Berliner Start-up

Warum Ashton Kutcher in Kreuzberg investiert

Virtuelles Schwarzes Brett: Auf „Gidsy" können weltweit Menschen ihr Können Interessierten anbieten. US-Star Ashton Kutcher investiert nun in das Berliner Start-up - und traf die Macher in einem Kreuzberger Gewerbehof sogar persönlich.

Foto: David Heerde

Klavierstunden in New York, ein Kochkurs in Amsterdam oder Yogaunterricht in Berlin – „Gidsy“ macht es möglich. Die Start-up-Firma aus Kreuzberg bietet einen Marktplatz im Internet für Erlebnisse, die Menschen anderen Menschen anbieten, auf www.gidsy.com . Diese Idee fand Schauspieler Ashton Kutcher so gut, dass er die drei Macher von Gidsy in Kreuzberg besuchte und jetzt Geld investierte. Auf einem Gewerbehof an der Adalbertstraße 5-8 in der sechsten Etage kam es vor zwei Wochen zu dem Treffen.

„Ashton hat bereits in andere Start-ups investiert, mit deren Gründern wir befreundet sind“, sagt Gidsy-Chef Edial Dekker. „Er hat von unserer Idee gehört, und wir haben viel miteinander telefoniert. Dann kam er persönlich vorbei und hat sich alles zeigen lassen.“ Er habe aber nicht nur Geld investiert, sondern interessiere sich auch sonst für die Firma und mache Vorschläge, sagt Floris Dekker. Mit seinem Geld und dem von vier weiteren Investoren ist eine gute Grundlage gelegt für eine weitere Expansion des jungen Unternehmens. „Wir werden noch in dieser Woche die Internetseiten für London und San Francisco eröffnen“, sagt Dekker. „Nach und nach wollen wir unseren Dienst weltweit anbieten. Überall auf der Welt wollen wir Anbieter und Interessierte zusammenbringen.“

Zu Fuß durch die Wall Street

Das Prinzip ist einfach. Möchte beispielsweise ein pensionierter Geschichtslehrer sein Hobby und sein Wissen über einen besonders geschichtsträchtigen Kiez in Berlin mit anderen teilen, kann er eine Tour bei Gidsy anbieten. Interessieren sich andere Menschen dafür, können sie die Tour für die angegebene Summe und die aufgeführten Bedingungen buchen. Gidsy übernimmt das Inkasso und anfallende Kreditkartengebühren und behält dafür zehn Prozent der Gesamtsumme ein. 90 Prozent bekommt der Anbieter auf sein Konto überwiesen.

„Der Anbieter muss sich nur um seine Idee und sein Angebot kümmern“, sagt Dekker. „Die Abrechnungen laufen über unsere Firma. Hauptsache, die Leute stellen etwas auf die Beine und nutzen ihre Talente, ohne die komplizierten Umwege über teure Eventagenturen.“

Zu Fuß durch die Wall Street (20 US-Dollar), chinesische Restaurants unter der Obhut eines New Yorker besuchen (28 US-Dollar), lernen, wie man in den eigenen vier Wänden eine Cocktail-Bar aufbaut (35 US-Dollar) – die Angebote sind so abwechslungsreich und spannend wie die Gründungsidee. „Wir wollten Pilze sammeln, hatten aber keine Ahnung, welche essbar sind und welche nicht“, sagt Dekker. „Es war aber sehr umständlich, einen Workshop zu finden. Da dachten wir, dass müsste doch viel einfacher gehen.“

Zwischen zehn und zwölf Stunden täglich arbeiten die drei Firmeninhaber Edial (27), Floris Dekker (25) und Philipp Wassibauer (31). Zeit, um Angebote auszuprobieren, finden sie auch mal. „Wir haben schon Spree-Touren und geführte Spaziergänge in Berlin gemacht“, sagen sie. „Selber angeboten haben wir einen Hobby-Kochkurs.“

Unter dem Dach der einstigen Fabriketage geht es international zu. Bürosprache ist Englisch. Die Dekker-Brüder kommen aus den Niederlanden, der dritte Partner ist Österreicher. „70 Prozent der Mitarbeiter leben in Berlin, kommen aber aus dem Ausland“, sagt Dekker. „Aus den USA, Kanada und Italien. In Berlin herrscht für die Internetbranche zurzeit eine Goldgräberstimmung.“ Für die Dekker-Brüder ist Berlin neben New York derzeit der wichtigste Markt. „Das Potenzial der Stadt ist riesengroß“, sagen die Chefs. „Alle jungen Leute kommen nach Berlin und wollen hier arbeiten.“

Berlin sei eine gute Stadt für Firmen mit internationaler Perspektive. Die beiden sind vor ungefähr zwei Jahren aus Amsterdam nach Berlin gezogen. Wassibauer ist Ende des Jahres aus Österreich dazu gekommen. Die beiden Brüder hatten in Amsterdam die Universität besucht. Einer studierte Neue Medien, der andere Medien-Design. Zusammen halten sie 70 Prozent der Gesellschaftsanteile, 30 Prozent hält der 31-jährige Wassibauer. „Ich habe in den USA Computerwissenschaften studiert und Floris und Edial auf einer Fachmesse in Österreich kennengelernt“, sagt er. „Ich bin von der Idee überzeugt und bin nach Berlin gezogen.“

Für Gidsy arbeiten derzeit zehn junge Leute in Kreuzberg, im November waren es erst sechs. „Es geht alles sehr, sehr schnell“, sagen die Brüder. Und es geht sehr unkonventionell unter dem Kreuzberger Dach zu. Alle Mitarbeiter sitzen in einem großen Raum. Auf den Schreibtischen liegen bunte Spielzeuggewehre aus Plastik rum. Auf dem Boden verteilt farbige Schaumstoffpfeile.

„Wir hören bei der Arbeit gerne Musik und haben oft Kopfhörer auf“, sagt einer der Chefs. „Wenn ich jemanden sprechen möchte oder ein Kollege einen anderen, dann wird das Gewehr geladen und auf den Gesprächspartner geschossen. So haben wir sofort die gegenseitige Aufmerksamkeit. Vorausgesetzt, man trifft.“ Ansonsten landen die bunten Pfeile im kreativen Umfeld zwischen Getränkekisten, Rennrädern, Skateboards und Sitzgelegenheiten. Und bei den Ideen und Zukunftsplänen werden noch eine Menge bunte Pfeile fliegen. Der Name des Unternehmens ist eine eigene Wortschöpfung. „Gids kommt aus dem Niederländischen und heißt Guide oder Führer“, sagt Dekker. „Wir haben ein Y rangehangen und hatten so den Firmennamen.“ Ganz einfach.

Schmelztiegel der Ideen

Start-up: Junge, neugegründete Unternehmen werden mit diesem Begriff bezeichnet. In den meisten Fällen handelt es sich um Neugründungen in der Computer- und Internet-Branche. Viele neue Ideen werden häufig sehr schnell und kurzfristig realisiert. Die Palette reicht von der Entwicklung von Apps für Handys, Ferienwohnungsbörsen bis zu sozialen Netzwerken wie Facebook.

Kreuzberg: Junge Start-up-Unternehmen siedeln sich verstärkt in dem ehemaligen Berliner Mauerbezirk an. Nach Aussagen von Jungunternehmern gilt der Bezirk als Schmelztiegel der Ideen in der Internet-Branche. Man würde miteinander in Konkurrenz stehen, sich aber durch die Nähe auch gegenseitig fördern. Durch die Neugründungen profitiert auch die Kneipen- und Restaurantszene.

Gidsy: Die drei Gründer des Unternehmens haben sich in Österreich kennengelernt. Ihre Geschäftsidee haben sie in Kreuzberg realisiert. Grund dafür ist, dass immer mehr junge Leute aus der ganzen Welt in die Hauptstadt ziehen und neue Ideen mitbringen. Bei Gidsy ( www.gidsy.com ) kommen von zehn Mitarbeitern sieben aus dem Ausland. Gidsy will von Kreuzberg aus weltweit tätig sein