Bau-Panne

Pfusch an BND-Zentrale kostet Millionen

Erneute Panne beim Großbau der neuen BND-Zentrale an der Chausseestraße in Berlin-Mitte: Wegen gravierender hygienischer Mängel muss die bereits installierte Klimaanlage wieder entfernt werden. Die Kosten von 9,7 Millionen Euro wird vermutlich der Steuerzahler tragen müssen.

Die Pannenserie beim Bau der neuen Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) reißt nicht ab. Nach Informationen von Morgenpost Online muss jetzt die Klimaanlage des Hauptgebäudes an der Chausseestraße in Mitte wegen gravierender hygienischer Mängel wieder ausgebaut werden. Die zuständige Firma hat grundlegende technische Anforderungen missachtet, wie das für die Planung und Baudurchführung verantwortliche Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) auf Anfrage bestätigte. Die Folge: Der Firma wurde gekündigt und der Auftrag in Höhe von etwa 9,7 Millionen Euro neu ausgeschrieben. Weil die betroffene Firma aber zahlungsunfähig sein soll, wird vermutlich der Steuerzahler auf den Kosten sitzen bleiben. BBR-Sprecher Andreas Kübler teilte dazu lediglich mit, dass „die Haftungsfragen zur Zeit im Einzelnen geprüft werden“.

Baustelle unter schlechtem Stern

Beim Richtfest im März vergangenen Jahres hatte Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) den Neubau der BND-Zentrale in der Hauptstadt als das „größte Bauvorhaben, das von der Bundesrepublik jemals in Angriff genommen wurde“ bezeichnet. Doch die Baustelle auf dem Gelände des früheren „Stadions der Weltjugend“, auf dem nun die modernste Geheimdienstzentrale Europas entstehen soll, steht bislang unter keinem guten Stern. Immer wieder wurde von Zwischenfällen berichtet.

Der Bau der neuen Zentrale, der laut BBR im kommenden Jahr für etwa 720 Millionen Euro beendet sein soll, wird sich nach Expertenmeinung nicht nur verzögern, sondern auch noch verteuern. Vor 2014 wird nicht damit gerechnet, dass die etwa 4000 BND-Mitarbeiter den Gebäudekomplex auf dem 260.000 Quadratmeter großen Gelände beziehen werden. Die Kosten für den reinen Neubau werden die 800-Millionen-Euro-Marke übersteigen, die Gesamtkosten inklusive Umzug und Technik sollen sogar zwischen 1,5 und 1,8 Milliarden Euro liegen.

Die Panne mit der Klimaanlage verteuert und verzögert den Bau zusätzlich. BBR-Sprecher Andreas Kübler sagt zu dem Problem mit der Klimaanlage, dass „diese Entwicklung Termin- und Kostenrisiken mit sich“ bringe. Die bereits errichteten Anlagenteile müssten weitgehend erneuert und komplettiert werden.

Der BND will sich zu dem Skandal nicht äußern, weil er nur Mieter sein wird. Bauherr ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Bereits die Feier zur Grundsteinlegung der neuen Zentrale am 7. Mai 2008 hatte für Gelächter gesorgt. Ausgerechnet in dem Moment, als der damalige Kanzleramts- und heutige Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) die Notwendigkeit des heftig umstrittenen Neubaus begründen wollte, fiel die Mikrofonanlage aus. Die Kommentare der 400 Gäste waren entsprechend voll beißender Ironie.

Kopfschütteln löste im Sommer auch ein Artikel des Nachrichtenmagazins „Focus“ aus, in dem über den Diebstahl von Bauplänen berichtet wurde. Der BND beteuerte zwar, die Pläne seien nicht brisant gewesen, doch der Imageschaden war enorm.

Firma verstieß gegen Auflagen

Nun kommt noch das Fiasko mit der Klimaanlage hinzu. Dieses wäre jedoch vermeidbar gewesen, denn die Hygienevorschriften sind vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) klar geregelt. Die VDI-Richtlinie 6022 gibt vor, welche Anforderungen so genannte raumlufttechnische Anlagen erfüllen müssen. Wie das BBR mitteilte, hat die beauftragte Firma dagegen grundlegend verstoßen. Warum die Einhaltung der Richtlinie nicht vor dem Einbau geprüft wurde, bleibt bislang rätselhaft. Laut BBR-Sprecher Andreas Kübler hat die Bauüberwachung die Mängel jedoch „zeitnah im Zuge des Einbaus vor Ort erkannt und auf Abhilfe gedrungen“. Die Verhandlungen mit der Firma zur Mängelbeseitigung seien in der Folge allerdings erfolglos verlaufen. Deshalb sei der Auftrag als Konsequenz gekündigt und neu ausgeschrieben worden.

Für Kritiker des Baus an der Chausseestraße ist die neuerliche Panne ein weiteres Argument, dass die Errichtung der Zentrale in Berlin unsinnig sei. Vor allem lang gediente BND-Mitarbeiter waren empört, als im April 2003 das Bundessicherheitskabinett den Umzug nach Berlin beschlossen hatte. Sie wollen ihre bisherige Arbeitsstätte im bayerischen Pullach nicht verlassen. Einen kompletten Umzug nach Berlin verhinderte vor allem die CSU, die sich verständlicherweise für den Standort Pullach starkgemacht hatte. Der geschlossene Kompromiss sieht nun vor, dass etwa 1000 Geheimdienstmitarbeiter in Pullach bleiben und technische Dienste verrichten werden.

Der im kommenden Monat aus dem Amt scheidende BND-Präsident Ernst Uhrlau verspricht sich dagegen von dem Neubau eine entscheidende Verbesserung der Arbeitsfähigkeit des Nachrichtendienstes. Der Umzug der Zentrale von Pullach nach Berlin dokumentiere dauerhaft, „dass für den deutschen Auslandsnachrichtendienst eine neue Zeitrechnung begonnen hat“, sagte Uhrlau beim Richtfest im vergangenen Jahr.

Und Kanzleramtschef Ronald Pofalla erklärte: „Für den BND wird hier ein eindrucksvolles Gebäude an einem zentralen Standort in unmittelbarer Nähe zur Bundesregierung entstehen.“

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