Baubeginn

Berliner Stadtschloss startet mit ambitioniertem Zeitplan

Das Humboldt-Forum soll bereits 2019 den Dialog der Kulturen eröffnen. Bundesbauminister Ramsauer warnt jedoch vor konkreten Terminangaben.

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Das Wetter ist trübe, der Auftrieb groß, doch die Stimmung heiter. Zehn Jahre nach dem Beschluss des Deutschen Bundestages, das Berliner Schloss wieder aufzubauen, haben am Donnerstag die Arbeiten an der Baugrube begonnen. Im Beisein von Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU), Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Schloss-Förderer Wilhelm von Boddien und dem Architekten Franco Stella wurde mit der Bohrung für die erste Spundwand der Baugrube begonnen.

„Patriotische Dimensionen“

Minister Ramsauer zeigte sich sichtlich erfreut, dass das „derzeit größte kulturelle Bauprojekt der Bundesrepublik Deutschland endlich beginnt“. Ramsauer betonte die „großartige patriotische Dimension“ des begonnenen Großprojektes „für unser ganzes Land“ und erinnerte, dass der Bund im Juli 2011 weitere 38 Millionen Euro für das Schloss genehmigt habe.

Von den damit bislang veranschlagten 590 Millionen Euro trägt das Land Berlin 32 Millionen Euro, allein 80 Millionen Euro sollen durch Spenden eingeworben werden. Ramsauer dankte Wilhelm von Boddien für sein staatsbürgerliches Engagement mit dem Förderverein Berliner Schloss. Er sei jetzt hoffnungsfroh, so Ramsauer, dass mit dem Baubeginn die Spendenbereitschaft steige.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann erklärte, der Wiederaufbau des Stadtschlosses sei das „größte Kulturbauvorhaben in Deutschland“. Das Stadtschloss werde nicht nur eine neue architektonische Dominante in Berlins Mitte. Neumann betonte auch die künftige überragende Bedeutung des Humboldt-Forums als Stätte des kulturellen Austauschs und des internationalen Dialogs. Natürlich gehe es um eine Menge Geld. „Aber wir als stärkste Industrienation müssen so etwas möglich machen können.“ Der Kulturstaatsminister kündigte an, dass in Kürze ein konkretes Konzept für das Humboldt-Forum vorgelegt werde.

Zeichen für ein offenes Deutschland

Auch der Regierende Bürgermeister zeigte sich erfreut, dass das Großprojekt im Herzen Berlins nun endlich verwirklicht werde. Die Idee, an dieser Stelle außereuropäische Kulturen zu präsentieren, sei ein deutliches Zeichen für ein offenes Deutschland und den „weltoffenen Blick Berlins“. Der neue kulturelle Schwerpunkt setze für die globalisierte Gegenwart und Zukunft entscheidende Akzente, erklärte Wowereit. „Das Humboldt-Forum wird für die Mitte Berlins eine Belebung sein“, sagte der Regierende Bürgermeister. „Ich merke tagtäglich als Nachbar, der ja quasi vom Balkon des Rathauses runtergucken kann, dass hier etwas fehlt.“ Das Stadtschloss werde den bislang leeren Platz nicht nur mit seiner Kubatur bereichern. Die Bauarbeiten führen allerdings auch zu Einschränkungen im Verkehr. „Das Bauen ohne Beeinträchtigungen ist eben noch nicht erfunden worden“, so Wowereit. Er dankte dem Bund, ohne dessen Unterstützung dieses Großprojekt nicht realisierbar gewesen wäre.

Vor dem Hintergrund der verschobenen Eröffnung des neuen Großflughafens BER empfahl Bundesbauminister Ramsauer, mit konkreten Terminangaben etwas umsichtiger zu agieren. Die Botschaft galt Manfred Rettig. Der Leiter der Stiftung Berliner Schloss – Humboldt-Forum hatte die Gäste auf der Baustelle damit begrüßt, dass Mitte 2019 im Humboldt-Forum des Stadtschlosses der Dialog der Kulturen eröffnet werde.

Der Zeitplan ist ambitioniert: Bis Frühjahr nächsten Jahres sollen die komplexen Fundamentarbeiten für das Großprojekt abgeschlossen sein. Die offizielle Grundsteinlegung für den Wiederaufbau ist für Mai 2013 avisiert. Ende 2013, Anfang 2014 soll dann bereits der Neubau „sichtbar aus der Erde wachsen“, wie Rettig sagte.

„Hier ist alles im Lot“, bekräftigte der Leiter der Stiftung Berliner Schloss. Berichte, wonach 300 Jahre alte Eichenpfähle für einen von König Friedrich I. geplanten Turmbau das Projekt Stadtschloss in Schwierigkeiten brächten, wies Rettig zurück. „Die Arbeiten sind dadurch nicht gefährdet.“ Auch der Pressesprecher der Stiftung, Bernhard Wolter, betonte: „Es ist uns durchaus bekannt, dass hier Pfähle im Boden stecken.“ Man wisse nur nicht, wo genau sie in der Erde steckten und wie dick sie genau seien. Wolter verwies darauf, dass die Beseitigung dieser 200 bis 300 Holzpfähle bereits Bestandteil der Ausschreibung für die vergebenen Arbeiten am Fundament gewesen sei.

„Pfähle gefährden Projekt nicht“

Die Kritik der Grünen, deren stadtentwicklungs- und kulturpolitischen Sprecherinnen am Donnerstag angesichts der Pfähle vor einem unkalkulierbaren finanziellen Risiko warnten, bezeichnete Wolter als „baren Unsinn“. Die Kosten für die Beseitigung der Holzpfähle seien im Rahmen der gerade begonnenen Arbeiten für das Fundament ja bereits festgeschrieben, sagte der Sprecher der Stiftung. Auch der Hinweis der Grünen auf das Unglück in Köln – dort kam es 2009 zum folgenschweren Einsturz des alten Stadtarchivs – betrachtet Wolter als unangebracht. „Hier droht kein zweites Köln“, sagte der Sprecher im Anschluss an die Baustartfeier. Die Arbeiten für die U-Bahn-Linie U5 unter dem Humboldt-Forum würden bergmännisch mit Schildvortrieb erfolgen. „Das lässt sich mit Köln überhaupt nicht vergleichen“, so Wolter.

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