Kriminalität

Berlins Autodiebe bevorzugen teure Wagen

In keinem anderen Bundesland wurden im vergangenen Jahr so viele Autos gestohlen wie in Berlin - Porsche, BMW und Audi sind beliebt.

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7340 Fälle von Autodiebstahl wurden im vergangenen Jahr in Berlin erfasst. Das sind durchschnittlich 20 Wagen pro Tag. Wie aus dem Lagebericht des Bundeskriminalamtes (BKA) hervorgeht, der Morgenpost Online vorliegt, ist Berlin damit die Autoknacker-Hauptstadt Deutschlands: In keinem anderen Bundesland wurden 2011 so viele Autos gestohlen. Im Gegensatz zum gesamtdeutschen Trend bedeutet das ein Zuwachs um 2,2 Prozent.

In der Bundesrepublik sind im vergangenen Jahr 41.057 Autos als gestohlen gemeldet worden. Ein Jahr zuvor waren es noch 1000 Wagen – und damit gut zwei Prozent mehr. Wie schon 2010 wurden in Berlin im Vorjahr mehr Autos gestohlen als im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen mit der bundesweit höchsten Zahl zugelassener Fahrzeuge. Insgesamt sind neben den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen die ostdeutschen Bundesländer am stärksten vom Autoklau betroffen.

Zielort Osteuropa

Opfer der Autodiebe werden nach den Angaben der BKA-Analyse vor allem die Besitzer von eher teuren Autos. Zum einen, weil sie auf den illegalen Märkten besonders gefragt sind, zum anderen, weil sie den Kriminellen die höchste Gewinnspanne versprechen. Das Berliner Landeskriminalamt (LKA) sieht dieses Delikt laut aktueller Kriminalstatistik „weiter geprägt von der EU-Osterweiterung“. Die Nähe zu den osteuropäischen Nachbarstaaten, die städtische Anonymität und die hohe Fahrzeugdichte würden den Tätern günstige Voraussetzungen bieten.

Die Analyse des BKA wird da noch konkreter: Klar wird beschrieben, dass osteuropäische Staaten überwiegend die klassischen Zielorte und -märkte für gestohlene Autos aus Deutschland sind. Darüber hinaus spielen neben dem Nahen und Mittleren Osten inzwischen auch zentralasiatische Staaten wie Tadschikistan und Usbekistan zunehmend eine Rolle bei der professionellen Verschiebung „rollender Diebesgüter“. Die sogenannte Balkanroute über die Türkei in den Nahen Osten oder die Niederlande für die Verschiebung gestohlener Wagen nach Westafrika spielten demgegenüber eine untergeordnete Rolle.

Porsche bevorzugt

Die bei Autodieben bevorzugte Automarke ist im Jahr 2011 unverändert Porsche, knapp vor BMW und Audi. Von je 100.000 Autos im Fahrzeugbestand wurden 99 Porsche entwendet, 97 BMW und 96 Audi. An vierter Stelle rangiert Volkswagen (71), erst dahinter folgt Mercedes (27) vor Ford (19) und Opel (12). Was das Alter der Fahrzeuge betrifft, werden besonders häufig zwei- bis vierjährige Wagen gestohlen.

Doch auch Pkw, die sieben bis neun Jahre alt sind, werden überdurchschnittlich oft entwendet. Allerdings wird diese Altersklasse meist in Einzelteile zerlegt. Rund zwei Drittel der im Deliktfeld von Diebstahl, Unterschlagung und Hehlerei registrierten Tatverdächtigen (insgesamt 21.309) sind mit 14.116 Personen Deutsche. Es folgen polnische Staatsangehörige in 1692 Fällen, an dritter Stelle rangierten Türken (989) noch vor Litauern (507), Rumänen (414), Italienern (286) und Serben (237).

Die Hauptakteure der internationalen Kfz-Verschiebung sind laut BKA hoch qualifizierte, spezialisierte und in der Regel arbeitsteilig vorgehende Tätergruppen. Diese Gruppen seien hierarchisch strukturiert und voneinander so abgeschottet, dass selbst im Fall einer Festnahme die gefassten Täter gar nicht in der Lage sind, Auskünfte über den vollständigen Ablauf der Autoverschiebung zu geben.

Die Überwindung elektronischer Sicherungseinrichtungen der Wagen etwa würde mit hochmodernen „System-Tools“ erfolgen. Andere Spezialisten fälschen Fahrzeug- und Motorennummern oder zerlegen gestohlene Autos vollständig in Einzelteile, bevor der Abtransport beginnt. Dieser erfolgt entweder per Kurieren auf dem Landweg, wobei Polen und Litauen sowohl Transit- als auch Zielstaaten sind. Ebenso häufig werden die Wagen – zumeist in Containern – auf dem Seeweg verschifft.