Delegiertenwahlen

Wellmann erreicht Etappensieg um Bundestagskandidatur

In Berlins Südwesten herrscht Endspurt um die CDU-Bundestagskandidatur. Eng wird es für Ex-Justizsenator Michael Braun.

Foto: DAPD

Im Rennen um die Bundestagskandidatur der CDU in Steglitz-Zehlendorf ist eine wichtige Etappe geschafft. In den vergangenen vier Wochen hat der Kreisverband seine Delegierten gewählt, die wiederum Ende September bestimmen sollen, wer den wichtigsten Verband der Union in Berlin im kommenden Jahr im Bundestagswahlkampf als Kandidat vertreten soll – und höchstwahrscheinlich ein Mandat für den Bundestag bekommt. Und Bundestagskandidat für Steglitz-Zehlendorf wollen im Moment zwei werden: Amtsinhaber Karl-Georg Wellmann und der Kreisvorsitzende und Ex-Justizsenator Michael Braun. Beide werben im Kreisverband heftig um Zustimmung, denn für beide geht es im Moment um die politische Karriere.

Am Mittwochabend sind die Delegiertenwahlen im Ortsverband Wannsee zu Ende gegangen – mit einem klaren Sieg für Wellmann, der alle sieben gewählten Delegierten des Ortsverbandes hinter sich weiß. Aber wer am 28. September das Rennen machen wird, lässt sich noch immer nicht sicher prognostizieren. „Noch vor einer Woche hätte ich gedacht, Braun liegt vorne, aber jetzt sieht es gut für Wellmann aus“, sagt ein Ortsvorsitzender. Vorsichtig geschätzt gehen die Unterstützer Wellmanns derzeit davon aus, dass mindestens 53 Delegierte dem 59-Jährigen Juristen ihre Stimme geben werden. Die Mehrheit liegt bei 46 Stimmen. Das Braun-Lager geht dagegen von einer knappen Entscheidung aus. Es seien noch einige Delegierte unentschieden, heißt es zudem.

Größter Kreisverband

Michael Braun hatte Anfang August erklärt, er wolle sich auch als Bundestagskandidat für den Südwesten bewerben. Bereits vorher hatte es viele Spekulationen um eine mögliche Bewerbung gegeben, die nicht nur seinen Konkurrenten Wellmann schon in Unruhe versetzt hatten. Auch der Landesverband hat seither ein kritisches Auge auf seinen größten Kreisverband. Schließlich gilt es als größter Verdienst des Parteivorsitzenden Frank Henkel, die Berliner CDU nach jahrelangen internen Streitereien geeint zu haben. Brauns Gegenkandidatur brachte diese Ruhe empfindlich in Gefahr.

Mit Abschluss der Delegiertenwahlen haben die Lagerkämpfe in Steglitz-Zehlendorf noch kein Ende. Man werde in den nächsten drei Wochen „mit den Delegierten reden“, „viel telefonieren“, „das ein oder andere Gespräch führen“, sagen die Kontrahenten Braun und Wellmann übereinstimmend. Beide wollen ihre Truppen mobilisieren, Unentschlossene versuchen umzustimmen.

Wellmann, der von einer „sicheren Mehrheit“ für sich ausgeht, dürfte es dabei einfacher haben. Am Mittwochabend in Wannsee wurde „komplett die Liste Wellmann gewählt“, wie es im Parteisprech heißt. Damit hat Wellmann nach aktuellen Zählungen offenbar nicht nur einen Stimmenvorsprung, er hat auch Rückenwind für die nächsten Wochen vor der großen Abstimmung. Wer unentschieden ist, werde sich wohl eher demjenigen anschließen, der vermutlich die Mehrheit hinter sich weiß, spekulieren seine Unterstützer.

„Herr Braun sollte angesichts der Lage seine Kandidatur zurückziehen“, fordert Bezirksbürgermeister Norbert Kopp bereits. Kopp hat sich von Anfang an für Wellmann eingesetzt. Braun sei „eine Belastung für Steglitz-Zehlendorf“, der im Kreis offensichtlich den Rückhalt verloren habe, sagt Kopp nun.

Gesamtes politisches Gewicht in der Waagschale

Damit spielt er nicht nur darauf an, dass die Entscheidung Wellmann oder Braun den Kreisverband spaltet. Auch Brauns jüngste Vergangenheit, die Schrottimmobilien-Affäre in deren Zuge Braun nach zwölf Tagen im Amt als Justizsenator das Amt verlassen musste, wird von seinen Kritikern als Hauptargument gegen Braun als Bundestagskandidaten angeführt. Auch am Mittwochabend in Wannsee sei die Debatte stets auf die Frage hinausgelaufen, welcher der beiden Bewerber der Öffentlichkeit und den Wählern erfolgreicher präsentiert werden könnte, schildert der Kreisvorsitzende Stefan Schlede. Und Michael Braun würde als Bundestagskandidat im Wahlkampf immer der 12-Tage-Senator sein, sagen die Kritiker.

An Rückzug scheint Michael Braun aber noch nicht zu denken. „Es gibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen“, sagt der 56-Jährige. Einschätzen, wie viele Delegierte er auf seiner Seite haben könnte, mag er nicht. „Die Delegierten haben kein imperatives Mandat“, sagt er. Am Ende sei jedes Ergebnis möglich.

Braun hat mit seiner Bewerbung sein gesamtes politisches Gewicht in die Waagschale geworfen. Denn verliert er die Kandidatenkür, kann er keine Mehrheit für sich mobilisieren, ist er auch als Kreisvorsitzender schwer angeschlagen. Im Frühjahr wählt die Südwest-CDU ihren Vorstand neu. Und schon jetzt gibt es Stimmen, die meinen, Braun habe nicht mehr die Autorität, den durch die Kampfkandidatur zerrissenen Kreisverband auch wieder zu einen.

Doch so dramatisch will Braun die Lage nicht sehen. „Wer keine Niederlage aushalten kann, hat in der Politik nichts zu suchen“, sagt er. Auch die Kritik an seiner Bewerbung kann Braun nicht nachvollziehen. „Wir haben Demokratie, dazu gehört eine Auswahl an Kandidaten.“