Die Berliner Justiz hat in der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bei der Parkeisenbahn Wuhlheide ein weiteres Kapitel abgeschlossen. Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte am Dienstag einen ehemaligen Mitarbeiter des gemeinnützigen Vereins wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung.
Der 45-jährige Thomas W. ist damit der dritte Ex-Parkeisenbahner, der wegen Missbrauchs verurteilt wurde. Vier weitere Männer warten noch auf ihre Prozesse. Nicht einmal zwei Stunden brauchte das Schöffengericht am Dienstag, um das Urteil über den 45-Jährigen zu fällen. Der Angeklagte hatte gleich zu Beginn der Verhandlung über seinen Verteidiger eine Erklärung abgegeben, in der er die Taten gestand. Dadurch wurde eine umfangreiche Beweisaufnahme mit Zeugen und Sachverständigen überflüssig. Zugleich ersparte W. seinem zum Zeitpunkt der Taten jugendlichen Opfer eine Aussage, was sowohl das Gericht als auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft beim Strafmaß zu seinen Gunsten bewerteten. Der gelernte Werkzeugmacher W. war seit 1994 bei der Parkeisenbahn tätig, zuletzt als Sicherheitsbeauftragter und Lehr-Lokführer. In dieser Funktion hatte er ständig Kontakt zu seinem Opfer, an dem er sich zwischen Mai 2008 und Februar 2010 sechsmal verging. Das Opfer war zum Zeitpunkt der Taten zwischen 15 und 17 Jahre alt.
Übergriffe beim Duschen
Die Übergriffe fanden in der Wohnung des Angeklagten statt, beim gemeinsamen Duschen auf dem Gelände der Parkeisenbahn und auf diversen Ausflügen. Bei einem dieser Ausflüge übernachteten Täter und Opfer gemeinsam in einem Wohnwagen. Der 45-Jährige habe bei den Taten seine Position als Vorgesetzter und Respektsperson ausgenutzt, befanden Richter und Staatsanwalt gleichermaßen.
Das heute 19 Jahre alte Opfer ist nach den Ermittlungen von Polizei und Justiz nicht nur von Thomas W., sondern auch von einem weiteren ehemaligen Mitarbeiter der Parkeisenbahn missbraucht worden. Der zweite Täter ist bereits im Oktober vergangenen Jahres wegen sexuellen Missbrauchs in 47 Fällen zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden.
Die Serie der Missbrauchstaten bei der Parkeisenbahn wurde im Herbst 2010 bekannt, als ein jugendliches Opfer sich nach langem, schamhaften Schweigen seiner älteren Schwester anvertraute, die die Polizei einschaltete. Die Verantwortlichen des Trägervereins reagierten umgehend mit einer umfassenden Untersuchung, mehrere verdächtige Mitarbeiter wurden entlassen und erhielten Hausverbot.
Gleichzeitig ließ die Vereinsführung unter Mithilfe externer Fachleute mehrere Konzepte erarbeiten, mit denen eine Wiederholung solcher Taten ausgeschlossen werden soll. Darüber hinaus müssen mittlerweile alle Mitarbeiter der Parkeisenbahn, die mit Jugendlichen und Kindern in Kontakt kommen, ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Am heutigen Mittwoch will der Verein sein künftig anzuwendendes Präventions- und Kontrollkonzept vorstellen.




