Oskar-Helene-Heim

Neue Pläne für ehemalige Orthopädie-Klinik

Auf dem Gelände des Oskar-Helene-Heims an der Clayallee in Berlin-Zehlendorf soll ein Wohn- und Gesundheitsstandort entstehen. Insgesamt werden in das Projekt 130 Millionen Euro investiert. Im Sommer soll der Bau beginnen.

Foto: OHA Projektentwicklungsgesellschaft

Nach zehn Jahren Leer- und Stillstand auf dem Gelände des Oskar-Helene-Heims an der Clayallee gibt es jetzt Pläne für die Neugestaltung des Areals in Zehlendorf. Die OHA Projektentwicklungsgesellschaft, in der Architekten und Experten der Medizinbranche zusammenarbeiten, will das ehemalige Klinikgelände zu einem neuen Wohn- und Gesundheitsstandort ausbauen. Die Gesamtinvestition beträgt 130 Millionen Euro, davon fließen 75 Millionen in das Gesundheitszentrum und 55 Millionen in das Wohnensemble. Im Juni 2012 soll der Bau beginnen. Geplant ist, das Gesundheitszentrum im ersten Quartal 2014 zu eröffnen. Zeitgleich sollen die 120 Wohnungen bezugsfertig sein.

Bereits seit vier Jahren entwickeln die Architekten der Planungsgesellschaft Kahl Ernst Consultants (KEC) Ideen für das 110.000 Quadratmeter große Areal zwischen Clayallee und Argentinischer Allee. Schwierigkeiten hätten sie vor allem damit gehabt, dass 50 bis 60 Prozent des Geländes weiterhin medizinisch genutzt werden sollen, sagt Architekt Jürgen Kahl. Das sei politischer Wille und die Voraussetzung für den Zuschlag gewesen. Mit dem jetzt vorliegenden Konzept sind alle Kriterien, die die Bezirksverordneten beschlossen haben, erfüllt. Der Verkauf des Geländes an die OHA-Projektentwicklungsgesellschaft durch den Liegenschaftsfonds ist bereits vom Abgeordnetenhaus bestätigt worden, die Beurkundung erfolgt noch im Januar 2012. Bis zum Baustart in einem halben Jahr wird jetzt an der Detailplanung gefeilt.

Von der alten Bausubstanz bleiben in dem neuen Konzept nur das Direktorenhaus an der Clayallee und das Schwesternwohnheim hinter dem Landschaftsschutzgebiet am Ende der Waltraudstraße übrig. Beide Gebäude, in denen heute noch zum Teil Mitarbeiter des Oskar-Helene-Heims wohnen, werden saniert und modernisiert. Die Klinik mit dem OP-Trakt wird abgerissen. Unter Denkmalschutz habe das Gebäude ohnehin nicht gestanden, sagt Kahl. Aber es sei mit den breiten Fluren und hohen Decken nach heutigen Ansprüchen auch nicht effizient zu nutzen, höchstens für riesige Luxuslofts. Jetzt entstehen an der Stelle des Klinikgebäudes mehrere Wohnhäuser in lockerer Bauweise mit maximal drei Geschossen. Sie sollen sowohl als Eigentums- als auch als Mietwohnungen genutzt werden können.

Sportmediziner und Kita bleiben

Auf dem Areal, das heute noch zum Teil von Onkologen, Sportmedizinern, Kinderärzten und einer Kita in mehreren Gebäuden genutzt wird, entsteht ein Gesundheitszentrum. Das Konzept sieht eine medizinische Vollversorgung mit Fitness- und Wellnessangeboten, einer Privatklinik und Hotel vor. Auch dafür werden die auf dem Gelände verstreut liegenden Gebäude abgerissen und komplett durch Neubauten ersetzt. „Alle Mieter, die derzeit auf dem Gelände sind, wurden auch in das neue Konzept des Gesundheitszentrums integriert“, sagt Peter Wulff, Geschäftsführer von Blue Health. Er ist mit seinem Unternehmen für die Entwicklung des medizinischen Standorts zuständig.

In den fünf neuen Häusern befinden sich künftig Schwerpunktdisziplinen wie Orthopädie, Onkologie, ein Diabeteszentrum und ein Kinderspezialzentrum mit Geburtsmedizin und Gynäkologie. Vorgesehen sind außerdem ein Operationszentrum, ein Bereich für die Sportmedizin und die so genannte bildgebende Diagnostik wie CT, MRT und Röntgen. Ergänzt wird das Angebot der klassischen Medizin von alternativen Heilmethoden, wie traditioneller chinesischer Medizin. Ein Haus bleibt der Kita vorbehalten, ein weiteres soll für Tagungen und Seminare genutzt werden. Dort werden auch ein Hotel und eine Privatklinik eingerichtet. Den Wellnessbereich mit Pool, Saunen und Massagen wird Meridian Spa betreiben.

Etwa 25 niedergelassene Fachärzte, vorrangig aus dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf, siedeln sich in dem neuen Gesundheitszentrum an der Clayallee an. „Sie sind miteinander digital vernetzt, wenn sie gemeinsam Patienten behandeln“, sagt Geschäftsführer Peter Wulff. Dadurch ließen sich Doppeluntersuchungen vermeiden. Überschneidungen mit dem Ärztehaus, das der Immobilienentwickler Stofanel nicht weit entfernt auf dem ehemaligen Volksfestgelände an der Clayallee, Ecke Hüttenweg baut, gebe es nicht, versichert Wulff. Man habe darauf geachtet, dass sich die Angebote ergänzen.

Mit der Realisierung der Pläne endet eine lange Phase, in der das ehemalige Klinikareal nur noch als Geisterstadt bezeichnet wurde. Im Jahr 2000 wurde der traditionsreiche Standort der Orthopädie-Klinik aufgegeben. Das Oskar-Helene-Heim fusionierte mit der Zentralklinik Emil-von-Behring und zog an die Walterhöferstraße. Im Moment werden das verwaiste Krankenhaus und der OP-Trakt noch für Filmaufnahmen genutzt. So wurden dort zum Beispiel Aufnahmen für die ARD-Serie „Die Stein“ gemacht.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.