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US-Hauptquartier an der Clayallee verkauft

Das alte US-Hauptquartier in Berlin-Dahlem steht seit Abzug der Alliierten 1994 weitgehend leer. Jetzt wurde das Areal an eine Immobilienfirma aus Nürnberg verkauft. Was sie auf dem historischen Gelände plant.

Foto: JOERG KRAUTHOEFER

Seit Abzug der Alliierten 1994 stand das massiv abgeriegelte Areal des ehemaligen US-Hauptquartiers weitgehend leer und wurde vorübergehend für Filmproduktionen wie den Film „Operation Walküre“ mit Tom Cruise oder „Inglourious Basterds“ von Quentin Tarantino genutzt.

Jetzt hat der Bund das gut fünf Hektar große ehemalige US-Hauptquartier an der Ecke Clayallee und Saargemünder Straße in Dahlem für 15 Millionen Euro verkauft. Entstehen soll auf dem Areal mit seinen denkmalgeschützten Gebäuden ein Wohnquartier mit Gewerbe. Nach Informationen von Morgenpost Online handelt es sich bei dem Käufer um den Immobilienentwickler TCG Terraplan Consulting GmbH aus Nürnberg, der im April den Zuschlag erhielt.

Geschichtsträchtiges Areal

Dass das geschichtsträchtige Areal mit seinen Gebäuden aus den 30er-Jahren jetzt als Wohnquartier genutzt werden soll, war ursprünglich nicht geplant.

Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf hatte sich die Nachnutzung des US-Hauptquartiers als Firmensitz oder -repräsentanz, als Botschaft, als Verwaltungs-, Büro-, Wissenschafts- oder Forschungsstandort vorstellen können – Wohnungsbau in großem Stil und vor allem Einzelhandel aber abgelehnt. Mittlerweile aber hält der Bezirk den Wohnungsbau in den denkmalgeschützten Gebäuden für sinnvoll, weil andere favorisierte Nutzungen nicht zustande kamen. Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) und Steglitz-Zehlendorfs Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) waren am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Auch die Freie Universität hatte sich bis vor einigen Jahren noch für die historisch bedeutsame Anlage interessiert, um sie als Universitäts-Campus zu nutzen. 2008 aber nahm sie wegen zu hoher finanzieller Risiken – damals soll der Grundstückspreis noch bei knapp 50 Millionen Euro gelegen haben – Abstand von diesem Vorhaben. Auch der Bundesnachrichtendienst, dessen Zentrale heute an der Chausseestraße in Mitte entsteht, war nach Abzug der Alliierten als Nachnutzer im Gespräch.

Die Gebäude auf dem Areal an der Clayallee 170 wurden in den Jahren 1936 bis 1938 von dem Architekten Fritz Fuß errichtet und dienten der Reichsluftwaffe als Verwaltungs- und Kasernenanlage. Bekannt ist das Areal aber vor allem aus der Nachkriegszeit. Im Juli 1945 hatten die US-Streitkräfte die Anlage beschlagnahmt und bis zu ihrem Abzug 1994 und der Rückgabe an den Bund als US-Hauptquartier genutzt.

Das einst zu dem US-Hauptquartier gehörende Nachbargrundstück Clayallee 170, wo das US-Konsulat seinen Sitz hat, ist nicht an den neuen Investor Terraplan verkauft worden. Das Generalkonsulat verbleibt dort.

Für das 56.405 Quadratmeter große Grundstück mit seinen sieben zum Großteil unter Denkmalschutz stehenden Hauptgebäuden aus den 30er-Jahren zahlt Terraplan 15,15 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um das Höchstgebot der insgesamt zehn Bieter, die im vergangenen Jahr bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) Angebote abgaben. Die Bima hatte Ende August 2010 die Liegenschaft inseriert und bis zur gesetzten Frist am 29.Oktober zehn Angebote zwischen 2,1 und 15,15 Millionen Euro erhalten und zunächst die fünf besten Bieter um Finanzierungsnachweise und Nutzungskonzepte gebeten. Ein Mindestpreis war damals nicht festgesetzt worden. Terraplan setzte sich offenbar durch und erhielt bis zum 8. April 2011Zeit, den Kauf vorzubereiten.

Ausschlaggebend für den Zuschlag war das Höchstgebot, die Finanzierung durch die HypoVereinsbank und die Erfahrung des Käufers im Umgang mit der Sanierung denkmalgeschützter militärischer und industrieller Gebäudeensemble. So konnte der Immobilienentwickler Terraplan offenbar hinreichend nachweisen, dass er fachlich in der Lage ist, das historische, denkmalgeschützte Areal angemessen umzunutzen. Auf seiner Internetseite wirbt Terraplan mit der „liebevollen“ Restaurierung von Gründerzeithäusern zum Beispiel in Potsdam.

Alter Baumbestand bleibt erhalten

Terraplan hat für das ehemalige US-Hauptquartier ein Nutzungskonzept vorgelegt, wonach Wohnen und Gewerbe in den vorhandenen Gebäuden vorgesehen ist. Darüber hinaus soll gut ein Hektar der Fläche „moderat mit Wohnhäusern“ bebaut werden. Der vorhandene Baumbestand soll dabei berücksichtigt werden. Das geht aus einem Morgenpost Online vorliegenden Papier hervor. Das Stadtplanungsamt und die Denkmalbehörde haben dem Konzept bereits zugestimmt.

Wie berichtet, soll an der Clayallee auf der dem US-Hauptquartier gegenüberliegenden Truman Plaza ebenfalls ein Wohnquartier mit Wohnungen und Gewerbe entstehen. Verantwortlich für das fünf Hektar große Areal ist die Stofanel Investment AG.

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