, Ecke Tauentzien sind für den Umbau erst kürzlich eingepackt worden. Aber schon in den nächsten Monaten wird der Vorhang bei vielen Projekten fallen. Beispielsweise bei Apple am Kurfürstendamm 26. Dort richtet das Unternehmen sein erstes Geschäft in der Hauptstadt ein. Noch erinnert das denkmalgeschützte Haus der einstigen Filmbühne Wien mit seiner pechschwarzen provisorischen Holzverkleidung eher an eine Blackbox als an eine repräsentative Geschäftsadresse. Doch die Heimlichkeit gehört zur Marketingstrategie des Apple-Konzerns. Dem Vernehmen nach soll im November Eröffnung gefeiert werden.

Gehwege mit Fußbodenheizung

Entsprechend der Lage wird am Kudamm hochwertig gebaut. Vor dem Cumberland haben die Steinmetze im Auftrag der Hauseigentümer neue Gehwege verlegt. Der Clou: Unter den edlen Grauwacke-Natursteinen liegen Heizschlangen. Im Winter wird eine Fußbodenheizung dafür sorgen, dass es bei Schnee und Glätte keinerlei Probleme gibt. Auf dem Podest der Gedächtniskirche warnen Schilder vor Stolperfallen. Der Alte Turm ist noch eingerüstet. Mit seiner weißen festen Einhausung mutet das Mahnmal gegen den Krieg bei so manchem Touristen wie ein Bürogebäude an, aber auch dort ist das Ende der Sanierung in Sicht. Mitte 2013 soll die Ruine wieder für jedermann zu sehen sein.

Während sich auf der Baustelle „Bikini Berlin“ entlang der Budapester Straße noch sechs Baukräne drehen, ist das Zoofenster gleich gegenüber kurz vor dem Start. Mit dem 119 Meter Hochhaus ist am Breitscheidplatz ein optischer neuer Mittelpunkt der City West entstanden. Das Waldorf Astoria, das von den 31 Etagen im Hochhaus 23 mit Hotelzimmern belegen wird, sollte eigentlich schon im Sommer Gäste empfangen. Jetzt heißt es, man wolle noch in diesem Jahr eröffnen. „Rund 150 Mitarbeiter werden eingearbeitet, die Zimmer sind eingerichtet, es fehlen nur noch Kleinigkeiten“, sagt Sprecherin Anja Langensiepen.

Für das zweite geplante fast 120 Meter Hochhaus gleich nebenan hat das Kölner Unternehmen Strabag Real Estate zwar noch keinen Termin für den Baustart mitgeteilt, die Ladenmieter im Schimmelpfeng-Haus sind aber zum 1. November gekündigt. Der Rest des Schimmelpfeng-Hauses muss für „Upper West“, so der Name des Hochhauses, noch abgerissen werden.

Gleich gegenüber diesen beiden neuen Türmen entsteht mit dem „Bikini Berlin“ im Zoobogen eine weitere Adresse. Auf 25.000 Quadratmeter werden dort Shops, Cafés und Restaurants sowie Kinos einziehen. Der Zoo Palast soll ab 2014 wieder als Berlinale Kino zur Verfügung stehen. 19.000 Quadratmeter neuer Büros werden gebaut sowie 7000 Quadratmeter Hotelfläche im kleinen Hochhaus. Sabine Hagn, Sprecherin der Bayerischen Hausbau, nennt den Herbst 2013 als Eröffnungstermin für das Großprojekt im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich: „Wir werden die Einzelhandels-, Büro- und Gastronomiebereiche sowie das Hotel und das Kino Zoo Palast zeitlich nacheinander gestaffelt eröffnen.“ Die einzelnen Termine seien noch nicht festgelegt.

Frischer Wind für die City West

Der frische Wind, der durch die Modernisierungswelle durch die City West weht, scheint auch die Geschäftsleute zu beflügeln. Hatten sie bislang auf das freiwillige Engagement gesetzt, will die Arbeitsgemeinschaft City ihr Quartier in Zukunft professionell managen lassen. Der Staat soll sich zwar von seinen Aufgaben nicht verabschieden, jedoch sollen sich die Grundstückseigentümer mit einer staatlich festgesetzten Abgabe an Projekten beteiligen. Ob die Senatsverwaltung eine entsprechende Rechtsverordnung erlassen wird, ist noch offen. Das Bezirksamt will die Initiative unterstützen, wenn für alle eine Win-win-Situation entsteht.

Wie berichtet, konnte sich der Bezirk in diesem Jahr erstmals die Bepflanzung auf dem Kurfürstendamm nicht mehr leisten. Die 50.000 Euro dafür fehlten, obwohl die Blumen noch in der eigenen Gärtnerei wachsen. Sollten sich in Zukunft die Kaufleute und Grundstückseigentümer finanziell beteiligen, wäre eine jahreszeitlich wechselnde Bepflanzung auf Berlins wichtigsten Einkaufsstraßen Kurfürstendamm und Tauentzien wieder möglich. Solange aber müssen sich die Berliner und ihre Gäste mit den immergrünen Eiben-Zierhecken auf dem zwar sanierten, jedoch sehr pflegeleicht gestalteten Mittelstreifen zufriedengeben. „Die Resonanz für einen Business Improvement District (BID) ist gut. Grundstückseigentümer und Geschäftsleute sehen darin die Chance, das Umfeld zu verbessern und Standortmarketing zu betreiben“, sagt AG-City-Vorstandsmitglied Gottfried Kupsch. Die Händlergemeinschaft hat die Initiative ergriffen, ein solches Projekt nach dem Vorbild Hamburgs an Kurfürstendamm und Tauentzienstraße zu gründen. Das könnte auch für Aktionen wie das Sommerfest auf dem Breitscheidplatz eine Option sein.

Bei der Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, mit deren Sanierung im April begonnen wurde, sind bereits fast zehn Meter Gerüst an der Turmspitze abgebaut worden. Ebenfalls schon nicht mehr eingerüstet ist die Spitze des Südturms der Ruine am Kurfürstendamm. Das Denkmal, das für insgesamt 4,2 Millionen Euro einer gründlichen Sanierung unterzogen wird, wird in Teilabschnitten abgerüstet – je nach Baufortschritt. Nach den jetzigen Planungen sollen bis Mitte 2013 die Hüllen komplett gefallen sein und die Steinmetze, Restauratoren, Dachklempner und anderen Handwerker ihre Arbeiten beendet haben. Im Umfeld der City West bleibt dennoch viel zu tun. Bis zum Jahresende will beispielsweise die Bahn entscheiden, wie der Bahnhof Zoo mit den immer noch leer stehenden Terrassen und das Umfeld verschönert werden kann. Ebenso wartet die Idee des Bezirksamtes, die Autos vom Hardenbergplatz in eine Tiefgarage zu verbannen, noch auf die Umsetzung. Und was aus dem Grundstück an der Hertzallee wird, wo längst Unkraut über die hochfliegenden Pläne des Berliner Aussichtsrades gewachsen ist, ist ebenfalls weiterhin offen.