Charlottenburg

Investor will Tiefgarage am Olivaer Platz bauen

Am Olivaer Platz in Berlin-Charlottenburg fallen Parkplätze weg. Ein Bayer möchte als Ersatz eine Tiefgarage bauen. Aber nicht um jeden Preis.

Foto: BMO Grafik

Im Streit um die Parkplätze auf dem Olivaer Platz im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf könnte es eine Lösung geben. Die Arbeitsgemeinschaft City hat einen Investor gefunden, der eine Tiefgarage bauen möchte. Nach Auskunft von AG-City-Vorstandsmitglied Gottfried Kupsch handelt es sich um einen Unternehmer aus Bayern, der bereits das Parkhaus am Motel One nahe dem Bahnhof Zoo betreibt. Er habe allerdings gleich deutlich gemacht, dass er die Tiefgarage nicht baut, wenn er sich das Baurecht erst in langwierigen Debatten erstreiten müsse.

Seit Jahren engagiert sich eine Anwohner-Initiative um die ehemalige SPD-Stadtplanungsausschuss-Vorsitzende Monica Schümer-Strucksberg für eine Verschönerung des Olivaer Platzes. Er besteht etwa je zur Hälfte aus einer Grünanlage und einem Parkplatz mit 123 Stellplätzen, die nach Ansicht der Anwohner-Initiative „Olivaer Platz“ entfallen sollen. Das Ziel der Arbeitsgruppe ist „ein Platz, wo sich die Anwohner und Anwohnerinnen, die Mitarbeiter aus den Büros, die Geschäftsleute, die Spaziergänger und auch die Touristen wohlfühlen, ein grüner, offener, lebendiger, beschaulicher, gemütlicher Metropolenplatz ohne Pkw-Stellplätze“. Laut Beschluss der Bezirksverordneten-Versammlung soll maximal die Hälfte der Plätze erhalten bleiben. Mit 2,5 Millionen Euro aus dem Senatsförderprogramm „Aktive Zentren“ soll der Olivaer Platz demnächst umgestaltet werden.

400 neue Wohnungen entstehen in der Nähe

Etliche andere Anwohner, die nicht dieser Initiative angehören, und auch Geschäftsleute fürchten jedoch, dass sich mit dem Wegfall der Stellplätze die ohnehin schon angespannte Parkplatzlage rund um den Olivaer Platz noch verschärft. Immerhin entstehen gleich in der Nähe allein mit dem Ausbau des Hauses Cumberland am Kurfürstendamm und den neuen elf Häusern an der Württembergischen Straße in Kürze mehr als 400 Wohnungen. Deshalb macht sich eine Geschäftsleute-Initiative um die Rechtsanwaltskanzlei Danckert, Spiller, Richter, Bärlein für eine Tiefgarage unter dem Platz stark. „Anwohner, aber gerade auch viele Kleingewerbetreibende und Freiberufler sind aufs Auto angewiesen. Auch unsere Mandanten brauchen Parkplätze. Und so gern wir auch selbst mit dem Rad zur Arbeit kommen würden, es geht nicht, denn wir können mit unseren Aktenbergen nicht per S-Bahn zu den Gerichten fahren“, sagt Rechtsanwalt Sascha Richter.

Eine Parkgarage unter der Erde, mit der auch moderne Konzepte wie Car-Sharing oder E-Autos vorangetrieben werden könnten, sei ein Kompromiss für beide Seiten, findet auch sein Kollege Philipp Spiller, der ebenso wie Richter und andere Kollegen aus der Kanzlei viel Arbeitszeit für eine Lösung aufgewendet hat. So wurden beispielsweise auch die Fraktionen der Bezirksverordneten-Versammlung angeschrieben, in der Hoffnung, dass die Abschaffung der Parkplätze, die hauptsächlich von der rot-grünen Zählgemeinschaft im Bezirk gewünscht wird, noch einmal überdacht wird. Die Rückmeldungen seien aber bislang eher verhalten gewesen.

Der zuständige Stadtrat Marc Schulte (SPD) findet die Variante mit einer Tiefgarage, für die die öffentliche Hand nichts zahlen muss, zumindest mal „anschauenswert“. Schulte verweist aber gleichzeitig darauf, dass in letzter Instanz die Bezirksverordneten-Versammlung darüber entscheiden müsse. Aus diesem Grund hatten SPD und Grünen die von der CDU beantragte Bürgerbefragung „Keine Angst vor dem Bürgerwillen!“ in der vergangenen Sitzung abgelehnt.

Lob für die private Initiative vom ADAC

Jörg Becker, Vorstandsmitglied des ADAC Berlin-Brandenburg, lobt die private Initiative, einen Investor für eine Tiefgarage zu finden. Das sei eine optimale „Lösung der Parkprobleme der Zukunft“. Gerade in Kiezen wie am Olivaer Platz, wo Wohnen, Geschäfte und Freizeit einen großen Parkbedarf hervorbringen, sei es eine „fantastische Idee“, das Parken unter die Erde zu legen. „Die Tiefgarage unter dem Olivaer Platz könnte gerade auch in Szenevierteln wie in Prenzlauer Berg oder Friedrichshain Schule machen und als Musterbeispiel dienen“, so Becker. Er sieht zudem einen „enormen Umwelteffekt“: „Der Park-Such-Verkehr wird reduziert, es entsteht weniger Lärm, weniger Abgas, und auf der Oberfläche der Tiefgarage kann eine Grünfläche eingerichtet werden.“

Nun muss der Bezirk entscheiden. Am 8. Mai 2012 lädt das Regionalmanagement City West wieder ins Amerikahaus ein. Die inzwischen sechste Bürgerveranstaltung zur Umgestaltung des Olivaer Platzes widmet sich ausschließlich dem Thema „Ruhender Verkehr am Olivaer Platz“. Beginn: 19 Uhr, Hardenbergstraße 22–24.