Harald Ehlert

Warum die Berliner Treberhilfe pleite ist

Die "Maserati-Affäre" kostetet Harald Ehlert, den Gründer der Berliner Treberhilfe, den Job als Geschäftsführer. Morgenpost Online sprach mit Ehlert über die Insolvenz des Unternehmens und den Umgang mit der Öffentlichkeit.

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Die Treberhilfe Berlin, lange Jahre Marktführer in der Sozialbranche, ist insolvent. Brigitte Schmiemann sprach mit dem Gründer und Gesellschafter der gemeinnützigen GmbH über die Situation.

Morgenpost Online: Herr Ehlert, Sie haben die Treberhilfe über mehr als 20 Jahre aufgebaut und lange Zeit erfolgreich geführt. Jetzt musste Ihr Betrieb am Dienstag Insolvenz anmelden. Wie fühlen Sie sich?

Harald Ehlert: Ich bin sauer, verärgert. Die politische Verfolgungsjagd geht über Arbeitsplätze hinweg. Nach meinem Eindruck haben Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) und der noch amtierende Staatssekretär nichts unversucht gelassen, die Treberhilfe aus Wahlkampfgründen zu zerstören. Durch die rechtswidrige Kündigung der Trägerverträge und die anschließende Nichtzahlung der offenen Rechnungen wurden finanzielle Schwierigkeiten der Treberhilfe provoziert.

Morgenpost Online: Dass hohe Gehälter und Luxusautos in der Sozialbranche zum Symbolthema werden können, musste Ihnen eigentlich klar sein. Da hat es Ihnen auch nicht genützt, dass Sie sich nach der sogenannten „Maserati-Affäre“ als Geschäftsführer zurückgezogen haben. Haben Sie den politischen Rechtfertigungsdruck, dem Sie als Sozialdienstleister unterliegen, in grober Weise unterschätzt?

Harald Ehlert: Ich habe mich als Geschäftsführer zurückgezogen, als Ermittlungen gegen mich aufgenommen wurden. Aus heutiger Sicht war das ein Fehler. Ich konnte dadurch der öffentlichen Desinformation und den Angriffen schlechter entgegentreten. Ich bin damals davon ausgegangen, dass die Sozialwirtschaft als Wirtschaftsfaktor in der Öffentlichkeit stärker anerkannt ist. Aber Frau Bluhm hat dieses Thema bewusst politisch aufgebaut – und Sozialpolitik wurde durch Sozialneid-Debatten ersetzt.

Morgenpost Online: Was würden Sie heute anders machen?

Harald Ehlert: Die Treberhilfe und ich haben den Desinformationen zu wenig widersprochen. Wir waren auch zu unerfahren im Umgang mit der Medienöffentlichkeit. Die Überzeugung, dass man mit Zurückhaltung in der Auseinandersetzung der Treberhilfe hilft, hat sich als Irrtum erwiesen.

Morgenpost Online: Ihr Unternehmen hat 4,5 Millionen Euro Schulden. Heißt das, dass die Immobilien den Gläubigern gehören? Worin sehen Sie den verbleibenden Wert der Treberhilfe?

Harald Ehlert: Zu den Finanzdaten kann ich mich nicht äußern, aber es ist äußerst bemerkenswert, dass die Konkurrenten, wie ich gehört habe, schon in größerem Umfang Interesse an einer Übernahme von Unternehmensteilen bekundet haben. Ich habe den Eindruck, es gibt viele, die in der Treberhilfe die Beute sehen, auf die sie seit Monaten gewartet haben. Ich glaube, dass es gelingen kann, die Treberhilfe als Gesamt-Unternehmen fortzuführen. Die Akzeptanz insbesondere bei den Wohnungslosen und der gute Ruf auf der Straße sprechen dafür.

Morgenpost Online: Ihre Berufskollegen sagen, Sie hätten mit Ihren Eskapaden der ganzen Branche geschadet...

Harald Ehlert: Von Eskapaden kann gar nicht die Rede sein. Frau Bluhm hat mit ihrer trägerfeindlichen Politik der Branche geschadet. Meine angeblich unmoralischen Verhaltensweisen wurden politisch instrumentalisiert, ohne dass sich die Branche dagegen gewehrt hat. Vor zehn Jahren wäre eine solche Situation ohne Widerstand der gesamten Trägerlandschaft kaum vorstellbar gewesen. Die inhaltliche Diskussion über die Leistungsfähigkeit und die stabilisierende Wirkung für die soziale Sicherheit in Berlin haben die Sozialunternehmen nicht selbstbewusst thematisiert. Die soziale und innere Sicherheit, die die Sozialunternehmen garantieren, stand nicht im Vordergrund. Stattdessen wurde über die Gehälter von Geschäftsführern der Sozialunternehmen öffentlich diskutiert.

Morgenpost Online: Was planen Sie für Ihre eigene Zukunft?

Harald Ehlert: Ich habe für und mit der Treberhilfe einige Jahrzehnte gelebt – in meiner Lebensplanung war auch ohne die Ereignisse des letzten Jahres eine Umorientierung von mir geplant. Ich wollte die Geschäftsführung ohnehin nach und nach übergeben, weil ich stärker im Bereich Projektentwicklung tätig werden wollte.

Morgenpost Online: Was ist eigentlich mit dem auf fragwürdige Weise berühmt gewordenen Maserati?

Harald Ehlert: Ich habe mich vor fast einem Jahr für die Provokation mit dem Fahrzeug entschuldigt. Er ist unseriös politisch instrumentalisiert worden. Das Auto diente als Vorwand, meine gute Marktposition anzugreifen. Mich interessiert weder das Auto noch sein Schicksal.

Morgenpost Online: Halten Sie es nach wie vor für richtig, dass in der Sozialbranche genauso gut verdient werden dürfen sollte wie in jedem anderen kommerziellen Bereich? Falls ja, wie erklären Sie es sich dann, dass die Öffentlichkeit ganz offensichtlich einen Unterschied macht, ob der Chef einer Obdachlosen-Hilfseinrichtung mit seinem „Luxusschlitten“ vorfährt oder der Verwaltungsdirektor des städtischen Krankenhauses?

Harald Ehlert: Gleiches Geld für gleiche Leistung, muss auch für die Sozialbranche gelten. Man hat die Treberhilfe und mich erfolgreich diskreditiert, nachdem wir Konzepte für den Erfolgswettbewerb in unserer Branche vorgestellt haben. Es wurde eine niveaulose Diskussion über Sozialneid gegenüber Sozialmanagern geführt. Statt sich zu fragen, welches Sozialunternehmen den Menschen, für die es arbeitet, am erfolgreichsten und effektivsten hilft. Darin liegt das größte politische Versagen der Senatorin und ihres Staatssekretärs.

Morgenpost Online: Sie selbst fühlen sich also nicht verantwortlich für die Situation der Treberhilfe?

Harald Ehlert: Zwischen meinem Rückzug und der jetzigen Situation sind nahezu anderthalb Jahre vergangen. Die Stabilität der Treberhilfe wurde durch die Kündigung der Verträge scharf angegriffen, und die durch die darauf folgende Nichtzahlung von erbrachten Leistungen weiter verstärkt, obwohl das Landessozialgericht korrigierend eingriff. Die mir gegenüber erhobenen Vorwürfe stehen nicht in Zusammenhang mit diesen Entwicklungen. Der Versuch, wahlkampfgünstig die Verträge mit der Treberhilfe zu kündigen, hat nicht funktioniert. Der Zusammenbruch der Treberhilfe sollte vermutlich vor dem Wahlsonntag gefeiert werden. Doch der Stimmenfang auf Kosten der Wohnungslosen Berlins und unserer Mitarbeiter lief ins Leere. Die Senatorin hat sich selbst und die soziale Infrastruktur beschädigt.

Morgenpost Online: Wie sehen Sie die Zukunft der Treberhilfe?

Harald Ehlert: Seit über einem Jahr bin ich bereits selbst als Gesellschafter auf der Suche nach Nachfolgern. Das leumundschädliche Verhalten der politischen Leitung der Sozialverwaltung hat die Gespräche aber nicht begünstigt. Ich glaube, dass das Insolvenzverfahren eine Chance für die Treberhilfe ist, ihre wichtige Rolle im Netz der sozialen Sicherung fortzusetzen. Hoffentlich dann ohne politische Störungen. Für mich selbst ist das Konzept eines gemeinnützigen Unternehmers nicht mehr attraktiv. Verantwortung mit finanziellem Risiko zu übernehmen, um dann mit Klassenkampfparolen überschüttet zu werden, macht weder Spaß, noch hilft es der Stadt.