Berlins Stadtschloss

Anonymer Geldgeber finanziert neues Eckrondell

Mit einer Million Euro ermöglicht ein anonymer Spender den Anbau eines Eckrondells an der Fassade des Berliner Stadtschlosses.

Foto: Förderverein Berliner Schloss / eldaco

Seit dem Beschluss zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses im Jahr 2002 kämpft der Förderverein Berliner Schloss e.V. um jede Spende. Umso mehr dürften sich die Unterstützer des Großprojekts gefreut haben, als am Wochenende ein anonymer Spender eine Million Euro auf ein Sonderkonto des Fördervereins überwies. Ausdrücklich sprach sich der großzügige Unbekannte für die Verwendung der hohen Summe aus: Ein Eckrondell, das einst das historische Original geziert hat, soll nun auch an der Fassade des Neubaus angebracht werden.

Stark umdisponieren müssten die Architekten wegen dieser Änderung nicht, so Bernhard Wolter von der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum. Die Grundrissplanung werde geringfügig verändert, schließlich gehe es mit dem Eckrondell um eine Detaillösung. Wolter weiter: „Das stellt uns nicht vor unlösbare Aufgaben.“

Die zusätzliche Million deckt in etwa die Kosten des Rondells – zudem werde die runde, barocke Ecke von vielen Unterstützern sehr begrüßt. Je mehr Geld der Förderverein zusammenträgt, desto präziser kann der Neubau dem historischen Original nachempfunden werden.

Auch Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins, freut sich über den Geldsegen und betont: „Der anonyme Spender hat das Rondell initiiert.“ Dafür, dass der namenlose Gönner nicht benannt werden möchte, hat von Boddien volles Verständnis. Auf die Frage, ob er den Geldgeber näher kenne, bleibt von Boddien jedoch verschwiegen: „Ich weiß sehr viel, aber ich sage nichts.“

Der Bundestag hatte 2011 eine Finanzierung beschlossen, die den Bund mit 578 Millionen Euro und die Stadt mit 32 Millionen Euro für den Neubau des Schlosses belastet. Hinzu kommt ein Kostenvolumen von 80 Millionen Euro, das der Förderverein durch private Spendensummen abzudecken versucht. Von Boddien zieht eine positive Bilanz der bisher gespendeten Summen: „19,5 Millionen Euro im Geldeingang, das ist eigentlich ganz toll.“ Der Hamburger Kaufmann Wilhelm von Boddien ist Vorreiter des Wiederaufbaus in Berlin und rief den Förderverein im Jahr 1992 in Leben.

Seitdem gibt es umfangreiche Pläne für das Berliner Schloss, dessen Bau 1443 begonnen wurde und das als Residenz der Hohenzollern diente. Im zweiten Weltkrieg wurde das monumentale Gebäude im barocken Stil durch Luftangriffe stark beschädigt. Nach der Teilung Deutschlands lehnte das DDR-Regime eine Restaurierung ab und ließ die Überreste 1950 sprengen. Nun soll das Schloss unter der Leitung des italienischen Architekten Franco Stella aus Vicenza wiedererrichtet werden. Das Besondere an Stellas Entwurf ist, dass drei Fassaden gemäß dem Original rekonstruiert werden, während die der Spree zugewandte Seite einen modernen Neubau darstellt.

Das Schloss soll in seiner Funktion als sogenanntes Humboldt-Forum auftreten: als ein Museums-, Wissens- und Begegnungszentrum. Interessierte können sich in der Humboldt-Box am Schloßplatz über Daten und Fakten zum Schlossbau informieren.