Wedding

Lebenslange Haftstrafe für Berliner Todesschützen

Ein Jahr nach der Bluttat in Wedding ist der Angeklagte verurteilt worden. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest.

Wegen der tödlichen Schüsse auf die Familie seiner Ex-Frau ist der 26-jährige Mehmet Y. zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht Berlin sprach ihn am Dienstag des zweifachen Mordes und dreifachen Mordversuchs schuldig.

Zugleich stellte das Gericht die Schwere der Schuld fest. Damit ist eine Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.

Der Kurde mit türkischem Pass hatte am 4. August 2011 in Wedding mit einer Pistole zwölf Mal auf ein Auto geschossen, in dem seine Ex-Frau Feride und Angehörige ihrer Familie saßen. Feride blieb unverletzt. Getötet wurden ihre Mutter und eine Schwester, schwer verletzt ein Bruder.

Trennung selber verursacht

Dieser Sachverhalt war relativ schnell geklärt. Es gab Zeugen, Spuren, und Mehmet Y. hat die tödlichen Schüsse bei der Polizei und später vor Gericht auch zugegeben. „Beschäftigt haben uns vor allem die Antworten auf die Fragen, warum er es getan hat und seine Schuldfähigkeit“, sagte Richter Olaf Arnoldi bei der Urteilsbegründung. Die Trennung von seiner Frau, die Mehmet Y. offenbar nicht verkraften konnte, habe er selber verursacht.

Arnoldi nannte in diesem Zusammenhang zwei Daten: 2007 habe er seine Frau aus unbegründeter Eifersucht geschlagen und getreten; damals war sie nach vier Wochen wieder zu ihm zurück gekehrt. Und 2010 hatte Mehmet Y. einer Nachbarstochter massiv nachgestellt.

Das war dann auch der Grund für Feride S., ihn endgültig zu verlassen und die Scheidung einzureichen. Anfangs, so Arnoldi, habe er noch mit allen erdenklichen Mitteln versucht, sie zurück zu gewinnen. Als das nicht funktionierte, habe er sich eine Pistole besorgt, „um nun zu vollenden, was er seiner Frau und ihrer Familie vorher immer wieder angedroht hatte“.

Mehmet Y. stört durch Zwischenrufe

Das Gericht folgte dem psychiatrischen Sachverständigen Norbert Konrad, der in seinem Gutachten feststellte, dass Mehmet Y. zur Tatzeit voll schuldfähig gewesen sei. Das von der Verteidigung organisierte Gutachten des Psychiaters Karl Kreutzberg „war aus unserer Sicht nicht überzeugend“, so Arnoldi.

Kreutzberg sah nach Gesprächen mit dem Angeklagten Hinweise auf eine beginnende Schizophrenieerkrankung. Er hatte vor Gericht aber auch festgestellt, dass es möglich sei, dass der Angeklagte ihn getäuscht haben könnte.

Mehmet Y. hatte, wie schon an den 14 Verhandlungstagen zuvor, auch Arnoldis Urteilsbegründung durch Zwischenrufe gestört. Als Halil C., der Ehemann der erschossenen Frau und Vater der erschossenen Tochter, den Verhandlungssaal verließ, rief er ihm Drohungen hinterher. Halil C., sagte wenig später, dass er „mit diesem gerechten Urteil zufrieden“ sei, er aber dennoch den Rest seines Lebens um Frau und Tochter trauern werde.

Anwalt Mirko Röder kündigte an, dass die Verteidigung gegen das Urteil in Revision gehen werde.