Selbstauflösungen von Rockerclubs, wie es sie derzeit bundesweit gibt, haben nach Überzeugung von Fahndern klare Ziele: Macht und Vermögen zu sichern, die jeweiligen Gangs staatlicher Kontrolle zu entziehen und Ruhe für die Geschäfte zu bekommen. „Zusammenhänge zwischen Vereinsauflösungen und Sicherung von Vereinsvermögen sind erkennbar“, sagte Frank Adelsberger vom Brandenburger Landeskriminalamt (LKA).

„Das Beispiel von den Hells Angels Berlin City zeigt konkret, dass man versuchte, durch kurzfristige Selbstauflösung einem Vereinsverbot zuvor zu kommen“, so Adelsberger. Die Rocker in der Hauptstadt hatten sich Ende Mai unmittelbar vor einem Verbot als aufgelöst erklärt. „Offensichtlich hatte man die Hoffnung, damit staatlichen Maßnahmen zu entgehen und auch Vereinsvermögen zu retten“, so der Beamte.

Das ist nicht nur eine Taktik, sondern abgestimmte Strategie“, meinte Adelsberger und verwies auf die zahlreichen Selbstauflösungen bundesweit von Hells Angels Clubs. „Nach meiner Kenntnis betraf es immer Charter, die aktuell stark im Fokus staatlicher Maßnahmen standen“, so der Dezernatsleiter. Nicht immer habe bereits die Prüfung eines Vereinsverbotes angestanden. „Aber natürlich nehmen die Clubs den Druck wahr und müssen damit rechnen, dass ein Vereinsverbot geprüft wird.“ Diesem wollten die Rocker zuvorkommen.

Neugründungen von Rockergruppen mit Personen, die in zuvor aufgelösten Clubs organisiert waren, verdeutlichten die weiter bestehende Nähe zum Milieu. Darum bleibe die Situation nach der Eskalation in Berlin auch in Brandenburg gefährlich und habe sich in den vergangenen Wochen verschärft. „Die Gesamtsituation ist als sehr problematisch einzuschätzen und es kann fortlaufend zu Auseinandersetzungen kommen“, meinte Adelsberger auch mit Blick auf ein Waffendepot, dass am vergangenen Mittwoch in Cottbus bei Razzien gegen Hells Angels gefunden worden war.

Auch für Hennigsdorf, dem bisherigen Quartier der Bandidos MC Berlin Del Este, sieht der LKA-Beamte keinerlei Entwarnung. Eine Neugründung sei nicht auszuschließen. „Die Personen sind noch da und weisen noch Nähe zum Bandidos Club auf.“ Besonderes Augenmerk müsse dem Anführer des Chapters gelten, der auf Nationaler Ebene auch eine führende Funktion habe.

Verbindungen der Rocker zu Rechtsextremisten misst Adelsberger in Bezug auf den Bereich der Organisierten Kriminalität bislang wenig Bedeutung zu. „Natürlich ist uns seit längerem bekannt, dass es einzelne Personen in Rockerclubs gibt, die früher bei rechtsextremistischen oder radikalen Aktivitäten auftraten“, sagte er. „Eine Durchsetzung von Rockerclubs durch Rechte ist von uns bislang nicht erkannt worden und auch nicht als Problem angesehen worden.“ Die Verbindungen müssten jedoch genau beobachtet werden.

In Brandenburg sind die drei Rocker-Clubs Hells Angels MC, Bandidos MC und Gremium MC aktiv. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Brandenburg haben sie insgesamt rund 400 Mitglieder.