„Boulevard Berlin“

In der Schloßstraße eröffnet das vierte Shopping-Center

160 neue Läden und Bistros auf 76.000 Quadratmetern. Mittwoch eröffnet die Einkaufsgalerie „Boulevard Berlin“ in der Schloßstraße.

Foto: Sven Lambert

Hinter rot-weißem Flatterband ziehen die Rolltreppen ihre Endlosschleifen. Noch laufen sie im Probebetrieb. Aber schon am heutigen Mittwoch sollen sie Tausende Besucher in der neuen Einkaufsgalerie „Boulevard Berlin“ von einer Etage zur anderen befördern. Um 11 Uhr öffnet das mittlerweile vierte Shopping-Center an der Steglitzer Schloßstraße. 90 Geschäfte sind beim Start mit dabei, andere folgen bis Herbst. Insgesamt 160 Läden, Bistros und Dienstleister werden sich eine Mietfläche von 76.000 Quadratmetern teilen.

390 Millionen Euro investierte das niederländische Unternehmen Multi Development am Standort von Karstadt und Wertheim. Beide Häuser sind jetzt mit einer gläsernen Passage verbunden und bilden den „Boulevard Berlin“. Die Einkaufsgalerie hat montags bis sonnabends von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Mit 40.000 Kunden täglich rechnet der Investor. Im Parkhaus, das über eine Spindel von der Schildhornstraße aus angefahren wird, stehen 850 Plätze zur Verfügung. Es ist rund um die Uhr geöffnet, der Tageshöchstsatz beträgt 3,50 Euro.

Mit der Eröffnung der neuen Einkaufsgalerie hat die Schloßstraße etwa 200.000 Quadratmeter Verkaufsfläche zu bieten. Sie weist damit die größte Ballung an Einzelhandel in Berlin auf. Als „stillen Riesen“ bezeichnet Nils Busch-Petersen, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes, die Steglitzer Einkaufsstraße. Sie sei die zweitstärkste hinter dem Kudamm und dem Tauentzien und werde durch die neue Quantität langfristig gestärkt. Mit dem „Boulevard Berlin“ werde ein notwendiger Lückenschluss in der Schloßstraße vollzogen, sagt Busch-Petersen.

Es sei gut, dass die Mitte der Schloßstraße jetzt gestärkt sei, sagt auch Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU). Dennoch glaube er, dass das „Potenzial an Einzelhandelsflächen jetzt ausgereizt ist“. Was jetzt passiere, gleiche einem Bäumchen-wechsel-dich-Spiel. Tatsächlich tauschen einige Läden nur die Straßenseite. Saturn geht aus dem Geschäftshaus 110 in den „Boulevard“, Karstadt Sport ist aus dem Forum Steglitz in das erweiterte Karstadthaus gezogen. Dafür wechselt Intersport aus der Schloßstraße 110 in das Forum. Damit werden gleich zwei große Mieter das Geschäftshaus 110 verlassen. Der Bezirksbürgermeister will demnächst mit dem Betreiber über die Zukunft sprechen. „Es kann nicht in unserem Interesse sein, Leerstand in der Schloßstraße zu produzieren“. sagt Kopp. Ein Problem, dass Nils Busch-Petersen so nicht sieht. „Freie Flächen werden in dieser gefragten Lage mit Sicherheit schnell wieder vermietet“, sagt der Einzelhandelsexperte.

Konkurrenz nicht befürchtet

Die anderen Geschäftsleute in der Schloßstraße erwarten die Eröffnung gespannt. Wie wird sich die Straße weiter entwickeln? Eine Konkurrenz zwischen den verschiedenen Centern sieht Carsten Paul, Centermanager im Forum Steglitz, nicht. „Jedes hat seine eigene Identität“, sagt Paul. Der Boulevard Berlin besteche durch seine Größe und das Forum mit seiner 100-jährigen Tradition am Standort. Dass jetzt noch mehr internationale Marken in die Straße geholt wurden, sei auf jeden Fall positiv zu bewerten, sagt der Centermanager. Jetzt komme es darauf an, dass alle Einzelhändler gemeinsame Sache machen. „Man muss sich künftig die Schloßstraße als ein einziges großes Einkaufszentrum vorstellen“, sagt Paul. Gemeinsame Öffnungszeiten, eine gemeinsame Zeitung, gemeinsame Aktionen, so stelle er sich die Zukunft der Straße vor. Eines sei jetzt besonders wichtig: Noch mehr Kunden und Touristen in die Straße zu ziehen. Auch Oliver Mohr, Centermanager im „Schloss“, sieht „die Herausforderung in erster Linie darin, mehr Menschen für die Schloßstraße zu begeistern“. Er glaubt, dass die Schloßstraße zum einen mit den neuen Handelsflächen noch attraktiver werde, zum anderen aber vor allem durch verschiedene Alleinstellungsmerkmale bei den Kunden punkten könne. „Hier sind der einzige Globetrotter, der einzige Sportcheck, das einzige Naturkaufhaus und bald auch der erste Primark in Berlin“, sagt Oliver Mohr. Hinzu kämen die inhabergeführten Läden in den Seitenstraßen. In der Mischung aus Vielfalt und Besonderheiten in der Straße sieht er mehr Chancen als Risiken.

Hamid Sehouli hat sein Schuhgeschäft für Über- und Untergrößen direkt gegenüber von der neuen Einkaufsgalerie. Er finde es super, dass neue Bewegung in die Schloßstraße komme, erzählt der Inhaber. Die Kleinen bräuchten die Großen, es bleibe immer genug für alle übrig. Auch in der hohen Dichte der Einkaufsgalerien sieht er kein Problem. „Im Orient gibt es ganze Straßenzüge nur mit Schuhen und alle leben davon“, sagt der Hamid Sehouli. Deshalb glaube er auch, dass sich die Schloßstraße sehr gut entwickeln werde.

Dazu sollen auch besondere Aktionen beitragen. So beteiligt sich Steglitz mit dem Quartier als erster Berliner Bezirk an dem bundesweiten Blütenfest „Entente Florale“. Das hat der Verein „Schloßstraße – die hat es“ organisiert. In dem 2010 gegründeten Vereine sind die Initiativen „AG Steglitz“ und „IG Seitenstraßen“ aufgegangen. Ziel ist es, die Schloßstraße als eigenständige Marke zu stärken. Im Rahmen des Wettbewerbs wird sich ein Blütenteppich über die Straße legen. Am 2. Juni verwandelt sich die Einkaufsmeile in eine Klangmeile mit Bühnen und Musik. Dafür bleibt die Straße für Autos gesperrt – sie gehört an diesem Tag ganz allein den Kunden der Einkaufsgalerien.

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