Nach Großrazzia

Ein Rocker vor Haftrichter, fünf weitere wieder frei

Bei einer Großrazzia wurden sechs Mitglieder der Berliner Bandidos festgenommen. Ein 46-Jähriger wird dem Haftrichter vorgeführt.

Ein Berliner Haftrichter wird am Mittwoch darüber entscheiden, ob ein 46 Jahre alter Rocker in Untersuchungshaft kommt. Ihm werden nach Angaben der Polizei Verstöße gegen das Waffenrecht und das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen. Der Rocker war am Dienstag im Zuge einer Großrazzia in der Hauptstadt zusammen mit fünf anderen Männern festgenommen worden. Damit korrigierte die Polizei am Mittwoch ihre Angaben vom Vortag, dass fünf Männer festgenommen worden seien.

Die anderen fünf Tatverdächtigen im Alter von 24 bis 46 Jahren seien wieder auf freiem Fuß, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwochmorgen.

200 Beamte hatten am Dienstagmorgen 16 Objekte in Berlin durchsucht. Meist handelte es sich um Wohnungen aktiver und ehemaliger Bandidos-Mitglieder. Es gab aber auch einen Einsatz in der Justizvollzugsanstalt in Hakenfelde und in einer Kleingartenanlage - dort fanden die Ermittler aber nichts.

Die Polizei beschlagnahmte bei der Razzia eine fünfstellige Summe Bargeld, Baseballschläger, Messer und verdächtige Substanzen, vermutlich Drogen. Sie stellte auch drei Motorräder sicher, die nach Angaben des Sprechers möglicherweise gestohlen wurden.

Hintergrund der Aktion sei ein seit mehr als einem Jahr laufendes Ermittlungsverfahren des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft. Es gehe um den Besitz von Waffen, sagte der Sprecher. Maschinenpistolen gälten als Kriegswaffen. Welche strafrechtliche Bedeutung es hat, dass die „Kalaschnikow“ sich als Imitat entpuppte, blieb am Dienstag offen: Die Staatsanwaltschaft wollte zunächst keine Bewertung abgeben.

Hinweise für die Razzia bekam die Polizei von Aussteigern aus der Rockerszene: „Ein Teil der Tatverdächtigen hat ausgesagt“, erläuterte der Polizeisprecher. „Der Mythos, dass die uns gegenüber nichts sagen, bröckelt.“ Die Ermittler vernahmen die Festgenommenen und wollten prüfen, ob Gründe für eine Untersuchungshaft vorliegen.

In den vergangenen Wochen hatte es in der Hauptstadt mehrere Großeinsätze der Polizei gegen Rockergruppen gegeben. Auch in Brandenburg und anderen Bundesländern durchsuchte die Polizei wiederholt Rocker-Wohnungen und Vereinsheime. Vergangene Woche stießen Beamte dabei in der Nähe von Cottbus auf ein Waffendepot.

Die Behörden werfen den Rockern organisierte Kriminalität vor allem im Rotlichtmilieu und in der Drogenszene vor. Nach dem Verbot der Hells Angels Berlin City, Selbstauflösungen und vielen Großeinsätzen der Polizei befindet sich die Rocker-Szene der Hauptstadt offensichtlich in einer Phase der Umorientierung.