Luxuskaufhaus

Berliner KaDeWe bekommt ein Upgrade

Das Kaufhaus hat umgebaut und für die Präsentation luxuriöser Schuhe ein „Loft“ geschaffen. Das ist aber nicht die einzige Neuheit.

Foto: Amin Akhtar

„Ich seh' da nur Schuhe“, sagt der Kollege beim Anblick des Fotos. Da irrt er leider fatal. Natürlich handelt es sich bei den abgebildeten Objekten durchaus um Fußbekleidung. Aber das Wort „nur“ rechtfertigen sie keinesfalls. Unten am Bildrand lauern weinrote Krokopumps mit Plateau von Fendi, Abschusspreis 565 Euro, die als Extra sogar noch den großen Zeh hervorblitzen lassen. Spätestens seit der letzten Saison ein Muss. Rechts locken nappalederne Yves Saint Laurent „Tribtoos“, deren Besonderheit das versteckte Plateau ist (Kosten: 595 Euro), und für die, so sagt man, sich sogar ungeduldige Stars wie Lucy Liu und Beyoncé Knowles auf eine Warteliste setzen ließen. Und dann glitzern da noch offene Stilettos aus Veloursleder mit Strass von Jimmy Choo für 1495 Euro, bekannt durch die Fesseln von Carrie Bradshaw, den Desperate Housewives und den Stars des High School Musicals.

Aber vielleicht sollten wir den Kollegen nicht zu streng beurteilen. Schließlich kennt er sie noch nicht, die neu gestaltete dritte Etage des KaDeWe, die als allererste Kaufhausetage sogar einen eigenen Namen bekommen hat. Und wer noch nicht in „The Loft“ war, der kann vielleicht nicht so recht ermessen, was so ein banal klingender Vorgang wie „Schuhe kaufen“ neuerdings in Berlin alles bedeuten kann.

Umbau wird abgeschlossen

Am Dienstag soll er vollendet sein, einer der größten Umbauten, den das 1907 gegründete Kaufhaus des Westens in seiner Geschichte erlebt hat. Jedes Kaufhaus ist natürlich ständig im Wandel, hier aber ist es ein großer Wurf geworden. Als „Upgrade“ bezeichnet es Ursula Vierkötter, die seit Januar 2009 das Kaufhaus leitet. 20 Prozent der insgesamt 60.000-Quadratmeter-Fläche werden komplett neu gestaltet, drei Schwerpunkte sollen so entfaltet werden: der Boutiquenboulevard im vorderen Bereich des Erdgeschosses, der am Eingang Tauentzienstraße beginnt, die Kosmetikabteilung im hinteren und eben „The Loft“ in der dritten Etage. Später soll dann noch der Bereich „Home and Living“, oder schnöde ausgedrückt: Küche und Bad, aufgewertet werden. Vor zwei Jahren entstand die Idee, seit Januar nun wird geschraubt und gehämmert und geräumt – und das bei laufendem Betrieb.

„Das KaDeWe“, erklärt Chefin Vierkötter, „muss und möchte sich mit der Stadt weiterentwickeln.“ Mehr noch. Es möchte „ihr manchmal sogar voraus sein“. Vierkötters Ziel ist: „High Class“. Ob Berlin da mithalten kann? So weit hergeholt ist die Idee nicht. Als Kommerzienrat Adolf Jandorf sein Kaufhaus vor 105 Jahren eröffnete – damals fünf Etagen mit 24.000 Quadratmetern Verkaufsfläche – da war der Berliner Westen eher so etwas wie eine Vorstadtsiedlung. Noch wurde dort vor allem gut gewohnt. Mit dem KaDeWe aber kamen das Leben in die Gegend an den Tauentzien und der Luxus. „Wat Lage is, bestimme ick“, soll Jandorf verkündet haben. Und er sollte recht bekommen.

An der Friedrichstraße in Mitte haben zwar ebenfalls internationale Modemarken ihre Läden aufgemacht. Die Gegend wurde dadurch aufgewertet, lebenswerter wurde sie nicht. Die Stimmung der Berliner dreht nun wieder. Sie besinnen sich auf den alten Westen. Rund um das Cumberland am Kudamm lassen sich neue Luxuslabels nieder, auch im Cumberland selbst. An der Hardenbergstraße eröffnet das „Waldorf Astoria“, gegenüber entsteht das Bikini House, und das KaDeWe macht mit im Wettbewerb. Was Klasse ist, bestimmen seine Macher. Doch wie genau sieht das aus? An den Buden vor dem KaDeWe auf jeden Fall merkt man noch nichts davon. Dort gibt es weiterhin Currywurst und Pommes, und die paar älteren Damen in paillettenbesetzten Boleros, die gegenüber ihren Prosecco trinken, waren auch schon immer mit dabei. Aber sobald man durch den Eingang geht, verändert sich die Stimmung.

In dem berühmten Lichthof des Kaufhauses, heute über und über mit rosa Blüten geschmückt, werden Kostbarkeiten aus dem Bereich edler Überfluss in Vitrinen dargeboten. Eine besondere Rarität, eine Tasche von Victoria Beckham, ist ausgeleuchtet wie ein holländisches Stillleben. Der Boulevard der Boutiquen ist erweitert, wo früher nur ein kleiner Streifen war, wandelt man jetzt durch eine großzügige Galerie, mit Neuzugängen wie Céline und Yves Saint Laurent. Burberry ist noch verhüllt, Longchamp und Vertu kann man schon bewundern. Auch die Konkurrenz hat zugelegt: Miu Miu, Chanel, Dior, Fendi, Louis Vuitton – alles ist ein bisschen aufwendiger und goldener und durchdesignter geworden. So ganz passt es eben nicht mehr in die Zeit, das Konzept eines Kaufhauses, bei dem man einfach alle Artikel unter einem Dach findet. Da muss es schon mehr geben. Und so hält sich bei dieser Seiden- Leder- und Goldstraße die Marke KaDeWe vornehm im Hintergrund und lässt die Designer ihre Shops in ihrem eigenen Stil gestalten. Den Rahmen bietet das KaDeWe ja immer noch, und den Namen, der die Menschen dorthin lockt. Und – auch wenn es nicht so deutlich betont wird – die Regeln, nach denen gespielt wird im Turnier der Teuren.

Wert auf kleine Details

Hinter dem Boulevard der Shops beginnt die Beauty-Abteilung. Schilder mit der Aufschrift „Es kommt noch besser“ bitten die Kunden um Geduld, dass noch nicht alles glänzt, aber das meiste schimmert bereits ein paar Tage vor der Eröffnung durch. Bei Chanel kann man nicht mehr von einem „Counter“ reden, die schwarz-goldenen Bauten des Standes wirken eher wie eine ganze Lidschattenlandschaft. Der größte Unterschied, bei allen Herstellern, ist die jetzt viel deutlicher spürbare Hingabe zu jedem Detail, mit dem die Waren präsentiert werden. 80 dieser Verkaufs-Counter wurden neu gestaltet, und jeder präsentiert seine besondere Ware: Chanel die Duftreihe „Les Exclusifs“, Dior „La Collection Privée“, Guerlain „La Maison Guerlain“. Die Kosmetiklinie des Designers Tom Ford gibt es auch ab sofort im KaDeWe. Und nur hier.

Ein Kaufhaus, selbst so ein legendäres wie das KaDeWe, hat heute enorm viel Konkurrenz. Nicht zuletzt durch Erfolgsgeschichten wie die des Internetversandes. Damit man die Kunden dennoch zum Kauf im Westen verführen kann, haben Vierkötter und ihr Team die dritte Etage neu erfunden. 6000 Quadratmeter nur für Accessoires, Lingerie, Kinderkleidung, Taschen, aber vor allem: Schuhe in allen nur erdenklichen Formen. Schon von der Rolltreppe bekommt man den ersten Überblick. „The Loft“ ist so gestaltet, wie sein Name verspricht: ohne trennende Wände, damit man die ganze Pracht sofort überblicken kann. Neben den Klassikern gibt es für Berlin eher neue Marken zu entdecken, deren Namen man vor allem aus Hochglanzmagazinen und US-Serien kennt: Tory Burch, Rachel Zoe, Kurt Geiger, Anya Hindmarch, Kate Spade, The Kooples oder Alexander Wang.

Den neuen Michael Kors Shop, neben dem gerade noch ein Helfer geräuschvoll an der Deckenbeleuchtung rumschraubt, betrachtet gerade eine Kundin, auf ihrer Tasche steht in großen blauen Lettern: „Fashion is poetry“. Mode lebt vom Mythos, den ihre Designer und ihre Trägerinnen ihr verleihen. Das Label Reiss gibt es übrigens jetzt auch in Berlin, falls sich jemand in dem Stil kleiden möchte, in dem die Duchess of Cambridge die Obamas im Buckingham Palace empfing.

Das Schweizer Architekturbüro Interstore Design hat das „Loft“ gestaltet. Mit Sandstein, Holz, schimmernden Bronzerahmen zu schwebenden Regalen. Ein bisschen dieses Gefühls, das Truman Capotes Romanfigur Holly Golightly für Tiffany empfinden wollte, ist dort zu spüren. Ruhe, stolze Schönheit. Nun ja, mit der Ruhe wird man noch warten müssen, bis die Handwerker fertig sind. Aber der Rest stimmt schon mal.

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