Nach Verbot

SPD fordert Grillplätze für alle Berliner Ortsteile

Neue Diskussion um Grillverbote in Berlin: SPD und Anwohner in Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau fordern geeignete Flächen.

Foto: Glanze

Berlin soll neue Grillplätze bekommen. Dafür setzt sich die SPD gleich in mehreren Bezirken ein. Grillflächen seien ein sozialer Freiraum, in dem auch mit geringen finanziellen Möglichkeiten Freizeit mit Freunden und Familie verbracht werden kann. Die Pankower SPD will dafür das Grillverbot auf dem Falkplatz, das 2009 verhängt wurde, prüfen.

Dazu haben sie eine Internetumfrage gestartet. Die Spandauer SPD fordert, dass in allen Ortsteilen geeignete Grillplätze in Parks gefunden werden sollen. Bislang gilt in den Grünanlagen des Bezirks ein generelles Verbot. Auch die Sozialdemokraten in Charlottenburg-Wilmersdorf wollen mehr öffentliche Plätze schaffen, an denen Fleisch oder Gemüse über Feuer gegrillt werden können. Der zuständige Stadtrat Marc Schulte (SPD) wird jetzt drei Vorschläge in der Bezirksverordneten-Versammlung vorlegen.

Anlass für die Initiative der SPD ist, dass immer mehr Bezirke ihre Grillflächen einschränken. Seit Jahresbeginn gilt das Verbot im Großen Tiergarten, seit April im Treptower Park. Grund sind die hohen Kosten, die entstehen, weil die Besucher viel Müll hinterlassen und der Rasen in den Grünanlagen leidet. Die Pflege von Grillflächen ist etwa fünf Mal so teuer wie die einer „normalen“ Grünfläche. Die Bezirksämter wollen diese Summen sparen.

Initiative von Partei befürwortet

Die Landes-SPD begrüßt die Initiative für neue Grillplätze. „Nicht jeder Berliner hat einen eigenen Garten oder einen Balkon, auf dem er grillen kann“, sagt der Spandauer SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz. Wo neue Grillflächen entstehen könnten, das müsse von Bezirk zu Bezirk entschieden werden. „Auch die Anwohner sollten dazu befragt werden.“ Die SPD-Abgeordnete Ellen Haußdörfer aus Treptow-Köpenick weist auf die Verdrängung hin, die durch das Grillverbot eingesetzt hat.

In Prenzlauer Berg habe sie beobachtet, so Haußdörfer, dass immer mehr Menschen an Straßenecken ihren Grill aufbauen oder auf dem Balkon. Auf den Wiesen im Treptower Park werde an warmen Sonntagen trotz des Verbots gegrillt. Haußdörfer will, dass die Situation für alle Bezirke untersucht und mit Zahlen belegt wird. Sie hat mehrere Anfragen an den Senat zu den Kosten und den Ordnungswidrigkeiten auf öffentlichen Grillplätzen gestellt, und zu Verdrängungseffekten. Für die SPD-Abgeordneten steht jedoch fest: Mehr Geld vom Land für die Reinigung der Grillplätze wird es nicht geben. Daniel Buchholz appelliert an das Verantwortungsbewusstsein. Er fordert, dass Berliner und Touristen die Überreste ihrer Grillmahlzeit wieder mitnehmen. „Wer mit einer vollen Tüte kommt, kann auch die leere wieder mitnehmen.

In Prenzlauer Berg sind die Anwohner eingeladen, sich unter www.falkplatzgrillen.de zum Grillverbot zu äußern. Rund 160 Meinungen seien bisher vorhanden, sagt Markus Roick von der SPD Falkplatz-Arnimplatz. Die meisten plädieren dafür, dass man auf dem Falkplatz wieder grillen darf. „Wir möchten nicht um jeden Preis, dass das Verbot aufgehoben wird“, sagt Roick. „Wir wollen feststellen, wie die Leute darüber denken.“ Der Anstoß zur Umfrage sei von Anwohnern gekommen.

Das Verbot am Falkplatz habe sich bewährt, meint jedoch Pankows Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Es werde akzeptiert, schließlich könne im benachbarten Mauerpark gegrillt werden. Doch er werde sich einer Diskussion darüber nicht verschließen. „Man muss sich das genau angucken.“ Dagegen will Mittes Stadtrat Carsten Spallek (CDU) nicht an der Situation im Tiergarten rütteln. „Das Grillverbot hat sich bewährt“, sagt Spallek. „Es steht nicht zur Disposition.“ Nicht nur die Abfallmenge sei zurückgegangen, es gebe auch weniger Beschädigungen im Park. „Jetzt sollen die Bezirke neue Grillflächen ausweisen, die noch keine haben“, fordert Spallek.

Meinung einfach online äußern

Skepsis herrscht auch in anderen Bezirksämtern. In Treptow-Köpenick will man keine neuen Grillflächen. Nach dem Verbot im Treptower Park habe sich das Müllaufkommen signifikant reduziert, sagt Stadtrat Rainer Hölmer (SPD). „Die Rasenflächen auf dem ehemaligen Grillplatz regenerieren sich langsam.“ In der Umgebung gebe es keine Geruchsbelästigung mehr durch Essenreste und Urin. Weitere Grillflächen wären nur dann zu schaffen, so der Stadtrat, wenn Geld für Müllentsorgung und für öffentliche Toiletten zur Verfügung gestellt werde. Den Bürgern müsse klar werden, dass sie sorgsam mit dem öffentlichen Raum umgehen müssten, fordert Hölmer.

Auch der Stadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Marc Schulte (SPD), betont, dass weitere Grillflächen mit hohen Kosten verbunden sind. Drei Standorte im Bezirk gibt es bereits. Jetzt hat Schulte im Auftrag der BVV nach neuen Flächen gesucht. Drei Vorschläge macht seine Verwaltung: Der Sömmeringpark, der Ruhwaldpark und der Jungfernheidepark kämen in Frage. Etwa 36.000 Euro wären erforderlich, um eine Fläche herzurichten und um Müllkörbe anzuschaffen. Wenn diese Körbe in der Saison täglich geleert werden, kostet das etwa 5300 Euro. Dafür reichten die Zuweisungen des Senats für die Parks bei weitem nicht aus, so Schulte. Er bittet deshalb die Bezirksverordneten, auf neue Grillflächen zu verzichten.

Erfolgreiches Verbot

Akzeptanz: Das Grillverbot im Tiergarten wird weitgehend eingehalten. Stadtrat Carsten Spallek (CDU) zufolge werden nur noch etwa zwei Tonnen pro Woche eingesammelt. Im Frühjahr 2011 waren es etwa acht Tonnen. Im Monbijoupark in Mitte werde jetzt mehr gegrillt als früher, stellt die Grünen-Fraktion in der BVV fest. Sie fordert, dass Einweggrills auf dieser Fläche verboten werden.

Kosten: Der Mauerpark in Prenzlauer Berg ist eine der beliebtesten Grillflächen in Berlin. Das Bezirksamt Pankow lässt die Grünanlage bis Ende Oktober einmal wöchentlich reinigen. Die Kosten für die Müllbeseitigung würden 2012 etwa 76.000 Euro betragen, sagte Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Im vergangenen Jahr gab Pankow 336.000 Euro für die Reinigung seiner Parks aus.

Auswahl: In den öffentlichen Grünanlagen der Bezirke gibt es derzeit 15 Grillplätze. Drei weitere finden sich auf dem Tempelhofer Feld. Die komplette Liste und die dazugehörige Karte kann man auf der Internetseite www.stadtentwicklung.berlin.de finden. Keinen Eintrag gibt es jedoch für die Parks von Spandau, Neukölln, Reinickendorf und Marzahn-Hellersdorf.