Freies Wlan

Berliner können bald surfen bis der Bus kommt

Seit Jahren plant der Berliner Senat ein Wlan-Netz. Die Wall AG bietet bereits jetzt kostenlosen Zugang an - vorerst bis August.

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„Egal, was Du suchst: Es gibt nichts, was Du in Berlin nicht findest“, wirbt Berlins Tourismus- und Marketinggesellschaft um junge Hauptstadtbesucher. Eines allerdings suchten diese bisher dann doch vergeblich: Freier Internetzugang im öffentlichen Raum wurde von der Berliner Verwaltung schon vor sechs Jahren versprochen und bis heute nicht realisiert.

Nun dürfte sich der Druck erhöhen, diese längst verworfenen und erst kürzlich wieder hervorgeholten Pläne mit Nachdruck zu verfolgen. An mehr als 20 Standorten können Berliner und ihre Gäste seit Mittwoch per Wlan kostenfrei ins Internet – über Terminals der Wall AG. Der Stadtmöblierer nutzt hierfür seine etablierte Infrastruktur. So wurden 15 Buswartehäuschen, fünf Multifunktionssäulen und vier Stadtinformationsanlagen zu Eingangstoren ins weltweite Netz aufgerüstet. Laden die Nutzer an einem sogenannten WiFi-Spot die extra entwickelte Wall-App auf ihr Smartphone oder das Tablet-Gerät, können sie zeitlich unbegrenzt an allen Spots in Berlin im Internet surfen. Interessant ist das vor allem für Touristen, für die der fehlende Zugang zu anderen als den Heimmobilnetzen eine Hürde beim Telefonieren oder Surfen im Ausland darstellt.

Landesverwaltung prüft erneut

Verfügbar ist der Service der Wall AG vorerst bis Ende August. „Wir müssen abwarten, wie das System ankommt“, sagte Wall-Vorstandschef Daniel Wall am Mittwoch bei der Präsentation der neu installierten Technik in einem Wartehäuschen am Potsdamer Platz. Ob es darüber hinaus einen freien Internetzugang an Wall-Terminals geben werde, hänge von den Verhandlungen mit dem Senat ab. Bereits 2007 hatte die Landesregierung das Ziel ausgegeben, Berlin in Sachen Wlan im öffentlichen Raum zum Vorreiter zu machen. Das Vorhaben scheiterte aber unter anderem an Unstimmigkeiten in der eigenen Verwaltung. So konnten sich Wirtschafts- und Stadtentwicklungsverwaltung nicht über Fragen der technischen Sicherheit und der Ästhetik einig werden.

Insbesondere die Stadtentwicklungsverwaltung lehnte die Installation von Antennen an Ampeln und Straßenlaternen ab. 2010 wurde das Projekt beerdigt und erfuhr erst mit der rot-schwarzen Koalition eine Neuauflage. Die CDU hatte im Wahlkampf versprochen, innerhalb eines Jahres ein stadtweites Wlan-Netz zur Verfügung zu stellen. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD), ebenfalls Verfechter einer Wlan-Metropole Berlin, kündigte die erneute Prüfung des abschlägigen Berichts seiner Vorgängerin an. „Wir sehen heute Möglichkeiten und arbeiten eng mit der Senatskanzlei zusammen“, sagte die Sprecherin Michael Müllers, Daniela Augenstein. Dort betont man den „erklärten Willen, das Projekt voranzutreiben: Im Sommer starten wir ein Interessenbekundungsverfahren, denn natürlich braucht man dafür Partner“, sagte Senatssprecher Bernhard Schodrowski.

Als solcher würde die Wall AG gerne fungieren. Seit mehr als einem Jahr liegt Müllers Verwaltung ein Angebot vor. Der Stadtmöblierer würde im Gegenzug für eine Verlängerung seines 2014 auslaufenden Werberechtsvertrags mit dem Land Berlin um weitere fünf Jahre den Wlan-Service auch über die Urlaubszeit hinaus anbieten und gegebenenfalls ausdehnen. 300 Einwahlspots in der Innenstadt seien denkbar, sagte Daniel Wall.

Finanziert mit Außenwerbung

Wirtschaftlich tragfähig würde das Modell über die Außenwerbung. Wall rechnet mit einem Investitionsvolumen von zehn Millionen Euro über acht Jahre. „Wir sind im Gespräch, das Ergebnis ist aber noch offen“, kommentierte Augenstein das Vorhaben.

Versuche, Städte mit einem freien Internetzugang zu versehen, gab es bereits viele. Die langfristige Finanzierbarkeit stellt dabei stets das größte Hindernis dar. So schaltete Heidelberg, das lange als Wlan-Vorreiter galt, seine Stadtinformations-Hotspots zu Jahresbeginn wieder ab. Andere Vorstöße blieben ebenfalls meist in der Pilotphase stecken.

In der Hauptstadt steht derzeit auch die Medienanstalt Berlin Brandenburg (MaBB) in den Startlöchern für ein eigenes Wlan-Projekt. Gemeinsam mit Kabel Deutschland plant die Anstalt öffentlichen Rechts 90 Hotspots in Berlin, davon 60 im Außenbereich sowie 30 innerhalb öffentlicher Gebäude. Weitere zehn sollen in Potsdam installiert werden. Dabei werde eine Zusammenarbeit mit anderen Akteuren wie zum Beispiel Wall angestrebt, sagte MaBB-Direktor Hans Hege. Gestartet werden soll mit den ersten Zugangsstandorten noch in diesem Jahr, 2013 könne der Service vollständig realisiert sein. Geplant ist eine Testphase von zwei Jahren. Noch allerdings wird über die Einzelheiten des Vertrags mit Kabel Deutschland verhandelt. Unklar sind Fragen der Limitierung des Netzzugangs in zeitlicher Hinsicht oder mit Blick auf den Jugendschutz.