Missbrauchskandal

Parkeisenbahn-Chef tritt nach Vorwürfen zurück

Seit 2002 soll der ehrenamtliche Geschäftsführer der Parkeisenbahn, Ernst Heumann, Hinweise auf sexuellen Missbrauch ignoriert haben.

Foto: Ulf Boettcher

Nach neuen Vorwürfen im Missbrauchsskandal bei der Berliner Parkeisenbahn ist der ehrenamtliche Geschäftsführer Ernst Heumann zurückgetreten. Das teilte die Senatsverwaltung für Bildung am Freitag mit. Zuvor war bekanntgeworden, dass der Geschäftsführer schon seit zehn Jahren Hinweise auf sexuellen Missbrauch von Kindern gehabt haben soll, ohne Konsequenzen einzuleiten.

Über Jahre waren bei der beliebten Freizeitbahn im Ortsteil Köpenick Jungen sexuell missbraucht worden. Derzeit läuft am Berliner Landgericht bereits der dritte Prozess. Mehrere Erwachsene wurden bereits zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Jugend-Staatssekretärin Sigrid Klebba begrüßte, dass der Verein zügig reagiert habe. Die Arbeit des „Runden Tisches Parkeisenbahn“ solle kontinuierlich fortgesetzt werden. Anliegen sei, eine neue Organisationsstruktur aufzubauen, die in erster Linie den Kinderschutz berücksichtige. Laut Bildungsverwaltung werden die Fördergelder für 2012 noch zurückgehalten.

Heumann hatte zuletzt im RBB-Fernsehen gesagt, er sei von den Ermittlungen überrascht worden. Im September 2010 sei die Geschäftsführung vom Landeskriminalamt über Missbrauchsfälle informiert worden. Dies sei nun durch RBB-Recherchen widerlegt, so der Sender.

Bislang lag keine Erklärung des Vereins vor, Anfragen wurden nicht beantwortet. Erst ein Jahr, nachdem das Landeskriminalamt den Verein informiert hatte, erfuhr die Öffentlichkeit von den Fällen. Zur Begründung hieß es bei dem Verein, die Ermittlungen sollten nicht gefährdet werden. Seit dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle müssen Mitarbeiter inzwischen Führungszeugnisse vorlegen. Fünf Verdächtige waren sofort entlassen worden.

Heumann hatte lange um das Lebenswerk von Eisenbahnfreunden gekämpft. Die kleine Bahn im Freizeitpark Wuhlheide wurde nach der Wende als gemeinnützige Gesellschaft am Leben erhalten. Generationen sind seit dem Start als Ostberliner „Pioniereisenbahn“ im Jahr 1956 mitgefahren. Kinder und Jugendliche können in ihrer Freizeit unter der Anleitung von Erwachsenen Lokführer oder Schaffner lernen.

Laut RBB soll schon ein Junge im Jahr 2002 Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter erhoben hat. Heumann sei damals als Gesellschafter an dem Gespräch beteiligt gewesen, wie ein interner Vermerk belege. Der Beschuldigte habe jedoch ohne Konsequenzen weiterarbeiten dürfen. Im März sei derselbe Mann wegen eines anderen Falls von Kindesmissbrauch bei der Parkeisenbahn verurteilt worden.

Am Donnerstag hatte der dritte Prozess am Landgericht wegen Kindesmissbrauchs bei der Freizeiteinrichtung begonnen. Angeklagt sind ein ehemaliger Mitarbeiter sowie ein Mann, der nicht zum Team der Eisenbahner gehörte. Sie haben gestanden, sich in 13 Fällen an Jungen vergangen zu haben.

Ein früherer Werkstattleiter wurde im März wegen sexuellen Missbrauchs eines 15-Jährigen zu anderthalb Jahren Haft mit Bewährung verurteilt. Der 45-jährige Hobby-Eisenbahner verging sich in seiner Wohnung und bei Ausflügen an einem Schützling. Der Junge wurde auch von einem Mitarbeiter missbraucht, der bereits im Oktober 2011 zu zwei Jahren Haft mit Bewährung verurteilt wurde.