Bernauer Straße

Mauergedenkstätte in Berlin auf 1,4 Kilometer erweitert

Die Berliner Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße ist um zwei Abschnitte erweitert worden. Der Ausbau soll weitergehen.

Foto: DPA

Die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße in Berlin-Mitte ist der zentrale Erinnerungsort an die deutsche Teilung. Zugleich ist es auch der einzige Ort in der wiedervereinigten Hauptstadt, an dem zumindest auf knapp 300 Metern noch das ganze Ausmaß des Schreckens erlebbar ist. Während anderswo in Berlin lediglich noch einige graffitibesprühte Betonsegmente übrig geblieben sind, kann hier noch besichtigt werden, wie brutal die Stadt 28 Jahre lang durch Vorder- und Hinterlandmauer und den 40 Meter breiten Todesstreifen dazwischen in Ost und West geteilt war.

Mit der feierlichen Eröffnung des Erweiterungsgeländes können Besucher nun seit Montag auf 1,4 Kilometer Länge den ehemaligen Postenweg des Grenzstreifens entlanglaufen und seine verschiedenen Ausstellungsbereiche erkunden.

Dreimillionster Besucher erwartet

„Obwohl die Gedenkstätte noch nicht fertig ist, ist sie schon jetzt ein voller Erfolg“, sagte André Schmitz, Staatssekretär für Kultur und Vorsitzender des Stiftungsrates Berliner Mauer. In Kürze werde der dreimillionste Besucher erwartet. Allein 650.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr.

Im Jahr 2006 hatte der Senat das „Gesamtkonzept zur Erinnerung an die Berliner Mauer“ verabschiedet. Finanziert wird der Bau der Gedenkstätte überwiegend durch EU- und Lottomittel. 27 Millionen Euro stehen dafür bereit, 18 Millionen davon allein für den Ankauf der rund 100 Grundstücke entlang der Bernauer Straße zwischen Nordbahnhof und Mauerpark.

Im Oktober 2009 war der erste Abschnitt vom Nordbahnhof an der Garten- bis zur Ackerstraße mit dem Besucherzentrum fertig geworden. Zum 50. Jahrestag des Mauerbaus folgte am 13. August 2011 die Fertigstellung des zentralen Bereichs der Ausstellung bis zur Brunnenstraße.

Der „erweiterte Bereich“ der Gedenkstätte befindet sich nun zwischen Brunnenstraße und Wolliner Straße. Anders als im zentralen Bereich umfasst er nur den alten Postenweg sowie einen schmalen Grünstreifen beidseits davon, weil entlang der Bernauer Straße bereits Neubauten stehen. Weitere Häuser sind dort geplant.

Leben im Schatten der Mauer

Im neuen Teil der Ausstellung wurden die bestehenden Reste und Spuren der Grenzanlagen konserviert, Multimedia-Infostelen und Fototafeln aufgestellt. An einigen Stellen markieren Stahlplatten jene Orte, an denen Fluchttunnel gegraben wurden.

Der neue Bereich widmet sich dem Alltagsleben im Schatten der Mauer. So belegen etwa Videoaufnahmen eindrucksvoll die verzweifelten Versuche der Menschen im Herbst 1961, über die Sperranlagen an der Bernauer Straße hinweg Kontakt mit ihren Angehörigen auf der anderen Seite aufzunehmen. Anhand von historischem Bild- und Filmmaterial ist auch die politische Auseinandersetzung beider deutscher Staaten nachgezeichnet.

So gehörte es im Westteil der Stadt zum Protokoll, mit internationalen Staatsgästen wie etwa dem schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King auf eigens errichtete Aussichtsplattformen zu steigen, von denen aus die Besucher in die Sperrzone schauen konnten. Gleichzeitig werden auch individuelle Schicksale wie die des damals neunjährigen Thomas Molitor erzählt, der vom Dach eines Wohnhauses auf Ost-Berliner Gebiet in den Westen sprang und als vermeintlicher Flüchtling für Schlagzeilen sorgte. Oder die Geschichte von Ronni S., der am Abend des 10. November 1983 von NVA-Soldaten im Grenzstreifen verhaftet wurde, als er mit Hilfe einer Leiter versuchte, nach West-Berlin zu fliehen.

In den kommenden Jahren soll die komplette Gedenkstätte, die ursprünglichen Planungen zufolge bereits in diesem Jahr fertig gestellt sein sollte, bis zur Schwedter Straße weitergeführt werden. Die Rede ist vom Jahr 2014.

Lücken im Konzept

Weil jedoch mehrere Hauseigentümer nicht bereit waren, einen Teil ihrer Grundstücke an die Stiftung Berliner Mauer zu verkaufen, kam es zu erheblichen Zeitverzögerungen – und Lücken in der Gedenkstätte. So können die Besucher den Postenweg, auf dem einst die NVA-Grenzer mit ihren Kübel-Trabanten patrouillierten, zwischen Brunnenstraße und Ruppiner Straße nicht ohne Unterbrechung beschreiten, weil Gartenzäune den Weg versperren.

Ein mehrmonatiges Mediationsverfahren, das im Februar 2012 endete, hatte zwar weitere 18 Eigentümer dazu bewegt, ihre Grundstücke abzutreten. Vier weitere wollen jedoch nicht auf ihre Gärten verzichten. „Mit einem Eigentümer an der Kremmener Straße sind wir auf einem guten Weg“, so der Leiter der Gedenkstätte, Axel Klausmeier. „Somit verbleiben nur rund 400 Quadratmeter der insgesamt 50.000 Quadratmeter großen Erinnerungslandschaft, die wir nun nicht gestalten können.“ Klausmeier hofft weiter auf eine gütliche und vor allem schnelle Einigung. Die Durchgängigkeit des Postenwegs sei für das Ausstellungskonzept sehr wichtig, betonte er.

Keine Enteignungen geplant

Kulturstaatssekretär Schmitz machte am Montag jedoch deutlich, dass er nicht gewillt sei, die Blockade-Haltung der Grundstückseigentümer mit staatlichen Gewaltmaßnahmen zu beantworten. „ Es wird keine Enteignungen geben“, versicherte er. Ausgerechnet an der Mauer sei dies „einfach nicht vorstellbar.“ Er gebe die Hoffnung nicht auf, dass die drei verbliebenen Eigentümer doch noch bewegt werden können, der Stiftung ihre Grundstücke freiwillig zu überlassen, so Schmitz.