Wettbewerbssieger

Wie der Berliner Schloßplatz aussehen könnte

Nachwuchs-Planern ist gelungen, was der Berliner Senat bisher nicht geschafft hat. Sie zeigen, wie der Schloßplatz in Mitte aussehen könnte.

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Selten hat ein Studentenwettbewerb so viel mediale Aufmerksamkeit bekommen wie dieser. Pressevertreter, Kameraleute und Radioreporter drängen sich in Berlin im Vortragssaal in der Kommandantur Unter den Linden, zwischen die sichtlich überraschten Studenten, als am Mittwoch um 12 Uhr der Siegerentwurf im Ideenwettbewerb vorgestellt wird, den der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft ausgelobt hat.

Der Grund für das geballte Medieninteresse liegt indes in der brisanten Aufgabenstellung. Die lautete, eine „Freiraumplanung für das Gelände rund um das Berliner Schloss – Humboldtforum“ zu entwickeln. Denn während die Gründungsarbeiten für das Humboldtforum auf dem Schloßplatz schon in vollem Gange sind, wird immer augenfälliger, dass es bislang weder ein Konzept noch Einigkeit darüber gibt, wie die Umgebung künftig gestaltet werden soll.

Die Studenten jedenfalls haben die ihnen gestellte Aufgabe „allesamt mit Bravour gelöst“, lobte der Präsident der Bundesstiftung Baukultur, Michael Braum, der als Vorsitzender der Jury fungierte. Die jungen Landschaftsplaner hätten sich mit „Frische und offenem Blick“ an die schwere Aufgabe gewagt, den so geschichtsbelasteten und umstrittenen Platz im Herzen Berlins zu gestalten.

Zwei erste Preise verliehen

Gleich zwei Entwürfe hätten die Juroren so überzeugt, dass sich den ersten Preis nun zwei Wettbewerbsteilnehmer teilen: Franziska Leis und Alberto Brezigia, beide von der Technischen Universität Dresden, wurden für ihre Vorschläge mit zwei ersten Preisen ausgezeichnet. Jeder erhält nun 4000 Euro.

Franziska Leis' Entwurf überzeugte vor allem mit seiner Benutzeroffenheit und Freundlichkeit. Die 25-Jährige hat einen bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Entwurf vorgelegt, bis hin zu den Bäumen, die aus den unterschiedlichsten Weltregionen stammten und an den großen Naturforscher Alexander von Humboldt erinnern sollen. Ganz elegant hat die Studentin zudem den Streitpunkte ausgeklammert, wie denn mit dem Neptunbrunnen zu verfahren sei, der einst den südlichen Schloßplatz zierte, nun aber auf dem Vorplatz des Fernsehturms steht. Mit einer Folge repräsentativer Wasserbecken, deren Grund mit Terrazzo-Mustern aus Blattgold ausgekleidet werden sollen, verleiht die Studentin dem Schloss wieder ein repräsentatives Wasserspiel – und der Neptunbrunnen kann an seinem jetzigen Standort bleiben.

Der zweite Preisträger, der 23-jährige Alberto Brezigia, hat dagegen besonders elegant das Problem gelöst, wie die zu erwartenden Besuchermassen – gerechnet wird mit bis zu 15.000 Besuchern täglich – gefahrlos die viel befahrene Karl-Liebknecht-Straße queren können, die den Schloßplatz vom Lustgarten und den Museen auf der Museumsinsel trennt. Seine „archäologische Promenade“ führt, immer am Wasser entlang, vom Pergamonmuseum am Kupfergraben unter der Brücke hindurch direkt bis zum Einheitsdenkmal, das auf dem Sockel des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals auf der Schlossfreiheit entstehen soll.

Der Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft hatte den Wettbewerb ausgeschrieben, um die Diskussion über die Außengestaltung des Großprojekts anzukurbeln. Die vom Jury-Vorsitzenden Braum im Anschluss an die Präsentation formulierte Hoffnung, dass es mit dem Wettbewerb gelingen möge, die festgefahrene Debatte um das Humboldtforum „konstruktiv zu beleben“, scheint an diesem Tag jedoch noch reichlich optimistisch zu sein.

Denn hinter den Kulissen wird derzeit noch heftig darum gerungen, wie denn der Schloßplatz künftig aussehen soll: Soll es, wie die Schlossfassaden, eine barocke Rekonstruktion sein, sollen gar die Skulpturen der Rossebändiger, die zusammen mit den Königskolonnaden im Schöneberger Kleistpark eine neue Heimat gefunden haben, an ihren alten Standort zurückkehren – genauso wie der Neptunbrunnen oder das Reiterstandbild des großen Kurfürsten, das vor dem Schloss Charlottenburg ebenfalls eine gute Figur macht? Das zumindest hat Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz als Option in den Auslobungstext hineinschreiben lassen. Oder soll Schluss sein mit den historischen Zitaten, soll die 40.000 Quadratmeter große Freifläche rund ums Schloss einen modernen Kontrapunkt setzen, wie es die eigentlich zuständige im Senat, die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, bereits im Mai gefordert hatte?

Lüscher hat die offizielle Ausschreibung für den internationalen Wettbewerb noch für diesen August angekündigt und eine Entscheidung bis zum Jahresende in Aussicht gestellt.

Annalie Schön von der Stadtentwicklungsverwaltung machte bei der Preisverleihung am Mittwoch jedoch keine Angaben zum weiteren Zeitplan. Derzeit werde noch die Auslobung erarbeitet, sagte sie. „Wir werden an anderer Stelle über den Wettbewerb informieren.“

Ein Ergebnis, wie die Freiflächen einmal tatsächlich aussehen, müsse ja auch erst „frühestens“ 2018/2019 vorliegen. So lange werde ja noch am Schloss gebaut. Die Bauarbeiten für die Rekonstruktion des Berliner Schlosses sollen im kommenden Frühjahr mit der Grundsteinlegung offiziell beginnen.

Versöhnen, nicht polarisieren

Schlossförderer Wilhelm von Boddin, selbst Mitglied der Jury des Studentenwettbewerbs, mahnte am Mittwoch, „endlich die polarisierende Debatte zu beenden“. So wie das Humboldtforum mit seiner Schau der Weltkulturen zur Versöhnung der Völker beitrage, solle auch das Schlossumfeld Modernisierer und Restaurierer versöhnen. Anders als häufig unterstellt, sei er durchaus nicht für die Erstellung eines Barockgartens, das entspräche nicht der geforderten Funktionalität: „An niedergetrampelten Blumenrabatten hätte ich auch keine Freude“, so Boddin.

Vom 19. September bis zum 5. Oktober 2012 können sich Interessierte selbst von der Qualität der studentischen Entwürfe überzeugen. Alle 18 eingereichten Arbeiten werden in der Humboldtbox auf dem Schloßplatz in Berlin-Mitte präsentiert.