US-Abhörstation

Letzter Rettungsversuch für Teufelsberg gestartet

Die Reste der ehemaligen Abhörstation der Alliierten auf dem Teufelsberg in Berlin-Charlottenburg sollen mit mehreren Millionen Euro zu einem Ausflugsort umgestaltet werden. Bis zum Sommer will der Investor seine Pläne zur Genehmigung vorlegen.

Luxuswohnungen, Hotel, Tagungsstätte, Esoterik-Hochschule – es gab schon viele Pläne für die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Nichts wurde realisiert.

Jetzt gibt es neue Ideen. Die Eigentümergemeinschaft um den Kölner Architekten Hartmut Gruhl (70) will ein Museum mit Restaurant auf Berlins 115 Meter hohem Trümmerberg errichten und den Standort als Event-Location ausbauen. „Als große Verdienstquelle haben wir den Teufelsberg ohnehin schon abgeschrieben, 20 Millionen Euro haben wir bereits darin versenkt. Wir wollen jedoch den historischen Wert der Stätte und auch die Silhouette für Berlin nach wie vor erhalten“, sagte Gruhl. Er wünscht sich, dass die ehemalige Abhöranlage unter Denkmalschutz gestellt wird.

Zusammen mit Bau-Staatssekretär Ephraim Gothe und Baustadtrat Marc Schulte (beide SPD) besichtigte Gruhl jetzt die Immobilie in Grunewald. „Eine atemberaubende Sicht, schade, dass das Gelände für die Öffentlichkeit verschlossen ist“, sagte Schulte am Dienstag. Alle sind sich einig: „Es muss etwas passieren.“ Wohnen, Hotel oder Büros kämen allerdings nicht infrage. Eine museale oder kulturelle Nutzung sei aber denkbar.

Bis zum Sommer 2012 will der Eigentümer nun ein Konzept erarbeiten. Die Behörde werde die Vorschläge „wohlwollend prüfen“, sagte Schulte zu. Klar sei aber auch, dass die Lage dieses denkwürdigen Ensembles in einem Naturschutzgebiet berücksichtigt werden müsse. Auch Staatssekretär Gothe will eine Nutzung befürworten, die einen wirtschaftlichen Betrieb auf dem Teufelsberg ermöglicht: „Man kann keinen Abriss auf eigene Kosten durch den Eigentümer erwarten.“

Das Bezirksamt hat beim Senat Denkmalschutz für das Ensemble gefordert. „Es wäre schade, wenn die Erinnerung an die Nachkriegszeit auf dem Teufelsberg verschwinden würde“, so Schulte.

Das Teufelsberg-Plateau ist seit Jahren in einem jämmerlichen Zustand. Jeden Tag schneiden Besucher Löcher in den Zaun, um auf das Gelände zu kommen. Längst ist die Immobilie als Zeugnis des Kalten Krieges für Berliner und Touristen zur Attraktion geworden. „Aber sie ist auch hochgefährlich“, warnt Eigentümer Hartmut Gruhl. Fehlende Kanaldeckel, Löcher im Boden oder abrupt endende Treppen seien nur einige Beispiele. Nachdem die Investoren ihr Vorhaben, dort ein Hotel und Luxuswohnungen zu errichten, nicht umsetzten, hatte die Senatsbauverwaltung 2005 den Vorhaben- und Erschließungsplan aufgehoben, auch der Flächennutzungsplan wurde geändert: Seitdem ist das Areal planungsrechtlich Wald. Und im Wald darf niemand bauen.

Gruhl will die Gebäude nicht abreißen. Das ist auch ihm zu teuer. 15 bis 20 Millionen inklusive der Entsorgung würde das kosten, hat er ausrechnen lassen. Ihm sei der Schutz und die Pflege der Gebäude wichtig – allein in den fünf Hauptgebäuden gebe es eine Nutzfläche von 15.000 Quadratmetern. Mit dem Denkmalschutz wäre die Debatte um einen möglichen Abriss der Gebäude und der Renaturierung der Fläche, wie es Naturschützer fordern, vom Tisch. Das Vandalismusproblem will Gruhl mit seinen neuen Plänen ebenfalls in den Griff bekommen: „Der Zaun muss fallen. Sonst bleibt der Ort ein magnetischer Anziehungspunkt für Vandalismus.“ 30.000 Euro koste es ihn monatlich, das Gelände zu sichern. Seine Idee mit den Führungen auf dem Areal könne die große Nachfrage aber nicht stillen. Erst wenn die Gebäude der Abhörstation und auch die Wege in Ordnung gebracht worden seien, werde sich das Problem geben. Er will dann auch einen Hausmeister beschäftigen. Als Event-Location, mit der Geld zu machen ist, hat er sich das Gebäude unter dem großen Radarturm ausgesucht.