Bildung

Volksbegehren Grundschule sammelt weiter Stimmen

Eltern müssen in Berlin nachweisen, ob ihr Kind tatsächlich Anspruch auf einen Hortplatz hat. Diese Prüfung will eine Initiative jetzt abschaffen. Bis Donnerstag kann das Volksbegehren noch unterschrieben werden.

Foto: Michael Brunner

Die Initiatoren des Volksbegehrens Grundschule wollen an ihrem Ziel festhalten, die Bedarfsprüfung für Hortplätze abzuschaffen und die Horte besser mit Erziehern auszustatten. Mit diesen Maßnahmen soll vor allem die Betreuungslücke für Kinder der fünften und sechsten Klassen geschlossen werden. Bisher mussten die Eltern ihre Berufstätigkeit nachweisen, um einen Hortplatz für ihr Kind zu bekommen. Ging es um Fünft- und Sechstklässler, war es für die Mütter und Väter besonders schwer, einen Bedarf nachzuweisen.

„Die Unterschriftensammlung geht weiter“, sagte Burkhard Entrup, Vorsitzender des Landeselternausschusses Kita. Er hat das Volksbegehren Grundschule auf den Weg gebracht. Noch bis zum Donnerstag (10. November) kann das Volksbegehren unterzeichnet werden. Entsprechende Listen liegen in den Rathäusern aus. 173.000 Unterschriften sind nötig, damit ein Volksentscheid stattfinden kann. Bisher haben rund 60.000 Berliner das Begehren unterstützt. „Das ist ein Zeichen dafür, dass viele Menschen hinter unseren Forderungen stehen, auch wenn wir nicht die erforderliche Anzahl von Unterschriften zusammenbekommen“, so Entrup.

Günter Peiritsch, Vorsitzender des Landeselternausschusses, kritisierte, dass die Bedarfsprüfung nicht völlig abgeschafft werden soll. „Eltern, die sich jahrelang um ihre Kinder gekümmert haben, brauchen eine Orientierungsphase, um wieder zurück in den Beruf zu finden oder dort überhaupt erst einmal Fuß zu fassen“, sagte er. Deshalb sei es wichtig, dass auch diese Eltern Anspruch auf einen Hortplatz für ihre Kinder haben.

Auch die Vorsitzende des Grundschulverbandes, Inge Hirschmann, hält es für falsch, den Anspruch auf einen Hortplatz an eine Bedarfsprüfung zu knüpfen. „Diese Prüfung fällt in den Bezirken sehr unterschiedlich aus. Das ist ungerecht“, sagte sie. Außerdem bräuchten auch viele Kinder, deren Eltern nicht arbeiten gehen, dringend einen Hortplatz, um besser gefördert werden zu können.

Zur geplanten Freiwilligkeit des jahrgangsübergreifenden Lernens in der Schulanfangsphase sagte die Vorsitzende des Grundschulverbandes, dass es zwar sehr schwierig sei, mit heterogenen Schülergruppen umzugehen. „Das muss aber gelöst werden, gerade im Hinblick auf das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern, zu dem sich Berlin mit der Unterzeichnung der entsprechenden UN-Konvention verpflichtet hat.“ Hirschmann hält es deshalb für falsch, es den Schulen selbst zu überlassen, ob sie ihre Jahrgänge mischen wollen oder nicht.