Umweltschutz

Einweg-Grills sollen aus Berliner Parks verschwinden

Sie sind zwar beliebt, aber versengen das Grün: Mittes Stadtrat fordert nun Grills mit Abstand zum Rasen - so wie im Tiergarten.

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In den Berliner Parks und Grünanlagen werden immer häufiger Einweg-Grills verwendet. Die preiswerten Alu-Schalen erfreuen sich wachsender Beliebtheit bei Berlinern und Touristen. Die handlichen Geräte ersparen umständliche Vorbereitung und Besorgungen und sind schon für wenige Euro zu haben. Einfach anzünden – und das Würstchen brutzelt auf dem etwa 30 mal 20 Zentimeter großen Gitter. Der Metallbehälter liegt auf dem Boden oder steht dicht darüber, auf kleinen, aufklappbaren Füßen. Nach dem Picknick landen die Einweg-Grills in den Müllbehältern oder werden auf dem Rasen zurückgelassen. Wie etwa im Treptower Park, wo Grillen seit April verboten ist. Dennoch wurden am vergangenen Wochenende und am 1. Mai "verstärkt Einmal-Grills benutzt, die leider zumeist an den Grillstellen liegen bleiben", sagt Treptow-Köpenicks Stadtrat für Stadtentwicklung, Rainer Hölmer (SPD).

Jetzt gibt es den Vorschlag aus der CDU-Fraktion des Abgeordnetenhauses, über ein Verbot der Wegwerfgeräte in Grünanlagen nachzudenken. "Ein Verbot ist immer der letzte Ausweg", sagt Danny Freymark, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion, "aber schon die Diskussion darüber kann etwas bewirken und dazu führen, dass Menschen diese Geräte vorsichtiger einsetzen." Einweg-Grills seien "unter Umweltaspekten das Schlechteste, was man machen kann", meint auch Mittes Stadtrat Carsten Spallek (CDU). Er schlägt vor, dass Grillgeräte, die auf den zugelassenen Flächen in Parks verwendet werden, einen Mindestabstand zum Rasen haben sollten. "Diese Forderung galt bis Ende 2011 in der Parkordnung für den Großen Tiergarten", sagt der Stadtrat. Sie sei von den Mitarbeitern des Ordnungsamtes kontrolliert worden.

20 Zentimeter Minimalhöhe

"Die juristische Grundlage dafür steht im Grünanlagengesetz", so der Dezernent. "Es verlangt, dass man pfleglich mit den Flächen umgeht und sie vor Beschädigung schützt." Denn der Einweggrill, der auf dem Rasen oder dicht darüber aufgebaut werde, "versengt nicht nur Grashalme, sondern schädigt auch das Wurzelwerk im Boden". Auch auf dem Tempelhofer Feld gilt ein Verbot. Schon am Eingang macht die Grün Berlin GmbH in Aushängen die Besucher darauf aufmerksam. Grillgeräte müssen mindestens einen Abstand von 20 Zentimetern zum Boden haben.

Doch auf den meisten Grillflächen, die es in sieben Berliner Bezirken gibt, sind die Einweggeräte erlaubt. Auch im Mauerpark in Prenzlauer Berg. "Es gibt genügend Steine und Kanten, auf denen man keinen Schaden damit anrichtet", sagt Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Er setze eher auf die Vernunft der Besucher und sei gegen ein Verbot. "Das hat nur Sinn, wenn man es kontrollieren kann. Aber dafür fehlen uns die Parkwächter."

Auch sein Kollege aus Friedrichshain-Kreuzberg, Stadtrat Hans Panhoff (Grüne), will die Wegwerfgeräte nicht untersagen. "Dann müsste man da anfangen, wo sie verkauft werden, in Tankstellen und Supermärkten." Und gleich am Parkeingang kontrollieren. "Das wollen wir nicht", sagt Panhoff. Es gebe schon so viele Verbote, das steht den Leuten "bis obenhin".

Dennoch sei der Einweggrill das Zeichen einer Wegwerfgesellschaft, "das ist kein gutes Prinzip", meint der Stadtrat. "Aber offenes Feuer am Boden ist noch schlimmer." Außerdem gebe es viele Besucher, die die gebrauchten Geräte ordnungsgemäß in den vorgesehenen, mit Metall ausgekleideten Behältern entsorgen. "Ein Verbot kriegt man nicht durch", sagt Charlottenburg-Wilmersdorfs Stadtrat Marc Schulte (SPD). Stelle man die Geräte auf Steinplatten, sei der Schaden nicht so groß.

Anders in Hamburg. Im Bezirk Nord gilt seit 2010 ein Verbot für Einweggrills. Auf Beschluss der Politik, die forderte, dass nur noch Geräte benutzt werden dürfen, die mindestens 50 Zentimeter Abstand zum Boden haben. Der zuständigen Umweltbehörde zufolge sind die rechtlichen Grundlagen für das Verbot gegeben. Der Ordnungsdienst des Hamburger Bezirks kontrolliert das Verbot. In Trier dürfen Einweggrills seit Ende März 2012 nicht mehr in Grünanlagen verwendet werden.

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