Giftige Dämpfe

Großeinsatz nach Gasalarm im Flughafen Tegel

Am Flughafen Tegel sind in Berlin durch ätzendes Gas 53 Menschen verletzt worden. Offenbar hatten Mitarbeiter Reinigungsmitteln vermischt.

Giftige Dämpfe haben am Sonnabend auf dem Flughafen Tegel einen Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei ausgelöst. Offenbar waren die gesundheitsschädlichen Gase bei Reinigungsarbeiten im Flughafengebäude am frühen Morgen entstanden. Insgesamt 53 Menschen wurden nach Angaben der Feuerwehr durch das Einatmen der Dämpfe leicht verletzt. 38 der Betroffenen, darunter Passagiere, Angestellte und Angehörige der Flughafenfeuerwehr, wurden mit Rettungswagen und einem Bus in sechs umliegende Krankenhäuser gebracht.

„Die Verletzten klagten in erster Linie über Reizungen der oberen Atemwege und der Augen, anderen war nach dem Einatmen der Gase schlecht geworden, sie litten an Übelkeit“, sagte Feuerwehrsprecher Sven Gerling. Nach ambulanter Behandlung seien viele der Verletzten bereits bis zum Mittag wieder aus den Kliniken entlassen worden.

Für den Flugverkehr in Tegel kam es zu „minimalen Beeinträchtigungen“. Es habe wegen des Feuerwehreinsatzes ein paar Verspätungen bei Flügen gegeben, sagte ein Flughafensprecher. Zudem wurden einige Maschinen an anderen Gates als ursprünglich vorgesehen abgefertigt. Außerdem seien die betroffenen Warteräume sowie einige Geschäfte und Restaurants im Terminal A vorsorglich geschlossen worden.

Keine Zufahrt zum Terminal

Die Feuerwehr war um 6.45 Uhr vom Flughafen alarmiert worden. Die Einsatzleiter ließen umgehend die Klimaanlage abschalten, um eine Ausbreitung vorhandener Gase zu verhindern. „Aus diesem Grund wurden auch einige Rauchverschlüsse am betroffenen Terminal A geschlossen“, sagte Gerling. Vorsorglich wurde der Innenring des Airports für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Weder Taxis noch Privatwagen konnten vorübergehend die direkte Zufahrt zum Hauptterminal benutzen. Gleichzeitig wurde außerhalb des Flughafengebäudes von Sanitätern der Feuerwehr vor den Gates 3 und 4 eine Sammelstelle für die Verletzten eingerichtet.

Während Polizeibeamte dafür sorgten, dass die abgesperrten Bereiche des Terminals nicht betreten wurden, waren etwa 50 Angehörige der Berufsfeuerwehr damit beschäftigt, die Verletzten zu versorgen. Ein Notarzt stellte fest, welche Passagiere mit Priorität zu behandeln waren und wer von den Betroffenen zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden musste.

„Gegen 11 Uhr hatte sich die Lage wieder normalisiert. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich eine halbe Stunde lang keine Personen mit den beschriebenen Symptomen mehr gemeldet“, berichtete Sven Gerling. Bis 14 Uhr sollte vorsorglich eine Rettungsmannschaft am Flughafen bleiben, falls sich bei Schichtwechsel noch Personen mit Beschwerden melden würden. Dazu kam es nicht mehr, sodass der Einsatz beendet wurde.

Die Ursache für das Auftreten der giftigen Dämpfe und der genaue Ort, von wo diese austraten, blieben zunächst unklar. Erste Messungen der Feuerwehr gaben keinerlei Aufschluss zur Ursache. Ein von Experten des Landeskriminalamtes eingesetztes Massenspektrometer konnte bei weiteren Messungen ebenfalls keine gesundheitsgefährdenden Stoffe feststellen.

Die Experten gehen davon aus, dass offenbar Reinigungsmittel falsch dosiert oder gemischt wurden, die anschließend in den Nachtstunden zum Putzen der Fußböden verwendet wurden. Dafür sprachen die Symptome, die bei den leicht Verletzten auftraten und mit den Warnhinweisen der verwendeten Mittel übereinstimmen. Als Erste hatten Mitarbeiter des Flughafens über Übelkeit geklagt, nachdem sie eine Toilette aufgesucht hatten. Auch Angehörigen der Flughafenfeuerwehr war kurz darauf schlecht geworden.

Die Polizei hatte am Morgen bei Messungen vorübergehend einen erhöhten Ammoniakgehalt in der Luft festgestellt. Zur endgültigen Klärung der Ursache laufen polizeiliche Ermittlungen.