Dekra-Bericht

Fußgänger und Radfahrer leben in Berlin gefährlich

2011 starben in Berlin wieder mehr Menschen im Straßenverkehr. Insgesamt kamen 54 Personen im Stadtgebiet ums Leben.

Foto: Christian Hahn

Im Berliner Straßenverkehr sind nach Ansicht der Prüforganisation Dekra vor allem Fußgänger und Radfahrer gefährdet. Die Stadt sei ein „signifikantes Beispiel dafür“, was auf deutschen Straßen im Miteinander der Verkehrsteilnehmer schief laufe, sagte Dekra-Gebietssprecher Mario Schwarz bei der Vorstellung des Verkehrssicherheitsreport 2012 am Freitag. „In einer Stadt wie unserer ist das fast ein täglicher Kampf“, betonte der Experte.

„Berlin ist im Vergleich zu anderen Städten ein sehr gefährliches Pflaster“, sagte Andreas Kraus, Leiter der Dekra-Konzernrepräsentanz. Im Berliner Stadtgebiet hatte es im vergangenen Jahr 54 Verkehrstote gegeben. Das waren zehn Menschen (23 Prozent) mehr als im Vorjahr. Damit ist die Teilnahme am Berliner Straßenverkehr deutlich riskanter als im Bundesvergleich, wo die Zahl der Verkehrstoten 2011 mit einem Zuwachs von 9,4 Prozent erstmals seit Jahren ebenfalls wieder gestiegen ist.

Besonders Fußgänger und Radfahrer leben demnach auf den Straßen Berlins gefährlich. Mehr als jeder zweite 2011 im städtischen Straßenverkehr Getötete sei zu Fuß (53,7 Prozent), etwa jeder fünfte mit dem Fahrrad unterwegs gewesen (20,4 Prozent). Nur 3,7 Prozent der Todesopfer waren Auto-Insassen.

Die Gründe für das überdurchschnittlich hohe Risiko für nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer liegen nach Ansicht der Prüforganisation zum einen in der relativ milden Witterung im vergangenen Jahr. Bei gutem Wetter fahren viele Pkw-Lenker schneller und unvorsichtiger als auf glatten Straßen.

Hauptgrund sei aber die fehlende gegenseitige Rücksichtnahme zwischen Auto- und Radfahrern. Zudem seien viele Radwege wegen Straßenschäden de facto kaum befahrbar. Darüber hinaus sieht die Prüforganisation Politik und Verwaltung in der Pflicht, Geschwindigkeitskontrollen sinnvoller durchzuführen: „Das Land soll nicht dort blitzen, wo es am meisten Geld bringt, sondern dort, wo hohes Gefährdungspotenzial besteht: vor Altenheimen, Schulen und Krankenhäusern“, forderte Dekra-Sprecher Schwarz.