Gift-Getränke auf Weihnachtsmärkten

Vom Berliner Alkoholpanscher fehlt jede Spur

Mindestens zwölf Weihnachtsmarkt-Besucher wurden in Berlin mit unterschiedlichen Getränken vergiftet. Die Polizei untersucht, ob die jüngsten Fälle dem gesuchten Täter zugeordnet werden können. Ein Weihnachtsmarkt-Betreiber setzt Lockvögel ein, um den Giftmischer zu finden.

Nach den Gift-Attacken auf mehreren Berliner Weihnachtsmärkten sucht die Polizei weiterhin nach dem unbekannten Mann, der mit K.-o.-Tropfen vergifteten Schnaps verteilt. Nach Auskunft einer Polizeisprecherin seien bislang zehn Hinweise auf den Täter eingegangen. Eine heiße Spur sei jedoch noch nicht darunter.

Wie am Dienstag bekannt wurde, sind möglicherweise weitere Menschen vergiftet worden. Eine 39 Jahre alte Frau habe sich am Montagmittag bei der Polizei gemeldet. Sie sei am vergangenen Sonnabend mit ihrem Partner und einem befreundeten Pärchen auf dem Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz gewesen. Dort habe ein Mann sie in ein Gespräch verwickelt und den beiden Frauen Glühwein angeboten. Während die Freundin der 39-Jährigen ablehnte, trank stattdessen deren Partner den Alkohol. Auf dem Weg nach Hause litten dann sowohl die Frau als auch der Mann unter Kreislaufproblemen. Beide mussten sich übergeben. Ob für die Tat derselbe Mann infrage kommt, der schon an andere Opfer vergiftete Schnapsflaschen verteilte, wird nun untersucht.

Darüber hinaus prüft die Polizei einen weiteren Fall, wonach ein junger Mann nach dem Besuch eines Weihnachtsmarktes am Montag über Übelkeit und Schwindel klagte . Der 21-Jährige sagte gegenüber Morgenpost Online, dass ein Mann ihm in der Nähe des Weihnachtsmarktes am Alexa ein Getränk ausgegeben hätte. Da die geschilderten Symptome allerdings erst nach einigen Stunden aufgetreten sein sollen und er widersprüchliche Angaben machte, sind die Ermittler skeptisch, ob der Mann wirklich das Opfer eines Gift-Attentats geworden ist.

Mindestens zwölf Opfer

Seit vergangenem Mittwoch wurden bislang sieben Frauen und drei Männer auf drei Weihnachtsmärkten in Mitte und Charlottenburg mit gepanschtem Alkohol vergiftet. Alle Opfer klagten nach kurzer Zeit über Übelkeit, Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfälle. Zwei junge Frauen fielen sogar in Ohnmacht und mussten zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert werden. In vier von fünf Fällen erzählte der Mann seinen Opfern, dass er Vater geworden sei und mit ihnen anstoßen wolle. Daraufhin verteilte er kleine Schnapsflaschen und verschwand anschließend in der Menschenmenge. In einem weiteren Fall wurde eine 15-Jährige offenbar mit K.o.-Tropfen vergiftet. Hierbei trug der Täter jedoch – anders als bislang – ein Weihnachtsmannkostüm und drückte dem Mädchen und ihrer Freundin statt Schnapsflaschen zwei Pappbecher in die Hand.

Während die Beamten weiterhin ermitteln, bietet der Chef des Weihnachtsmarktes am Alexa, Charles Blume, eine Belohnung von 1000 Euro, wenn entsprechende Hinweise dazu führen, dass der Täter überführt wird. „Wir wollen, dass er schnellstmöglich geschnappt wird“, sagt Charles Blume. „Was dieser Mann macht, ist einfach schmutzig und feige.“ Bislang ist noch kein Fall auf seinem Weihnachtsmarkt bekannt geworden. Dennoch habe er die Zahl der Sicherheitskräfte verdoppelt und zwei Lockvögel eingestellt. Auch der Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt ist bislang verschont geblieben. „Wir sind gewappnet gegen solche Personen“, sagt Veranstalter Philipp Dubrau.