Für das „Café Moskau“ in Berlin-Mitte wird ein neuer Betreiber gesucht. Zum 1. März 2012 ist der Mietvertrag zwischen der Nicolas Berggruen Holdings GmbH, der die Immobilie an der Karl-Marx-Allee gehört, und der Moskau GmbH mit Geschäftsführer Oliver Rübenkamp beendet worden. „In gegenseitigem Einvernehmen und Respekt“, sagte Berggruen-Sprecherin Ute Kiehn am Freitag gegenüber Morgenpost Online. Gründe wolle sie nicht nennen. Man trenne sich im Guten. Auf der Homepage des „Moskau“ ist von Restriktionen zu lesen und davon, dass die Location von Anwohnern nicht akzeptiert worden sei.

Das Konzept für den Veranstaltungsort solle weiterentwickelt werden, kündigte Uta Kiehn an. Für das Jahr 2012 seien bereits Veranstaltungen gebucht. Sie sollen wie geplant stattfinden. Dafür habe die Berggruen Holdings GmbH Dienstleister eingesetzt. Und zwar Lisa Wege und Katajun Fakhoury von der Agentur Wahre Werte, die Service zu Locations in Berlin anbieten. Die Agentur in Prenzlauer Berg wollte sich am Freitag noch nicht zu Einzelheiten äußern.

Zehn Millionen Euro investiert

2007 hatte die Berggruen Holdings das Café Moskau von der TLG Immobilien gekauft. In Kauf und Sanierung wurden nach Angaben des Unternehmens rund zehn Millionen Euro investiert. Ende 2007 vermietete die Berggruen Holdings das Café an die Betreiber des E-Werks in Mitte. Im Herbst 2011 öffnete der 600 Quadratmeter große Club in den Kellerräumen des Moskau. Moskau-Geschäftsführer Rübenkamp ließ durch eine Mitarbeiterin mitteilen, dass er sich nicht äußern wolle. Der Club im Keller sei an diesem Wochenende geschlossen.

In den vergangenen Jahren gab es eine Vielzahl von Veranstaltungen im Moskau, darunter Messen, Firmenevents und Partys. Auf der Referenzliste tauchen Bundesministerien, Stiftungen und große Unternehmen wie Nokia und Telekom auf. Auf der Homepage des Moskau heißt es, es habe Restriktionen für die Nutzung gegeben, die auch von der engagierten Crew des E-Werks nicht kompensiert werden konnten. Der Investor habe „überaus ambitionierte kaufmännische Erwartungen“ gehabt. Das Moskau sei von den Anwohnern im unmittelbaren Umfeld nicht akzeptiert worden. Es habe Einschränkungen wegen Lärm- und Brandschutzes gegeben. Raumstrukturen im Moskau und Lieferzonen seien wenig flexibel gewesen. Wegen dieser Restriktionen habe man Anfang 2012 beschlossen, „die Zusammenarbeit mit der Nicolas Berggruen Holdings zu beenden“. Man gehe ohne gegenseitige Erwartungen und Forderungen auseinander. Man habe in den zwei Jahren der Planungs- und Bauzeit und den zwei Jahren des operativen Betriebs viel gelernt, teilt das Moskau-Team weiter mit.

Mittes Stadtentwicklungsstadtrat Carsten Spallek (CDU) sagte, es habe gelegentlich Beschwerden von Anwohnern gegeben wegen des Lärms von Gästen, die das Moskau betraten oder verließen. „Aber das hatte sich dann gebessert.“ Das Café Moskau wurde von 1961 bis 1964 nach Plänen der Architekten Josef Kaiser und Werner Dutschke gebaut. Der Sputnik auf dem Dach wurde zum Markenzeichen.