Kurfürstenstraße

Neues Parkhaus - Klassische Musik soll Freier vertreiben

Der Straßenstrich soll sich nicht ins geplante Parkhaus an der Kurfürstenstraße verlagern. Der Eigentümer setzt auf ungewöhnliche Maßnahmen.

Foto: dpa-Zentralbild

Im geplanten Parkhaus an der Kurfürstenstraße soll es keine Möglichkeiten geben, dass Prostituierte vom nahen Straßenstrich ihrem Gewerbe nachgehen können. Das versicherte Bernhard Haaß besorgten Anwohnern auf einer Informationsversammlung am Donnerstagabend im vollen Gemeindesaal der Zwölf-Apostel-Kirche. Videoüberwachung und auch ein Sicherheitsdienst würden dafür sorgen, dass die Kunden der Geschäfte im Erdgeschoss nicht abgeschreckt würden.

Musik soll demotivieren

Sogar klassische Musik oder Fahrstuhlmusik, die laut Aussage von Fachleuten demotivierend wirke, soll im Parkhaus gespielt werden. Automatische Rollgitter trennen die Teile ab, die nicht belegt sind. Zudem werde der Eigentümer das Parkhaus selbst betreiben. Rechtsanwalt Haaß, der den Investor bei der Versammlung vertrat, widersprach zudem Befürchtungen, dass das geplante Gebäude als Bordell dienen könnte.

Es gebe bereits Verträge mit einem Drogeriemarkt, einem Vollsortiment-Supermarkt und einem Marken-Discounter. Sie würden die Flächen im Erdgeschoss des Neubaus beziehen – vorausgesetzt, die Baugenehmigung werde erteilt. Auch einige kleine Läden wie ein Kiosk und ein Backshop seien bereits geplant. Diese Nutzung werde auch im Bebauungsplan, der gerade vom Bezirk Mitte erarbeitet wird, festgeschrieben.

Keine „Verrichtungsboxen”

Dem Vorschlag des Quartiersrats Schöneberger Norden und der IG Potsdamer Straße, sogenannte „Verrichtungsboxen“ für Prostituierte und ihre Freier in einem abgegrenzten Teil des Parkhauses aufzustellen, um die Belastungen in der Nachbarschaft zu verringern, erteilte Haaß eine Absage. Es sei das Interesse des Eigentümers, dass jegliche Prostitution im Parkhaus unterbleibe.

Bereits 2006 hatte Franz-Josef Glotzbach das Grundstück neben dem Möbel-Hübner-Hochhaus an der Kurfürstenstraße Ecke Genthiner Straße vom Liegenschaftsfonds Berlin gekauft. Noch ist es ein Parkplatz und als Grünfläche ausgewiesen.

370 Parkplätze auf drei Etagen

Oberhalb der Geschäfte im Erdgeschoss sind 370 Parkplätze in drei Etagen vorgesehen. 19 Meter hoch soll das Haus werden. Anwohner und auch Bezirksverordnete der SPD und Grünen kritisierten den Bau neuer Parkplätze, der Investor jedoch erachtet sie für die Geschäfte als nötig. Darüber entscheiden werden die Bezirksverordneten in Mitte, wenn der Bebauungsplan vorliegt. Abschließend muss dann noch die Senatsverwaltung zustimmen.

Steffen Klette, der kommissarische Leiter der Stadtplanung in Mitte, sagte zu, die Anregungen der Bürger und der Quartiersmanagements zu prüfen.