Fußgänger

Berliner Ampeln werden noch in diesem Jahr blinken

Fußgänger-Ampeln sollen in der Hauptstadt künftig blinken - zumindest testweise. So soll die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht werden.

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Berlin soll fußgängerfreundlicher werden. So lautet zumindest das Ziel der Fußverkehrsstrategie, die der Senat vor mehr als einem Jahr beschlossen hat. Das Konzept, das in mehreren Arbeitsgruppen gemeinsam mit Behörden, Umweltschutz- und Fußgängerverbänden, dem ADAC und den Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs entwickelt wurde, sieht eine ganze Reihe von Maßnahmen vor.

Wichtige Ziele der Strategie: Zu Fuß gehen in der Stadt soll attraktiver, behindertengerecht und sicherer werden. Dazu sollen, so die Planungen, Fußwege erneuert, Lücken im Wegesystem geschlossen, Bordsteine abgesenkt und Ampelanlagen umgerüstet werden. Die Zahl der im Straßenverkehr verletzten oder getöteten Fußgänger soll bis 2016 um 20 Prozent sinken. Gleichzeitig soll die Zufriedenheit der Fußgänger steigen. Regelmäßige Befragungen sind dazu geplant.

Eines der geplanten Projekte ist die testweise Einführung neuer Ampelanlagen, die in anderen europäischen Städten zum Teil bereits Standard sind. Die erste Testphase beginnt noch in diesem Jahr, wie Petra Rohland, Sprecherin von Verkehrssenator Michael Müller (SPD), am Dienstag bestätigte. An drei Kreuzungen – Lietzenburger Straße/Joachimsthaler Straße, Französische Straße/Charlottenstraße, Stuttgarter Platz/Kaiser-Friedrichs-Straße – werden sogenannte Rot-Blink-Ampeln erprobt.

Bei dieser Variante sehen die Fußgänger zunächst grünes Licht, dann beginnt das rote Licht zu blinken. Wer noch am Straßenrand steht, erfährt so, dass er besser nicht mehr losgehen sollte. Auch das „Grünblinken“ soll noch in diesem Jahr erstmals in Berlin erprobt werden. An diesen Ampeln blinkt das grüne Licht drei Sekunden, bevor die Ampel auf Rot springt. Als Testkreuzungen hat die Senatsverwaltung jetzt die Verkehrsknoten Paulstraße/Lüneburger Straße, Straße des 17. Juni/Yitzhak-Rabin-Straße und Holzmarktstraße/Alexanderstraße ausgewählt.

Drei, zwei, eins – Rot

Vom kommenden Jahr an werden dann laut Rohland als dritte Variante auch sogenannte Countdown-Ampeln getestet, die die Sekunden bis zum Umschalten auf Rot herunterzählen. Die Standorte für diese Anlagen stehen noch nicht fest.

Schon bevor die erste Ampel in Berlin blinkt oder rückwärts zählt, wird jetzt Kritik laut. Die Naturschutzorganisation BUND, die weite Teile der Fußgängerstrategie des Senats unterstützt, lehnt die geplanten Lichtsignalanlagen in einem Brief an Staatssekretär Christian Gaebler und die Verkehrsplaner der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als untauglich ab. Das Rotblinken, kritisiert der BUND in dem Schreiben, das Morgenpost Online vorliegt, solle anscheinend von der ohnehin knappen Grünzeit abgehen. Das Grünblinken sei zwar „eigentlich unschädlich“, habe aber „keinen erkennbaren Vorteil für Fußgänger“. Noch schärfer fällt die Kritik an den Countdown-Ampeln aus. Die Fußgänger würden ohne erkennbaren Nutzen „noch stärker gestresst“, heißt es in dem Brief. Auf Anfrage von Morgenpost Online wird BUND-Verkehrsexperte Martin Schlegel noch deutlicher: „Statt Sekunden herunterzuzählen, könnte man genauso gut Kurzfilme zeigen.“

Die Senatsverwaltung verteidigt ihre Pläne. Auch an den ebenso umstrittenen „Begegnungszonen“ will die Behörde festhalten. Autofahrer dürfen in diesen Zonen nur Tempo 20 fahren, alle Verkehrsteilnehmer haben die gleichen Rechte. Die Standortsuche für Tests läuft noch, wie Behördensprecherin Rohland jetzt bestätigte. Fast alle Bezirke hätten vermeintlich geeignete Straßenabschnitte für den Modellversuch angemeldet.