"The Voice of Germany"

Berliner Stadtrat fiebert mit seinem Bruder mit

Der Lockenkopf Michael Schulte ist einer der Finalisten in der Castingshow "The Voice of Germany". Sein Bruder, der Berliner Bezirksstadtrat Marc Schulte, ist schon jetzt aufgeregt und wird am Freitagabend "bei jedem Ton mitzittern".

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Neulich hat Marc Schulte Post vom Kinder- und Jugendparlament Charlottenburg-Wilmersdorf bekommen. „Ich dachte es ginge wieder einmal um neue Spielplätze“, erzählt der Bezirksstadtrat. „Stattdessen wollten sie über mich Autogramme von meinem Bruder bekommen.“ Schulte lacht. So etwas passiere ihm derzeit oft, sagt der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende. Bis vor ein paar Monaten noch war der 43-jährige Politiker der Star seiner Familie, doch dann stahl ihm sein Bruder die Show. Michael Schulte ist 21, hat rote Locken, eine sanfte Stimme und mittlerweile mehr als 50.000 Fans auf Facebook. Er ist einer der Sänger der Castingshow „The Voice of Germany“, die einen Marktanteil von rund zehn Prozent verzeichnet und am Freitagabend in die finale Runde geht (20.15 Uhr, Sat.1).

„Musik ist das beste Mittel für mich, um nach der Politik zu entspannen“, erzählt Marc Schulte. „Aber dass ich am Feierabend einmal die CDs meines kleinen Bruders einlegen würde, damit hätte ich nie gerechnet.“ Und mit der Entspannung ist nun auch endgültig Schluss – spätestens, seit Michael Schulte am vergangenen Freitag zu einem der vier Kandidaten gekürt wurde, die nun um den Sieg der Talentshow kämpfen. Dem Gewinner winken ein Plattenvertrag von Universal und noch mehr Fans – voraussichtlich mehrere Millionen Zuschauer werden die Sendung live verfolgen.

"Mein Bruder hat jetzt Vorrang"

Marc Schulte ist schon jetzt ziemlich aufgeregt: „Ich werden bei jedem Ton mitzittern“, erzählt der Politiker, der von Anfang an dabei ist. Zu den ersten Castings im November mit noch mehr als hundert Teilnehmern hat er seinen Bruder bereits begleitet. Als sich dann langsam abzeichnete, dass Michael es in die letzten Runden schaffen würde, hat Schulte sein Büro angewiesen, ihm die Freitagabende im Januar freizuhalten. „Mein Bruder hat jetzt Vorrang“, sagt Schulte. Seine Mitarbeiter haben die Gesprächspartner schon vorgewarnt, dass der Stadtrat an diesem Freitag mit den Gedanken bereits woanders sein könnte. Am Abend wird Marc Schulte zusammen mit rund 20 Freunden und Verwandten im Publikum sitzen und die Daumen drücken.

Der Politiker ist selbst musikbegeistert, schreibt für den Online-Auftritt der SPD-Zeitung „Vorwärts“ einen Blog zum Eurovision Song Contest. Aber das Können seines kleinen Bruders, der auf YouTube einen eigenen Musikkanal hat, der bereits mehrere Millionen Klicks aufweist, hat er nie erreicht. „Ich habe früher im Schulchor gesungen“, erzählt Schulte. „Der Leiter sagte einmal zu mir: ‚Marc, man hört dich deutlich raus'. Damals dachte ich noch, dass sei ein Kompliment.“ Der Stadtrat schmunzelt. Aber bei dem Gedanken an das Finale bekommt er ein wenig Bauschmerzen. „Die Konkurrenz ist sehr stark. Doch Michael hat gute Chancen“, ist er überzeugt.

Dass sein Bruder es soweit geschafft hat, stimmt ihn stolz. „Michael hat einen Riesensprung gemacht. Er genießt seinen Erfolg, aber hebt nicht ab.“ Egal wie das Finale ausgeht, die Familie wolle auf jeden Fall kräftig feiern und die Nacht durchmachen, erzählt der Politiker. Blöd nur, dass er am nächsten Morgen um zehn Uhr zur Landesvorstandsklausur der SPD muss. „Aber ich denke, dass es mir jeder nachsehen wird, wenn ich dann ein bisschen müde bin“, sagt Schulte.