Vor Prozess

Schüsse auf Reinickendorfer Rocker-Lokal

Kurz vor dem Prozess gegen Hells Angels-Mitglied Kadir P. tobt auf Berlins Straßen der Kampf mit den verfeindeten Bandidos. Vor Gericht verweigern die Rocker die Aussage – andere Zeuge melden sich krank oder wollen nichts gesehen haben.

Foto: Steffen Pletl / BMO

Der Rockerkrieg zwischen den verfeindeten Banden Hells Angels und Bandidos hat am Donnerstagabend einen neuen Höhepunkt erreicht. Einen Tag vor dem Prozess gegen ein Mitglied der Hells Angels, den Türken Kadir P., schossen Unbekannte auf das Vereinslokal der Bandidos an der Quickborner Straße in Reinickendorf.

Nach Angaben der Polizei hatten Zeugen gegen 23.30 Uhr die Knallgeräusche gehört und daraufhin zwei Männer flüchten sehen. Zu dem Zeitpunkt sollen sich in dem Gebäude zwei Personen aufgehalten haben, sie wurden nicht verletzt.

Steigende Gewaltbereitschaft

Die jüngste Attacke ist ein weiterer Beleg für die steigende Gewaltbereitschaft innerhalb der Rockerszene. In der Vergangenheit hatte es immer wieder brutale Übergriffe gegeben. Die Banden schrecken auch nicht davor zurück, scharfe Waffen einzusetzen. Kadir P. hatte den Bandidos im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt und war in einer spektakulären Aktion mit rund 80 Gefolgsleuten zu den Hells Angels übergetreten.

Am Freitag begann gegen den 27-Jährigen und seinen mutmaßlichen Komplizen Kadim Ü. ein Prozess vor einer Moabiter Schwurgerichtskammer wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung.

Türsteher geschlagen und niedergestochen

Dabei geht es unter anderem um einen Vorfall am 11. August 2007 vor einer Diskothek in Schöneberg, bei dem Kadir P. einen Türsteher mit der Faust geschlagen und ihm in Tötungsabsicht einen Messerstich versetzt haben soll. Zwei Tage zuvor soll Kadir P. – damals noch als Bandidos-Mitglied – einem Hells-Angels-Mitglied vor dessen Wohnungstür in Mitte mit einem Messer dreimal in den Oberschenkel gestochen und dann dessen Motorradkutte mit den Insignien des Clubs geraubt haben. Auch das ist Teil der Anklage im aktuellen Prozess, der sich wie erwartet äußerst schwierig gestaltet. Gehört es doch bei den Rockern zum Ehrenkodex, bei Polizei und Justiz keine Aussagen zu machen.

Genau so kam es dann auch. Kadir P. und Kadim Ü. machten vor Gericht von ihrem Aussageverweigerungsrecht gebrauch. Der als Zeuge geladene frühere Chef der Rockerbande Bandidos, El-Centro, verweigerte ebenfalls die Aussage. Eine ehemalige Security-Mitarbeiterin, die bei dem Vorfall vor der Diskothek dabei war, will Kadir P. dort nicht gesehen haben. Andere Zeugen meldeten sich krank. Der Prozess wird fortgesetzt.