Raab-Show

Die heimlichen Gewinner des „BuViSoCo” kommen aus Berlin

Das Duo „Xavas“ gewinnt den „Bundesvision Song Contest 2012“. Die eigentlichen Gewinner des Abends in Berlin aber heißen „Laing“.

Es soll die kleine Schwester des „Eurovision Song Contest“ sein - von Entertainer Stefan Raab geschaffen, um deutsche Musik zu fördern. Zum dritten Mal findet am Freitagabend der Wettstreit zwischen den 16 Bundesländern in Berlin statt. Doch in der Max-Schmeling-Halle gewinnt ein Act, der keine Förderung mehr braucht. „Xavas“, die kreative Vereinigung des Soulsängers Xavier Naidoo und des Rappers Kool Savas holt den Sieg.

Mit einem Song aus ihrem ersten gemeinsamen Album „Gespaltene Persönlichkeit“, das passenderweise in der vergangenen Woche ganz frisch auf dem Markt erschienen ist, traten sie für Baden-Württemberg an. Ihr Sieg war zu erwarten. Sie waren von Anfang an Favorit und Quotengarant für ProSieben beim Bundesvision Song Contest.

Daher war es auch kein Zufall, dass „Xavas“ die letzten waren, die auftreten durften. Spannung halten bis zum Schluss. Denn es geht um Geld, um Quoten und um Künstler, aus denen sich das eine wie das andere generieren lässt.

Um so schöner, dass es auf den zweiten Platz eine unbekannte Band geschafft hat. Sie heißt „Laing“, tritt für Sachsen an und ist der eigentliche Gewinner des Abends. Für das Trio war der Auftritt in der Schmeling-Halle ohnehin ein Heimspiel: Denn die Musikerinnen von „Laing” leben in Berlin, treten immer wieder in Berliner Klubs auf und bekennen sich auch im Titel ihrer Debüt-EP ”030/577 07 886” zur Hauptstadt.

Ihr minimalistisches Bühnenoutfit prägte den Auftritt. Und ein Song, der sich hinter der Bühne in die Köpfe der Konkurrenz gebohrt hat. „Ich bin richtig aggressiv geworden“, sagt Kool Savas bei der abschließenden Pressekonferenz und lacht. „Nach eurem Auftritt haben alle den Song gesungen.“

Der Song heißt „Morgens immer müde“ und preist ein Leben für die Nacht, ohne sorgenvolle Gedanken an den nächsten Tag. Schöne Worte, die Realität sieht anders aus, erzählte Nicola Rost einmal in einem Interview. „Zu Partys gehe ich nur, wenn es konkrete Anlässe gibt“, sagt sie.

B-Tight - Hardcoremetalrap statt Aggro

Auch für Robert Edward Davis oder einfach nur Bobby, wird sich an diesem Abend einiges verändert haben. Als B-Tight tritt er für Berlin an und wird damit sicherlich einige seiner treuesten Fans verloren haben. Denn B-Tight - das war früher Aggro Berlin und provokante Texte. Das waren Songs auf dem Index jugendgefährdender Medien und Ärger mit der Polizei. Aber nicht die Glitzerwelt von Pro Sieben und schon gar nicht Rock. Hardcoremetalrap, wie Stefan Raab es nennt.

Denn B-Tight, ehemaliger Mitbewohner und Weggefährte von Sido, ist mit Band gekommen, zusammen sind sie die B-Tight-Playaz. Sie vertreten Berlin mit dem Titelsong ihres ersten gemeinsamen Albums „Drinne“, produziert von Christoph von Freydorf, dem Frontmann der Metal-Band Emil Bulls. Für die Bühnenshow hat sich Bobby B-Tight zwei Mitglieder der Blue Man Group dazu geholt, blau maskierte trommelnde Männer. Damit dürfte er auch die letzten Wankler aus seiner alten Fangemeinde dazu gebracht haben, sich von ihm abzuwenden.

„Einige meiner Fans werden mich hassen. Aber es geht darum, dass ich glücklich bin“, sagt der dreifache Familienvater. Er ist verheiratet, über dreißig und die Texte über die Gosse und das harte Leben würde man dem Rapper, der im Märkischen Viertel aufgewachsen ist, nicht mehr abnehmen. Es ist ein guter Zeitpunkt etwas Neues zu probieren. Berlin hat ihm die Veränderung übel genommen, nur acht von zwölf möglichen Punkten gibt es aus dem eigenen Bundesland. B-Tight sagt nach der Show trotzdem: „Es war einfach der Hammer. Siebter Platz einfach aus dem Nichts.“

Eine Ode an die Toleranz

Auch das ewig letzte Saarland kann sehr zufrieden sein. Die Orsons featuring Cro, der Rapper mit der Panda-Maske, holten sich den fünften Platz mit ihrem Song „Horst und Monika“, der sowohl eine musikalische und auch eine inhaltliche Abwechslung war. Das Lied erzählt die wahre Geschichte von Monika Strub, die mal ein Mann war, Horst hieß und Mitglied in der NPD war. Dann ließ sich der transsexuelle Horst operieren und trat in die Partei Die Linke ein.

Die Orsons sagen, das Lied sei eine Ode an die Toleranz. Die Organisation ATME, die sich für die Menschenrechte Transsexueller einsetzt, sah das ein wenig anders und versuchte den Auftritt zu verhindern. „Dieses Lied ist Monika gar nicht recht“, sagte eine Vorsitzende des Vereins. Die Orsons erklärten sich ausführlich auf Facebook, damit war die Sache vorerst erledigt. Alles lief glatt.

Dabei hätte dem Abend ein bisschen Reibung nicht geschadet. Selbst die Buhrufe aus dem Publikum ob der vielen Punkte, die nach Baden-Württemberg gingen, verebbten schnell, als die Sieger ,Xavas‘ zum Abschluss noch einmal auf die Bühne kamen und ihren Siegersong „Schau nicht mehr zurück“ sangen. Es regnete goldene Luftschlangen von der Hallendecke.

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