Missbrauch-Skandal

Parkeisenbahn - Senat fordert neues Konzept

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Dominik Ehrentraut

Foto: Steffen Pletl

Mit Auflagen für den Betreiber reagiert die Berliner Bildungsverwaltung auf den Missbrauchsskandal bei der Parkeisenbahn in der Berliner Wulheide.

Nach den Missbrauchsfällen bei der Parkeisenbahn in der Berliner Wuhlheide fordert die Senatsbildungsverwaltung von den Betreibern ein neues pädagogisches Konzept. „Die Rolle von Kinder- und Jugendschutz muss in Zukunft stärker betont werden“, sagte der Sprecher der Bildungsverwaltung, Christian Walther. Bislang überwies die Verwaltung 15.800 Euro pro Jahr an die gemeinnützige Parkeisenbahn-Gesellschaft für eine Bürokraft. Dieses Geld muss nun für eine pädagogische Fachkraft eingesetzt werden. Darüber hinaus müssen die Betreiber mit einem Träger der Jugendarbeit eine Zusammenarbeit vereinbaren, der in Kinder- und Jugendschutzangelegenheiten erfahren ist. Denkbar sei eine Kooperation mit dem Freizeit- und Erholungszentrum (FEZ). Derzeit werden die Vorfälle vom Verein „Hilfe für Jungs“ untersucht. Diese Zusammenarbeit soll nach dem Willen der Bildungsverwaltung in Zukunft verbindlich festgeschrieben werden.

Parkeisenbahn-Geschäftsführer Ernst Heumann reagierte auf die Forderungen zurückhaltend. Details zu den Planungen wollte er keine nennen. „Wir befinden uns derzeit in Gesprächen“, sagte er lediglich. Am 15..November 2011 müssen die Parkeisenbahner bei einem Treffen mit der Bildungsverwaltung, dem FEZ, dem Jugendamt und Vertretern von „Hilfe für Jungs“ über ihre Planungen und Fortschritte informieren. Ein Ultimatum werde dem Verein allerdings nicht gesetzt, sagte Behördensprecher Walther.

Die Missbrauchsfälle bei der Parkeisenbahn waren Ende 2010 bekannt geworden. Mitarbeiter der Schmalspurbahn hatten über Jahre hinweg Kinder und Jugendliche, die dort als Schaffner oder Schrankenwärter arbeiteten, sexuell missbraucht. Bislang wurden zwei ehemalige Mitarbeiter verurteilt. Gegen fünf weitere Personen wurde Anklage erhoben. Laut Experten reichen die Fälle bis in die 90er-Jahre zurück. Wie viele Taten noch öffentlich werden, ist ungewiss. Erfahrungsgemäß scheuen sich viele Opfer aus Scham, über die Verbrechen zu sprechen. Daher dürfte ein Teil der Taten wohl verborgen bleiben.

Nach Informationen von Morgenpost Online soll die Parkeisenbahn die Kinder- und Jugendarbeit in der Vergangenheit grob vernachlässigt haben. In den vergangenen 50 Jahren sei wenig an den Strukturen verändert worden. Das System basiere auf dem Prinzip der Über- und Unterordnung und entspräche nicht einer modernen Kinder- und Jugendarbeit, so die Kritik. Genau diese Hierarchien machten sich die Täter schließlich zunutze, indem sie die Kinder unter anderem mit Beförderungen lockten, sofern sie sich deren Willen fügten.