Warnsystem

Berlin führt Katastrophen-Alarm per SMS ein

Ab Mitte Juni bekommen Berliner Katastrophenwarnungen über Brände, Bombenfunde oder andere Unglücksfälle postleitzahlengenau auf ihr Handy.

Foto: dpa Themendienst

Berlin bekommt ein neues Warnsystem für Katastrophenfälle. Künftig können die Berliner Warnungen von Feuerwehr und Polizei vor einem Großbrand, dem Fund eines Weltkriegsblindgängers in der Nachbarschaft oder einem Katastrophenfall auf ihrem Handy empfangen – per Kurznachricht (SMS). Weil die alten Warnsysteme über Radioansagen oder Sirenen heutzutage von Fachleuten als unzureichend angesehen werden, um die Bevölkerung zu warnen, hat die Innenverwaltung entschieden, ergänzend das System „Katwarn“ zu übernehmen, das bereits in Großstädten wie Hamburg oder Frankfurt am Main eingeführt ist.

SMS nur im Extremfall

Startschuss des neuen Warnsystems soll der 17. Juni sein, dann will Innensenator Frank Henkel (CDU) Katwarn offiziell vorstellen. Das Prinzip ist einfach: Wer von Katwarn benachrichtigt werden will, muss sich vorher anmelden. Handynummer und Postleitzahl des Wohnortes reichen dafür aus. Das System alarmiert postleitzahlengenau alle von der Gefahr betroffenen Anwohner und gibt auch Verhaltensempfehlungen.

„Wenn es einen Großbrand mit starker Rauchentwicklung gibt, können wir der betroffenen Bevölkerung so zum Beispiel mitteilen, die Fenster besser zu schließen“, sagte Jens-Peter Wilke von der Berliner Feuerwehr Morgenpost Online. Alarmiert werde nur im seltenen Extremfall, stellt Wilke klar, nicht bei jedem Wohnungsbrand. „Bei einem Großschadensfall haben wir damit die Möglichkeit, mehr Informationen gezielt an die Leute zu bringen, das kann auch zur Deeskalation beitragen.“ Eine Sirene dagegen verunsichere eher. „Die Bürger wissen nicht, was los ist, wenn sie eine Sirene hören. Oder sie achten gar nicht darauf.“

Kosten: "kleinerer fünfstelliger Betrag"

Außerdem wurden in Berlin seit dem Ende des Kalten Krieges viele Sirenen abmontiert. Nicht nur, weil sie unmodern geworden waren, sie verursachen durch Wartung und Mieten an die Hauseigentümer, auf deren Dächern sie montiert sind, viele Kosten. Doch auch Radiodurchsagen erreichen wegen des veränderten Medienkonsums heutzutage weniger Menschen als früher, sagen Experten. Und auch Informationen über Lautsprecherwagen der Polizei höre nicht jeder.

„Katwarn ist eine sinnvolle Ergänzung zur Warnung und Information der Berliner Bevölkerung vor Katastrophengefahren und anderen lebensbedrohlichen Ereignissen“, sagte der Sprecher der Innenverwaltung, Stefan Sukale. „Die jetzigen Verfahren, die Bevölkerung zu warnen, insbesondere auch durch die persönliche Kontrolle durch Einsatzkräfte vor Ort, werden weiterhin im Falle eines Falles genutzt.“ Das System sei bürgerfreundlich und eine einfache Kommunikationsmöglichkeit. Zudem ist die Etablierung des Systems verhältnismäßig günstig. Nur Kosten für die Einführung fallen an sowie für die Schulung der Mitarbeiter der Feuerwehr und Fortbildungen. Das Ganze koste einen „kleineren fünfstelligen Betrag“, heißt es bei der Feuerwehr. Die niedrigen Kosten rühren daher, dass die Entwicklung von den öffentlichen Versicherern finanziert wurde – und diese auch die Server zur Verfügung stellen, über die das Computersystem läuft.

Noch technische Schwächen

Ausgereift ist das neue Warnsystem jedoch noch nicht, es gibt technische Schwächen. Bei einem SMS-gestützten System gebe es nie Übertragungssicherheit, räumt die Innenverwaltung ein. Bei einem überlasteten Mobilfunknetz kann das ganze neue Warnsystem zusammenbrechen. Auch eine flächendeckende Warnung kann Katwarn nicht leisten, weil sich nur ein Bruchteil der Bevölkerung überhaupt registriert. Das zeigt das Beispiel Hamburg, wo sich bisher erst 13.000 Menschen angemeldet haben.