Porträt

Nicolas Berggruen glaubt an Berlin

Erneut engagiert sich Investor Nicolas Berggruen und kauft Objekte in der Stadt - Darunter eins der bekanntesten Grundstücke an der Spree.

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Nicolas Berggruen gehört zu den bekanntesten Investoren in Deutschland. Vor zwei Jahren machte der Unternehmer Schlagzeilen durch den Kauf der Karstadt-Häuser. Jetzt hat der 51-Jährige eins der bekanntesten Grundstücke an der Spree erworben: den „Speicher“ an der Mühlenstraße 78-80 in Friedrichshain. Die Adresse ist Clubgängern bestens bekannt. Rund 1000 Menschen können hier pro Abend feiern. Die Party-Location liegt an prominenter Stelle, am Osthafengelände, neben der Oberbaumbrücke und der East Side Gallery.

Am Freitag hat Nicolas Berggruen noch ein weiteres Gebäude erworben. Bei einer Zwangsversteigerung bekam er den Zuschlag für den einstigen Standort der Knorr-Bremse AG an der Neuen Bahnhofstraße in Friedrichshain. Beide seiner neuen Häuser stehen unter Denkmalschutz.

Gastronomie, Clubbetrieb und Büros erhalten

Den „Speicher“ hat Nicolas Berggruen von einem Hamburger Investor übernommen. Über dessen Namen und die Höhe des Kaufpreises wolle man sich nicht äußern, sagte eine Sprecherin der Berggruen Holdings. Geplant sei, dass die Mischung aus Gastronomie, Clubbetrieb und Büros erhalten bleibt. Das 1907 errichtete Haus, in dem früher Getreide gelagert wurde, soll für eine bis 1,5 Millionen Euro saniert werden. Man werde es an einen Gastronomen vermieten, teilte die Sprecherin mit. Außerdem können Unternehmen der Kreativwirtschaft Büros mieten. Das Haus steht derzeit etwa zur Hälfte leer. Wann die Arbeiten beginnen, steht noch nicht fest. In den kommenden Monaten werde sich zunächst nichts ändern, so die Sprecherin. Umbauarbeiten würden gemeinsam mit den künftigen Nutzern besprochen.

Nicolas Berggruen ist der älteste Sohn des bekannten Kunstsammlers Heinz Berggruen. Mit den beiden neuen Objekten gehören seinem Unternehmen fast 100 Berliner Immobilien. Es sind Bürobauten, Wohngebäude und Geschäftshäuser. Wahllos gekauft seien sie nicht. Nicolas Berggruen sehe sich jedes Gebäude gründlich an, bevor er sich zum Kauf entschließe, sagte die Sprecherin. „Er entscheidet nicht vom Schreibtisch aus.“ Die Bausubstanz sei wichtig, aber auch die künftige Nutzung.

Lofts nicht von Interesse

Lofts in Kreuzberg oder Prenzlauer Berg haben den Unternehmer nie interessiert. Die meisten Objekte, die Berggruen kauft, sind denkmalgeschützt oder stammen aus den 20er- bis 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Er lässt sie sanieren und für eine neue Nutzung umbauen. Paradebeispiel ist der Gewerbehof an der Kohlfurter Straße in Kreuzberg. Im fünfgeschossigen Gebäude sind das Künstlerhaus Bethanien, ein Verlag, ein Internetunternehmen und ein Architekt eingezogen. Die meisten sanierten und umgebauten Häuser bleiben im Bestand der Berggruen Holdings. Nur selten wird ein Grundstück weiterveräußert. Dies sei Teil der Unternehmensphilosophie, sagt die Sprecherin. „Nicolas Berggruen glaubt an Berlin.“ Der Unternehmer kaufte das Café Moskau in Mitte. Er erwarb eine alte Fabrik an der Köpenicker Straße in Kreuzberg. Auch sie ist zur angesagten Adresse geworden. Auf mehreren Etagen hat sich das Wohnmagazin Exil etabliert, gegenüber bewirtet das Sage Restaurant seine Gäste.

Nur wenige Neubauten, wie das Wilhelm-Quarree, ein Bürogebäude von 2003 neben dem Willy-Brandt-Haus an der Wilhelmstraße, gehören zum Portfolio der Berggruen Holdings. In fast allen Bezirken finden sich Liegenschaften von Berggruen. Es sind Gründerzeitbauten an der Tucholskystraße in Mitte, die Weißbier-Brauerei Willner in Pankow, Häuser an der Oderberger Straße und an der Kollwitzstraße in Prenzlauer Berg. Ihm gehören ein Landhaus im Villenviertel von Dahlem, aber auch die Schuckert-Höfe in Treptow. Nur für Neukölln, Spandau und Marzahn-Hellersdorf fehlen die Einträge auf der Homepage des Unternehmens. In Potsdam kaufte Berggruen das frühere königliche Hauptpostamt am Kanal. Die Anschaffungen werden nicht mit Bankkrediten bezahlt, sondern mit eigenem Vermögen.

Modernisierung für zwölf Millionen Euro

Das einstige Knorr-Bremse-Gelände hat Berggruen für 15 Millionen Euro ersteigert. Der Verkehrswert war auf 22,5 Millionen Euro festgesetzt worden. Die Fläche ist fast 9000 Quadratmeter groß. Das sechsgeschossige Bürogebäude wurde von 1913 bis 1916 errichtet. Die Knorr-Bremse AG gab den Standort 1993 auf. Zwölf Millionen Euro will die Berggruen Holdings investieren, um die Büroflächen zu modernisieren. Nur etwa 40 Prozent der Fläche wird derzeit genutzt. Bisheriger Eigentümer war die Gisela & Helmut Joos GbR, die nach Auskunft der Berggruen Holdings in den 90er-Jahren in die Insolvenz geriet. Ebenfalls insolvent war der Warenhaus-Konzern Karstadt, den Berggruen im Jahr 2010 kaufte. Diese Sanierung ist weit schwieriger als die anderer Immobilien. Bis Ende 2014 sollen bei Karstadt etwa 2000 Stellen gestrichen werden.

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