Finanzen

Charité hält an Plänen zur Sanierung fest

Die Charité will seit langem das Bettenhochhaus sanieren. Die Skepsis des neuen Gesundheitssenators Mario Czaja gegen das Vorhaben stärkt Befürworter eines Neubaus.

Foto: M. Lengemann

Der neue Gesundheitssenator Mario Czaja hat die Diskussion um die Zukunft des Berliner Universitätsklinikums Charité wieder eröffnet. Der Christdemokrat stellt in Frage, ob die Sanierung des Bettenhauses tatsächlich, wie geplant, ohne größere wirtschaftliche Einbrüche und Zeitverzögerungen gelingen kann. Damit hat Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) einen neuen Alliierten gewonnen. Nußbaum betrachtet die Pläne des Charité-Vorstandes schon lange sehr kritisch und hat in beiden Regierungsfraktionen im Abgeordnetenhaus Parlamentarier, die seine Einschätzung teilen.

„Ich habe schon als Abgeordneter gesagt, dass ich äußerst skeptisch bin, wie eine Sanierung des Bettenhochhauses bei laufendem Betrieb möglich sein soll“, hatte Czaja im Interview mit Morgenpost Online gesagt. Nußbaum wiederum drängt die Charité zur Eile, die Pläne fertig zu stellen und im Aufsichtsrat glaubhaft darzulegen, dass das Konzept auch aufgeht. Dahinter steckt offenbar die Absicht, das Vorhaben möglichst rasch zu stoppen. Alternative wäre ein Neubau. Berlin stellt 330 Millionen Euro für Investitionen in der Charité bereit, die Hälfte davon für das marode Bettenhochhaus in Mitte und den angrenzenden Neubau eines OP-Traktes.

Kritiker bezweifeln, dass es möglich ist, eine realistische Kostenplanung für das Vorhaben vorzulegen. Sie befürchten eine unkalkulierbare Kostenfalle für das Land. Die Patienten könnten angesichts von Provisorien wegbleiben. Der Plan sieht vor, dass die Charité während der Bauzeit nur 20 Prozent der Patienten verlieren wird. Von den knapp 760 Betten aus dem Hochhaus soll die Hälfte auf die bestehenden Standorte Benjamin Franklin in Steglitz und Virchow in Wedding verlagert werden. Der Rest soll in einem Containerbau unterkommen, der ab Mai 2012 auf dem Campus Mitte entstehen soll. Eine Sanierung sei auch deshalb unsinnig, weil sich die Anforderungen an ein modernes Krankenhausgebäude in den vergangenen drei Jahrzehnten geändert hätten, warnen die Kritiker. Sämtliche Krankenhaus-Neubauten entstünden heute als kompakte Vier- oder Fünfgeschosser, in denen die Räume flexibler nutzbar seien.

Das Rad nicht zurückdrehen

Im Herbst hatte die Charité den Auftrag für die Generalplanung des Großprojektes vergeben. Die erste Ausschreibung für die Neugestaltung der Fassade läuft derzeit. Im kommenden Jahr soll die Sanierung beginnen. Aus Sicht der Charité ist es inzwischen zu spät, die Debatte über Sanierung oder Neubau noch einmal aufzumachen. „Wir können das Rad nicht wieder drei Jahre zurückdrehen“, sagte Charité-Sprecherin Stefanie Winde. Aus den laufenden Planungen und Verfahren auszusteigen, würde „enormes Geld“ kosten: „Seitens der Charité wird nicht an den beschlossenen Plänen gerüttelt.“ Die Kritiker befürchten jedoch, dass sich allenfalls eine Baufirma findet, die sich das komplexe Vorhaben zutraut und sich diese Bereitschaft samt des Risikos von Vertragsstrafen wegen Terminschwierigkeiten teuer bezahlen lassen werde.

Charité-Vorstandschef Karl Max Einhäupl käme eine neue Diskussion über die Grundlage des Zukunftskonzeptes für die Charité mit ihren 13.000 Mitarbeitern überaus ungelegen. Gerade ist es dem Vorstand gelungen, die vom Senat geforderte schwarze Null für 2011 zu erreichen. International ist der Ruf wissenschaftlicher Exzellenz der 300 Jahre alten Einrichtung wieder erblüht. Eine enge Kooperation mit dem Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin soll die Forschung auf eine neue Qualitätsstufe heben. „Wir haben bewiesen, dass wir die Zielvorgaben erfüllen können, und gehen auch für die Bauphase davon aus“, sagte Einhäupls Sprecherin.

Um die Spitzenforschung von Charité und Delbrück-Centrum wie geplant bündeln zu können, hat die neue Wirtschafts- und Forschungssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos, für CDU) an die anderen Bundesländer appelliert, sich einer engen Zusammenarbeit der Landes-Einrichtung Charité mit dem vom Bund getragenen MDC nicht zu verweigern. Das Grundgesetz untersagt solche Bund-Länder-Kooperationen. Weil aber in allen Parteien eine Verfassungsänderung diskutiert wird, erfährt das Projekt bundesweite Beachtung. Der Bund stellt für die Gesundheits-Spitzenforschung ab 2013 Geld in Aussicht, das dann auch der Charité zu Gute käme. „Wir sollten uns unabhängig von der föderalen Struktur klar machen, dass wir in der Spitzenforschung Staat gemeinsam denken müssen, wenn wir uns international behaupten wollen“, sagte Obernitz. Die Bundesregierung werde viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, wenn sie dem einen Bundesland möglicherweise mehr als dem anderen gebe.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte die Idee für die Charité als Bundesuniversität im Rahmen von Überlegungen für die Zeit nach der Exzellenzinitiative 2017 ins Gespräch gebracht. „Auch die Strategie von Frau Schavan, bei den Gesundheitsforschungszentren in Deutschland verschiedene regionale Schwerpunkte zu setzen, halte ich für richtig“, sagte Obernitz.