Berlin-Charlottenburg

Geschäftsleute wollen Tiefgarage am Olivaer Platz

Der Olivaer Platz in Berlin-Charlottenburg soll schöner werden: Deshalb könnten alle 123 Parkplätze in Grünflächen umgewandelt werden – dabei gibt es so schon zu wenig Parkmöglichkeiten. Eine Tiefgarage könnte Abhilfe schaffen.

Foto: Sergej Glanze

Der Olivaer Platz im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf soll schöner werden. 2,5 Millionen Euro will der Senat für eine Neugestaltung zur Verfügung stellen. Was einige Anwohner freut, hat jetzt Geschäftsleute auf den Plan gerufen. Sie befürchten, dass die 123 Parkplätze auf dem östlichen Teil des Platzes ersatzlos dem Grün geopfert werden. Sie sollten mit einer Tiefgarage kompensiert werden, fordert deshalb die Initiative um Rechtsanwalt Michael Bärlein. Zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft City sucht er Investoren und Betreiber für eine Tiefgarage.

Im April will die AG City erste Ergebnisse auf einer öffentlichen Versammlung vorstellen. „Ich bin beim Thema Verkehr nicht stur, aber wir sollten auch erst dann drüber reden“, begründete Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) auf der jüngsten Versammlung im Amerikahaus, warum er das polarisierende Thema verschob und statt dessen Landschaftsarchitekt Till Rehwaldt aus Dresden seinen Siegerentwurf detailliert vorstellte. Im Gegensatz zum Tilla-Durieux-Park am Potsdamer Platz, den die Anwohner mit bezahlen müssen, weil er neu ist, sollen am Olivaer Platz laut Schulte für die Nachbarn keine Kosten entstehen.

Kaum private Parkplätze zu mieten

400 Unterschriften hat die Geschäftsleute-Initiative Parkoase in wenigen Wochen bereits gesammelt und dabei von vielen gehört: „Zwei bis vier Dauerparkplätze würden wir gerne in der Umgebung des Olivaer Platzes mieten“, berichtet Bärlein. Erst vor kurzem ist er mit seiner Kanzlei vom Potsdamer zum Olivaer Platz umgezogen und hat schnell gemerkt: „Mit Parkplätzen sieht es hier ausgesprochen schlecht aus, ich kreise jeden Morgen mindestens 20 Minuten um den Platz.“

Bei Nachforschungen stellte er fest, dass es kaum private Parkplätze zu mieten gibt: In der Tiefgarage eines Hotels an der Konstanzer Straße kostet ein Platz 300 Euro im Monat. Trotzdem sei nur noch einer frei. Ein Parkhaus an der Leibnizstraße führe bereits Wartelisten. Seine Kanzlei habe jetzt einen Platz für 140 Euro pro Monat an der Düsseldorfer Straße gefunden. Auch Bärlein würde gerne mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, wie er sagt, doch das ließen seine geschäftlichen Termine im Verlauf eines Tages in der ganzen Stadt nicht zu. Mit etwas Neid schaut er da auf das große Parkhaus der Deutschen Rentenversicherung Bund (ehemals BfA) an der Konstanzer Straße.

BVV entscheidet gegen Tiefgarage

Nicht nur die Geschäftsleute sind gegen den Wegfall der Parkplätze auf der östlichen Seite des Olivaer Platzes. Gerade hat Regine Wieyng, die in der Pariser Straße wohnt, Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) 540 Protest-Unterschriften übergeben. Sie hat sie selbst gesammelt, weil sie den Parkplatz regelmäßig nutzt und noch weiß, „wie katastrophal die Parksituation war, als der Platz noch nicht bewirtschaftet war“.

Ob das Sammeln von Unterschriften und die Suche nach Investoren für eine Tiefgarage die rot-grüne Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung allerdings umstimmt, bleibt zweifelhaft. Mindestens die Hälfte der Plätze könne wegfallen, hatte die BVV bereits entschieden, und einen Antrag der FDP, eine Tiefgarage zu bauen, bereits in der vergangenen Legislatur abgelehnt. Beim europaweiten Wettbewerb für die Neugestaltung des Platzes musste zwar jedes Büro auch eine Variante abliefern, wie der Platz mit bis zu 60 Stellplätzen neu gestaltet werden könnte. Doch die Jury, die das Büro „Rehwaldt Landschaftsarchitekten“ aus Dresden mit dem 10.000 Euro dotierten ersten Preis kürte, empfahl bereits die Neugestaltung ohne Parkplätze umzusetzen.

„Parkhäuser schon morgens voll“

Neben der Industrie- und Handelskammer sieht auch die AG City diese Entwicklung kritisch. Vor drei Jahren seien solche Pläne noch in Ordnung gewesen, aber die starke Verdichtung in der City West mache ein Umdenken nötig, sagt Immobilienexperte und AG-City-Vorstandsmitglied Gottfried Kupsch. Leere Büros in der City West seien inzwischen fast alle vermietet, Parkhäuser, die noch vor zwei Jahren große Kapazitäten hatten, wären nun schon am frühen Morgen voll. „Manche Politiker scheinen noch nicht gemerkt zu haben, dass sich die City-West gerade radikal verändert. Parkplätze dürfen keine ideologische Frage sein, sondern müssen als Frage der Mobilität der Zukunft geklärt werden“, sagt Kupsch.

So werde das Haus Cumberland nicht nur mit den neuen Wohnungen, sondern auch mit dem geplanten Restaurant Parkplatzflächen benötigen. Auch die neuen Wohnhäuser an der Württembergischen Straße. Ebenfalls an der Lietzenburger Ecke Schlüterstraße, wo gerade der private Parkplatz aufgegeben worden ist, entstünden gerade neue Gebäude, überall würde verdichtet. „Es wird ein Hauen und Stechen um Parkplätze geben, denn auch für die Besucher dieser neuen Bewohner sind ja keine Plätze vorhanden“, prognostiziert Kupsch. Selbst die Hinterhöfe der 50er-Jahre, in denen es angeblich noch nicht genutzte Parkplatzflächen geben soll, würden in Kürze bebaut werden.

Investoren für die Tiefgarage gesucht

Dass die öffentliche Hand die Geschäftsleute um finanzielle Unterstützung bittet, ist für AG-City-Vorstand Kupsch verständlich angesichts der Finanznot der Bezirke. Er würde sich allerdings über etwas mehr Verständnis für die Anliegen der Geschäftsleute wie ausreichende Parkplätze freuen. Public-Private-Partnership (PPP) findet auch Rechtsanwalt Bärlein in Ordnung: „Wir werden Investoren suchen, die eine Tiefgarage bauen. Über die Parkgebühren können wir dann auch dafür sorgen, dass der Betreiber für die Pflege und Bewachung der Grünanlage aufkommt.“

Das ist auch nötig, denn schon jetzt hat der Bezirk nicht genug Geld, um die Grünflächen in Ordnung zu halten. So gibt es zwar über das Bund-Länder-Förderprogramm wie Aktive Stadtzentren, aus dem die 2,5 Millionen Euro für den Olivaer Platz kommen sollen – verhältnismäßig viel Geld, um neue Grünflächen anzulegen. Doch dann fehlt das Geld für die Pflege. Manfred Kühne aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung kündigte bereits an, dass „es schade wäre, wenn das Geld für den Olivaer Platz woanders in Berlin ausgegeben werden müsste, weil keine Einigung erzielt werde“. Doch die Geschäftsleute wollen nicht aufgeben: „PPP ist kein Teufelszeug. Wir wollen verhindern, dass unter diesen Bedingungen das Geld vom Senat verschwendet wird“, so Bärlein.